Die Preise der Internationalen Jury 2020

Die Mitglieder der Internationalen Jury 2020, Jeremy Irons (Präsident), Bérénice Bejo, Bettina Brokemper, Annemarie Jacir, Kenneth Lonergan, Luca Marinelli und Kleber Mendonça Filho vergeben folgende Preise:

Goldener Bär für den Besten Film
(an die Produzenten)

Sheytan vojud nadarad (There Is No Evil)
von Mohammad Rasoulof
produziert von Mohammad Rasoulof, Kaveh Farnam, Farzad Pak

Silberner Bär Großer Preis der Jury

Silberner Bär für die Beste Regie

Hong Sangsoo für
Domangchin yeoja (The Woman Who Ran)

Silberner Bär für die Beste Darstellerin

Paula Beer in
Undine
von Christian Petzold

Silberner Bär für den Besten Darsteller

Elio Germano in
Volevo nascondermi (Hidden Away)
von Giorgio Diritti

Silberner Bär für das Beste Drehbuch

D'Innocenzo Brothers für
Favolacce (Bad Tales)
von D'Innocenzo Brothers

Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung

Jürgen Jürges für die Kamera in
DAU. Natasha
von Ilya Khrzhanovskiy, Jekaterina Oertel

Silberner Bär – 70. Berlinale

Effacer l’historique (Delete History)
von Benoît Delépine, Gustave Kervern

Die Internationale Jury 2020

Jeremy Irons (Vereinigtes Königreich) - Jurypräsident

Jeremy Irons ist einer der bedeutendsten Charakterdarsteller der internationalen Film- und Theaterwelt. Weltweite Bekanntheit als Filmschauspieler erlangte Irons 1981 durch seine Hauptrolle in der Serie Brideshead Revisited (Wiedersehen mit Brideshead) und durch das viktorianische Drama The French Lieutenant’s Woman (Die Geliebte des französischen Leutnants, 1981) von Karel Reisz, für das er gemeinsam mit Meryl Streep vor der Kamera stand. Zuvor war er in erster Linie als Theaterschauspieler bekannt, unter anderem am Londoner West End. Als Teil der Royal Shakespeare Company blieb er auch nach seinem Leinwanddebüt dem Theater treu. Für seine Darstellungen wurde der Schauspieler mit renommierten internationalen Filmpreisen geehrt, darunter der Golden Globe sowie der Oscar als Bester Hauptdarsteller (Reversal of Fortune, 1990), der Golden Globe als Bester Nebendarsteller in der Serie Elizabeth I. und der Ehren-César für sein Lebenswerk. 2011 war Jeremy Irons erstmals bei der Berlinale zu Gast, als Hauptdarsteller in dem Wettbewerbsbeitrag Margin Call (Der große Crash - Margin Call) von J.C. Chandor. Mit Bille Augusts Night Train to Lisbon (Nachtzug nach Lissabon), den die Berlinale im Wettbewerb außer Konkurrenz zeigte, kam der Schauspieler 2013 zum Festival zurück. Aktuell ist Jeremy Irons in der HBO-Serie Watchmen zu sehen.

© Antonello&Montesi

Bérénice Bejo (Argentinien / Frankreich)

Die in Argentinien geborene Bérénice Bejo zog im Alter von drei Jahren nach Frankreich. Ihre Schauspielkarriere begann im Jahr 2000 mit ihrer Rolle in Meilleur espoir féminin (Most Promising Young Actress) von Gérard Jugnot. Ihren internationalen Durchbruch feierte sie 2011 als Hauptdarstellerin des Oscargewinners The Artist (2011) unter der Regie von Michel Hazanavicius. Für diese Rolle wurde sie mit dem César als Beste Darstellerin ausgezeichnet und erhielt weltweite Anerkennung und Auszeichnungen, darunter eine Nominierung für einen BAFTA als Beste Darstellerin und eine Nominierung als Beste Nebendarstellerin bei den Golden Globes und Oscars. Bejo ist auch für ihre Arbeit in Le passé (Le passé – Das Vergangene, 2013) von Asghar Farhadi bekannt, für die sie die Palme als Beste Schauspielerin gewann. Ihre Filmografie beinhaltet darüber hinaus The Childhood of a Leader (2015) von Brady Corbet, Éternité (Eternity, 2016) von Trần Anh Hùng, L’économie du couple (Die Ökonomie der Liebe, 2016) von Joachim Lafosse und Fai bei sogni (Sweet Dreams – Fai Bei Sogni, 2016) von Marco Bellocchio. Derzeit arbeitet sie an Un drago a forma di nuvola von Sergio Castellitto und Shake Your Cares Away von Tom Shoval.

