Berlinale: Wettbewerb


Wettbewerb

Glamourös, umstritten, engagiert: Der Wettbewerb ist das Herzstück der Berlinale und die Visitenkarte des Festivals. Er zeigt Starkino und entdeckt Regisseur*innen für die große Bühne des internationalen Kinoschaffens.

Als Gravitationszentrum des Festivals bündelt der Wettbewerb die Energie der Berlinale und strahlt in die Welt hinaus. Er steht im Fokus der Aufmerksamkeit und führt immer wieder zu hitzigen Debatten über einzelne Werke oder das ganze Programm. Mit den aus tausenden Einreichungen ausgewählten Filmen lassen sich die Gegenwart und die zukünftigen Wege des Kinos erleben. Der Wettbewerb zelebriert das traditionsreiche Starkino und gibt den Zuschauern gleichzeitig die Möglichkeit, sich auf Neues, Überraschendes und Unbequemes einzulassen. Internationale Großproduktionen stehen neben Regisseur*innen, die das Potenzial besitzen, bald in aller Munde zu sein. Der Wettbewerb öffnet so für eine breite Öffentlichkeit den Blick auf den immensen Reichtum des globalen Filmschaffens. Jedem Film im Wettbewerb wohnt die Kraft inne, ein großes Publikum zu begeistern, viele haben Filmgeschichte geschrieben.

Wer die Berlinale als Event zelebrieren, sich von der Euphorie am Roten Teppich anstecken lassen will, kommt hier auf seine Kosten – von der glamourösen Atmosphäre der Eröffnungsgala bis zur Preisverleihung am Abend des vorletzten Festivaltages, dem Höhepunkt des Festivals. Dort vergibt eine hochkarätig besetzte Internationale Jury, die eine Menge Starpower und Expertise mitbringt, die weltberühmten Qualitätssiegel: den Goldenen und die Silbernen Bären.

Kuratiert wird der Wettbewerb von Festivaldirektor Dieter Kosslick, der von einem Auswahlgremium beraten wird.

Mit dem Wettbewerb wurde die Berlinale 1951 geboren. Die lange Tradition der Festivalsektion umfasst einen kaum zu überblickenden Reichtum an Geschichten, Skandalen und Erfolgen. Von der berüchtigten „Busen-Berlinale“ 1961 über den bis heute einmaligen Abbruch des Festivals wegen des Anti-Vietnamkriegsfilms o.k. 1970 bis hin zur Entdeckung des chinesischen Kinos für ein weltweites Publikum 1988. Stark geprägt wurde der Wettbewerb von den Regisseur*innen, die in Berlin ihre Werke vorstellten und deren Namen sich wie ein Who-is-Who der Filmgeschichte lesen.

Gegründet auf US-amerikanische Initiative mit dem offen politischen Anspruch „Schaufenster zur freien Welt“ zu sein, war und ist er auch immer Seismograph und Echoraum der Stimmungen, Krisen und Erschütterungen in der Weltpolitik. An seiner Vergangenheit lassen sich die scharfe Teilung zwischen Ost und West während des Kalten Krieges genau wie das Tauwetter und die behutsame Annäherung der Blöcke auch über die Filmkunst ablesen. Nach dem Fall der Mauer begann die Neuordnung der politischen Weltkarte und auch diese Entwicklungen haben den Wettbewerb begleitet – in leisen Tönen, die ein Jahresprogramm durchziehen, oder explizit. Politik ist abhängig von Sichtbarkeitsverhältnissen, in die sich die Filme des Wettbewerbs einmischen, indem sie die Art und Weise, wie gesellschaftliche Realität wahrgenommen und gedacht werden kann, verändern. So ist der Wettbewerb auch immer Zeugnis des Zustands der Welt, mit der sich die Filmemacher*innen in ihren Werken beschäftigen. Ausführliche Darstellungen aller Berlinale-Jahrgänge finden sich im Archiv.

Die Pressekonferenzen und Roten Teppiche der Filme im Wettbewerb können live am Bildschirm miterlebt werden – genau wie die Eröffnungsgala und die Preisverleihung. Die Mitschnitte werden zudem auf Abruf bereitgestellt. Videos der früheren Jahrgänge finden sich im Archiv.

