Berlinale: Panorama


Panorama

Künstlerische Vision, Mut zum Anderssein, Lust auf Unvertrautes, ungewöhnliche soziale Systeme, vertieftes Geschichtsbewusstsein oder wegweisende Persönlichkeiten: Das Anliegen des Panorama ist, weltweit neue Impulse im gegenwärtigen Zeitstrom und filmischen Schaffen aufzuspüren und diese im Programm-Spektrum abzubilden.

Neue Werke renommierter Regisseur*innen, Debütfilme und Entdeckungen feiern im Panorama ihre Welt- oder Europapremieren und laden zur kritischen Auseinandersetzung und kinematografischen Erfahrung ein. Das Panorama fordert sein Publikum und vertraut darauf, mit ihm neue Wege zu gehen. Pressekonferenzen und Publikumsgespräche geben Pressevertreter*innen und Zuschauer*innen die Gelegenheit, sich mit Regisseur*innen, Produzent*innen und Darsteller*innen über die Filme auszutauschen und zu diskutieren. Gleichzeitig stellt sich die Filmauswahl dem aktuellen Markt, um ihn auszuloten oder ihm auch neue Impulse zu geben.

Das Panorama präsentiert seine Filme in drei Programmreihen mit unterschiedlichem Profil:

Für alle Filmanmeldungen gelten die Allgemeinen Anmelde- und Teilnahmerichtlinien.

1 - Zugelassene Filme

Für Panorama zugelassen sind Spiel- und Dokumentarfilme ab 70 Minuten Laufzeit, die

  • außerhalb ihrer Ursprungsländer in Europa noch nicht kommerziell ausgewertet wurden.
  • noch auf keinem anderen deutschen oder europäischen Festival gezeigt wurden, die Teilnahme an nationalen Reihen im Ursprungsland ist jedoch erlaubt.
  • außerhalb ihres Ursprungslandes weder im Fernsehen noch im Internet / VOD gezeigt wurden.
  • in den Formaten DCP, QuickTime ProRes 422 oder 35mm (kinoabhängig) vorliegen. Andere Formate nur nach Rücksprache.
  • falls es sich um Fernsehproduktionen handelt, die für eine Kinoauswertung vorgesehen sind.

Im Falle internationaler Koproduktionen gilt das Hauptproduktionsland als Ursprungsland.

  • Weltpremieren werden bevorzugt.
  • Deutsche Filme müssen (mit Ausnahme der Anmeldungen für die Sektion Perspektive Deutsches Kino) eine Weltpremiere sein.

Der Direktor des Festivals hat das Recht, alle in den Richtlinien nicht vorgesehenen Fälle zu regeln.

2 – Auswahl und Programmierung

Die Panorama-Kuratoren sind gegenüber dem Festivaldirektor für ihre Auswahl verantwortlich. Produktionen, die für den Wettbewerb eingereicht werden, können – wenn nicht vom Einsender ausdrücklich ausgeschlossen – vom Panorama berücksichtigt werden.

3 - Fassung und Untertitel

Alle eingeladenen Filme werden in ihrer Originalfassung mit englischen Untertiteln vorgeführt. Deutschsprachige Filme sollen mit englischen Untertiteln gezeigt werden. Die Kosten der Untertitelung gehen zu Lasten des Produzenten.

Als Originalfassung gilt jede Fassung, in welcher der Film in seinem Ursprungsland gezeigt wird oder werden soll.