© Michel Hazanavicius

Bettina Brokemper (Deutschland)

Nach dem Studium von Produktion und Medienwirtschaft an der HFF in München, sowie einem längeren Aufenthalt in Los Angeles, ließ sich Bettina Brokemper 2001 als Produzentin in Köln nieder, wo sie zwei Jahre später gemeinsam mit Helmut Hartl und Stefan Telegdy ihre eigene Firma Heimatfilm gründete. Zu ihren Produktionen gehören unter anderem der Berlinale-Gewinner Bal (Bal – Honig, 2010) von Semih Kaplanoğlu, Margarethe von Trottas Welterfolg Hannah Arendt (2012), der in Sundance gefeierte Wild (2015) von Nicolette Krebitz oder jüngst Jan Bonnys Wintermärchen (2018), der seine Premiere in Locarno feierte. Als Geschäftsführerin der Zentropa Köln war Brokemper, die immer wieder an verschiedenen Filmhochschulen unterrichtet und 2008 mit dem Prix Eurimages ausgezeichnet wurde, darüber hinaus an sämtliche Filmen Lars von Triers seit Dogville (2003) als Ko-Produzentin beteiligt. Zudem hat sie mit Regisseur*innen wie Eran Riklis, Christoph Hochhäusler, Małgorzata Szumowska oder Rupert Everett zusammengearbeitet.

© Martin Menke

Annemarie Jacir (Palästina)

Gleich mit ihrem ersten langen Spielfilm Milh Hadha al-Bahr (Das Salz des Meeres) wurde Annemarie Jacir 2008 in das offizielle Programm des Filmfestivals von Cannes eingeladen. Ihr Kurzfilm Ka'inana Ashrun Mustaheel (Like Twenty Impossibles, 2003) wurde fünf Jahre zuvor ebenfalls dort gezeigt und war damit der erste arabische Kurzfilm, der jemals in Cannes ausgewählt wurde. Ihr zweiter Spielfilm Lamma shoftak (When I Saw You) feierte 2013 beim Berlinale Forum Premiere und gewann den NETPAC Award für den besten asiatischen Film. Wajib nahm 2017 am Wettbewerb des Locarno Festivals teil. Alle drei Filme gingen als palästinensische Beiträge ins Oscar-Rennen. Mit der Absicht, Menschen vor Ort zu unterrichten und anzustellen gründete Jacir Philistine Films und arbeitet seitdem regelmäßig mit anderen Filmemacher*innen als Editorin, Drehbuchautorin und Produzentin zusammen. Im Jahr 2018 wurde die Regisseurin in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences eingeladen und in Cannes in die Jury der Reihe Un Certain Regard berufen. Jacir hat kürzlich das Dar Yusuf Nasri Jacir for Art and Research mitbegründet, ein von Künstler*innen betriebener Raum in ihrer Heimatstadt Bethlehem.