Für alle Filmanmeldungen gelten die Allgemeinen Anmelde- und Teilnahmerichtlinien.

1 - Zugelassene Filme

Für den internationalen Wettbewerb zugelassen sind Spielfilme ab 70 Minuten Laufzeit, die für eine Kinoauswertung vorgesehen sind.

Vorführformate: DCP, QuickTime ProRes, 35mm (kinoabhängig) oder 70mm (kinoabhängig). Andere Formate nur nach Rücksprache.

Zugelassen werden nur Filme, die

  • an keinem internationalen Filmfestival teilgenommen haben. Die Teilnahme an nationalen Reihen im Ursprungsland ist jedoch erlaubt.
  • außerhalb ihres Ursprungslandes noch nicht kommerziell ausgewertet wurden.
  • weder im Fernsehen noch im Internet / VOD präsentiert wurden.

Im Falle internationaler Koproduktionen gilt das Hauptproduktionsland als Ursprungsland.

  • Weltpremieren werden bevorzugt..
  • Deutsche Filme müssen (mit Ausnahme der Anmeldungen für die Sektion Perspektive Deutsches Kino) eine Weltpremiere sein.

Der Direktor des Festivals hat das Recht, alle in den Richtlinien nicht vorgesehenen Fälle zu regeln.

2 - Auswahl und Programmierung

Der Direktor des Festivals lädt die Filme des internationalen Wettbewerbs ein. Sowohl ausländische als auch deutsche Fachleute beraten den Direktor bei seiner Auswahl. Produktionen, die für den Wettbewerb eingereicht werden, können – wenn nicht vom Einsender ausdrücklich ausgeschlossen – vom Panorama berücksichtigt werden.

3 - Fassung und Untertitel

Alle eingeladenen Filme werden in ihrer Originalfassung mit deutschen und englischen Untertiteln vorgeführt. Die Kosten der Untertitelung sowie die rechtzeitige Anlieferung der untertitelten Fassung liegen in der Verantwortung der Produktion.
Als Originalfassung gilt jede Fassung, in welcher der Film in seinem Ursprungsland gezeigt wird oder werden soll. Bei mehrsprachigen Filmen kann die Untertitelung nur in Absprache mit dem Festival anders definiert werden.

Die Internationale Jury

Über die Vergabe des Goldenen und der Silbernen Bären entscheidet eine Internationale Jury, deren Mitglieder und Präsident*in vom Direktor des Festivals berufen werden. Die Internationale Jury besteht aus mindestens sieben deutschen und ausländischen Persönlichkeiten. Personen, die an der Produktion oder an der kommerziellen Auswertung eines Wettbewerbsfilmes beteiligt sind, dürfen der Jury nicht angehören.

Der Festivaldirektor oder ein durch ihn bestimmter Delegierter sind bei den Beratungen anwesend, nehmen aber nicht an den Abstimmungen teil.
Die Entscheidungen der Jury werden mit absoluter Mehrheit gefällt oder, wenn nach der zweiten Abstimmungsrunde noch keine Entscheidung gefällt werden konnte, mit relativer Mehrheit. Die Mitglieder der Jury sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Debatten und Abstimmungen sind streng vertraulich zu behandeln, auch nach Abschluss des Festivals.

Die Internationale Jury vergibt folgende Preise:

Die Jury vergibt unter den teilnehmenden Filmen im Internationalen Wettbewerb obligatorisch folgende Preise:

  • Goldener Bär für den Besten Film (für den / die Produzent*in)
  • Silberner Bär Großer Preis der Jury
  • Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet
  • Silberner Bär für die Beste Regie
  • Silberner Bär für die Beste Darstellerin
  • Silberner Bär für den Besten Darsteller
  • Silberner Bär für das Beste Drehbuch
  • Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design

Nur einer der Bären kann ex aequo verliehen werden. Die Jury kann nicht mehrere Preise an ein und dasselbe Werk vergeben, ausgenommen die Darstellerpreise.

Sektionsübergreifende Preise bzw. Preise unabhängiger Jurys:

Weitere Informationen zu den Ehrungen der Berlinale finden Sie unter Preise und Jurys