Im Rahmen des Panoramas werden folgende Auszeichnungen unabhängiger Jurys vergeben:

  • GWFF Preis Bester Erstlingsfilm (dotiert mit 50.000 Euro)
  • Glashütte Original Dokumentarfilmpreis (dotiert mit 50.000 Euro)
  • Panorama Publikums-Preis, an dem Jahr für Jahr über 20.000 Berlinale-Besucher teilnehmen
  • Teddy Award, der weltweit bedeutendste queere Filmpreis, der seinen Anfang im Panorama nahm und Filme aus allen Sektionen der Berlinale auszeichnen kann
  • Heiner-Carow-Preis, ausgelobt von der DEFA-Stiftung
  • Preis der Ökumenische Jury der Kirchen
  • Preis der FIPRESCI-Jury
  • CICAE Art Cinema Award
  • Amnesty International Filmpreis
  • Friedensfilmpreis
  • Label Europa Cinemas

Weitere Informationen zu den Preisen der Berlinale finden Sie unter Preise und Jurys.

Manfred Salzgeber, Rose-Marie Couture, Wieland Speck
Manfred Salzgeber und Wieland Speck

Hervorgegangen ist das Panorama aus der „Info-Schau“, dem Ergänzungsprogramm zum Berlinale Wettbewerb der 1970er Jahre. 1980 wurde Manfred Salzgeber – einer der wichtigsten Innovatoren in der Berliner Off-Kinolandschaft der 1970er Jahre und Mitinitiator des Internationalen Forums des Jungen Films – damit beauftragt, der Sektion ein inhaltliches Format zu geben. 1982 nahm Salzgeber Wieland Speck an seine Seite und baute ein Programm auf, das gesellschaftliche Konflikte und neue Ästhetiken aufgriff und sich dabei niemals scheute, unbequem zu sein. 1986 gab er der Sektion den Namen Panorama.

1992 übernahm Wieland Speck die Leitung der Sektion und entwickelte in den folgenden 25 Jahren die Arbeit seines Vorgängers konsequent fort: Erfolgreich verband er den anspruchsvollen Independent-Film mit dem internationalen Markt und verschaffte dem 1987 mit Manfred Salzgeber gegründeten Teddy Award als weltweit erstem und bislang bedeutendsten Filmpreis für queeres Kino internationale Anerkennung.

Seit Juli 2017 leitet Paz Lázaro die Sektion und kuratiert das Panorama-Programm gemeinsam mit Michael Stütz und Andreas Struck.

Gewann 1987 den ersten Teddy Award: Pedro Almodovar

Queerer Film ist politisches, hinterfragendes und begehrendes Kino, das die Grenzen gängiger LGBTQI*-Identitäten auflöst, Gesellschaftskritik in sein Narrativ integriert und Wege eines neuen Selbstverständnisses geht. Das Panorama-Programm und der Teddy Award wollen queere Filmemacher ermutigen, die Errungenschaften queerer Geschichte weiterzutragen und neue Akzente zu setzen. Zu den Teddy-Preisträgern gehören heute zahlreiche erfolgreiche oder und relevante Filmemacher: Pedro Almodóvar, Gus van Sant, Isaac Julien, Stanley Kwan, Ira Sachs, Rose Troche, Lukas Moodysson, Céline Sciamma, Małgorzata Szumowska, François Ozon, Jay Duplass, Monika Treut, Sébastien Lifshitz, Bruce LaBruce, Naoko Ogigami, Cheryl Dunye, Derek Jarman und viele andere. Der Teddy Award, der im Panorama seinen Anfang nahm, kann Filme aus allen Sektionen auszeichnen. Zugang zu mehr als 1000 archivierten Filmen, die seit Gründung des Teddy Awards im queeren Kontext auf der Berlinale präsentiert wurden, bieten die Queer Academy (queeracademy.net) und die Teddy Award-Website (www.teddyaward.tv)

Von Anfang an widmete das Panorama dem Kurzfilm große Aufmerksamkeit und engagierte sich durch die Präsentation von jährlich etwa 25 Werken im Programm, um spannende ästhetische Auseinandersetzungen zu führen und neue Talente früh zu entdecken. Mit der Berlinale 2007 fand die leidenschaftliche Panorama-Kurzfilmarbeit ein neues Zuhause in der neuen Sektion Berlinale Shorts, die in Zusammenarbeit mit dem Berlinale Wettbewerb entstand.