© Ammar Abd Rabbo

Kenneth Lonergan (USA)

Kenneth Lonergan ist ein US-amerikanischer Drehbuchautor und Filmmacher, der vor allem für seine Arbeit als Autor und Regisseur von Manchester by the Sea (2016) bekannt ist, wofür er über 200 internationale Nominierungen und Auszeichnungen erhielt, darunter einen Oscar und den BAFTA für das beste Drehbuch 2016. Seine weiteren Filme sind Margaret (2011, erweiterte Fassung 2012) und You Can Count on Me (2000), der mit dem Golden Globe und einer Oscar-Nominierung für das Beste Drehbuch ausgezeichnet wurde. Er ist der Co-Autor von Gangs of New York (2002), der mit mehreren Preisen und Nominierungen, darunter einer Oscar-Nominierung für das Beste Drehbuch, internationale Anerkennung erhielt. Lonergans Arbeit für das Theater ist am Broadway, Off-Broadway und international zu sehen. Seine Stücke This Is Our Youth (1996), Lobby Hero (2001) und The Waverly Gallery (2000) waren alle zwischen 2016 und 2019 am Broadway zu sehen und wurden jeweils für den Tony Award für die beste Wiederaufnahme eines Stücks nominiert. Sein Stück The Starry Messenger wurde 2019 im West End in London produziert. Für das Fernsehen arbeitete er unter anderem an dem Teleplay für die BBC-Miniserien-Verfilmung von E.M. Forsters „Wiedersehen in Howards End“ im Jahr 2017.

Luca Marinelli (Italien)

Nach dem Studium an der renommierten Accademia Nazionale d’Arte Drammatica Silvio D’Amico in Rom und dem ersten Theater-Engagement mit Carlo Cecchi spielte Luca Marinelli erstmals eine Kino-Hauptrolle in Saverio Costanzos La solitudine dei numeri primi (Die Einsamkeit der Primzahlen), der 2010 beim Filmfestival in Venedig Premiere feierte. Für Tutti i Santi Giorni (Every Blessed Day) von Paolo Virzi wurde er 2013 für die wichtigsten italienischen Filmpreise nominiert; zuvor war er im selben Jahr auf der Berlinale als European Shooting Star geehrt worden. Zu Marinellis weiteren Filmerfolgen gehören Claudio Caligari’s Non essere cattivo (Tu nichts Böses), der 2016 Italien bei den Oscars repräsentierte, Lo chiamavano Jeeg Robot (Sie nannten ihn Jeeg Robot) von Gabriele Mainetti, wofür er 2016 den David di Donatello-Preis als Bester Nebendarsteller bekam und Una questione privata (A Private Affair) von Paolo und Vittorio Taviani, der 2017 seine Premiere beim Toronto International Film Festival feierte. Zuletzt brillierte Marinelli unter der Regie von Pietro Marcello in Martin Eden, für den er 2019 beim Fimfestival in Venedig als Bester Darsteller ausgezeichnet wurde.

© Riccardo Ghilardi / Contour by Getty Images

Kleber Mendonça Filho (Brasilien)

Während er bereits hauptberuflich für verschiedene Medien als Programmer, Filmkritiker und Journalist tätig war, begann Kleber Mendonça Filho in den 1990er Jahren damit, eigene Kurzfilme zu drehen. Für seine erste abendfüllende Dokumentation Crítico ließ der in Recife geborene Brasilianer mehr als 70 Regisseur*innen und Filmkritiker*innen zu Wort kommen. O Som ao Redor (Neighbouring Sounds), Mendonças Spielfilmdebüt, feierte 2012 seine Weltpremiere beim Filmfestival in Rotterdam und ging als Brasiliens Beitrag ins Oscar-Rennen. Insgesamt wurde der Film auf mehr als 100 Festivals gezeigt und die New York Times zeichnete ihn als einen der zehn besten Filme des Jahres aus. Vier Jahre später wurde Aquarius mit Sonia Braga in den Wettbewerb von Cannes eingeladen, in über 100 Länder verkauft und unter anderem für den César und den Independent Spirit Award nominiert. 2019 lief sein jüngstes Werk Bacurau, den er gemeinsam mit Juliano Dornelles inszenierte, im Wettbewerb von Cannes, wo er mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Kleber ist außerdem als künstlerischer Leiter des Janela Internacional de Cinema do Recife tätig.

© Ph. Lebruman