Die Preise der Internationalen Jury

Gianfranco Rosi, Ildikó Enyedi, Jasmila Žbanić, Adina Pintilie

2021 werden Regisseur*innen von sechs Goldenen-Bären-Gewinnerfilmen über die Preise im Wettbewerb der 71. Berlinale entscheiden. Ein Jury-Vorsitz ist in diesem Jahr nicht vorgesehen.

Die Juror*innen sehen die Filme in Berlin auf der Leinwand, wobei zwei der Jurymitglieder nicht an den Sichtungen teilnehmen können: Mohammad Rasoulof wurde von der iranischen Regierung mit einem Ausreiseverbot belegt. Und auch Nadav Lapid wird die Filme online sichten. Die Schließung des israelischen Flughafens Ben Gurion wurde bis zum 6. März verlängert und die israelischen Behörden müssen von Fall zu Fall über eine Reiseerlaubnis entscheiden. Leider hat Nadav Lapid die Genehmigung zu spät erhalten, um die Screenings in Berlin wahrnehmen zu können.

Ihre Entscheidungen werden die Juror*innen während des Industry Events am 5. März ab 12 Uhr (MEZ) in einer Videopräsentation verkünden.

Die Preisverleihung findet dann im Rahmen des Berlinale Summer Special (9.-20.6.2021) vor Publikum statt.

Die Mitglieder der Internationalen Jury 2021:

Mohammad Rasoulof (Iran)

Ein Jahr nachdem sein Film Sheytan vojud nadarad (Es gibt kein Böses, 2020) mit dem Goldenen Bären der 70. Berlinale ausgezeichnet wurde, kehrt Mohammad Rasoulof als Mitglied der Internationalen Jury zum Festival zurück. Als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent zeichnete der Filmemacher für eine Vielzahl von sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilmen verantwortlich. Auf Wiedersehen (2011), Manuscripts Don’t Burn (2013) und A Man of Integrity (2017) feierten jeweils in Cannes Premiere und wurden dort mit Preisen bedacht. Nach seiner Rückkehr in den Iran im September 2017 wurde er mit einem Ausreiseverbot belegt, das bis heute anhält. Bereits im März 2010 war Rasoulof, dessen Kino sich meist allegorischer Erzählungen bedient, am Set eines Films verhaftet worden. In einem ersten Prozess wurde er zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, bevor die Strafe schließlich auf ein Jahr reduziert wurde. Er wurde auf Kaution entlassen, das Urteil gilt bis heute. 2019 erfolgte eine weitere Verurteilung zu einem Jahr Haft. Trotz eingelegtem Einspruch ist es ihm weiterhin auf unbestimmte Zeit nicht erlaubt, zu reisen oder Filme zu drehen. Seinen Goldenen Bären konnte er am 29. Februar 2020 in Berlin nicht persönlich entgegennehmen.

© Cosmopol Film

Nadav Lapid (Israel)

Der israelische Regisseur Nadav Lapid studierte in Tel Aviv, Paris und Jerusalem. Sein jüngster Film Synonymes (Synonyme, 2019) gewann bei der Berlinale sowohl den Goldenen Bären als auch den Preis der FIPRESCI-Jury. Zuvor war er bereits mit den Kurzfilmen Kvish (Road) und Lama? (Why?), die 2005 im Panorama beziehungsweise 2015 bei den Berlinale Shorts liefen, im Programm der Internationalen Filmfestspiele Berlin zu Gast. Lapids Langfilmdebüt Policeman erhielt 2011 den Special Jury Award beim Locarno Film Festival und gewann anschließend mehr als 20 internationale Preise. Sein zweiter Spielfilm The Kindergarten Teacher feierte 2014 Weltpremiere in Cannes, lief auch bei den Festivals in Wien, Chicago, London, Busan oder Warschau und wurde schließlich mit Maggie Gyllenhaal in der Hauptrolle in den USA neu verfilmt. Lapid ist Träger des französischen Ordens Chevalier des Arts et des Lettres und war bereits Jurymitglied in Venedig, Locarno und bei der Semaine de la critique in Cannes. Sein neuer Film Ahed’s Knee befindet sich aktuell in der Postproduktion.

© Guy Ferrandis

Adina Pintilie (Rumänien)

Adina Pintilie ist eine rumänische Filmemacherin, Visual Artist und Kuratorin. Ihr erster Langfilm Touch Me Not gewann bei der Berlinale 2018 sowohl den Goldenen Bären als auch den GWFF Preis Bester Erstlingsfilm. Der Film wurde zudem für den Europäischen Filmpreis nominiert, kam in mehr als 40 Ländern in die Kinos und wurde bei Festivals in Toronto, Karlovy Vary, London oder Wien sowie im MoMA New York gezeigt. Auch Pintilies Kurz- und mittellange Filme liefen mit Erfolg auf zahlreichen Filmfestivals. Don’t Get Me Wrong feierte 2007 in Locarno Premiere und gewann die Goldene Taube beim DOK Leipzig, während Oxygen 2010 im Wettbewerb von Rotterdam zu sehen war. Darüber hinaus war Pintilie bereits Jurymitglied in Karlovy Vary, beim Göteborg International Film Festival, dem IDFA und beim Torino Filmlab. Außerdem hielt sie Vorträge und Meisterklassen bei Veranstaltungen wie Berlinale Talents oder an der Kunsthochschule für Medien in Köln.

© Manekino Film

Ildikó Enyedi (Ungarn)

Die preisgekrönte und Oscar-nominierte ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi kehrt in die Internationale Jury der Berlinale zurück, der sie bereits 1992 einmal angehörte. Nach Anfängen als Konzept- und Medienkünstlerin widmete sie sich dem Filmemachen und schrieb und inszenierte über die Jahre eine Vielzahl von Kurz- und Langfilmen sowie Episoden von Fernsehserien. Ihr Film Testről és lélekről (Körper und Seele, 2017) gewann den Goldenen Bären der Berlinale und wurde nicht nur für den Oscar, sondern auch für mehrere Europäische Filmpreise nominiert und in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin (Alexandra Borbély) ausgezeichnet. Enyedis Debütfilm Mein 20. Jahrhundert (1989) wurde nicht nur zu einem der zwölf besten ungarischen Filme aller Zeiten und von der „New York Times“ zu einem der besten Filme des Jahres gewählt, sondern auch in Cannes mit der Caméra d’Or bedacht. Enyedi war bereits Jury-Mitglied bei Festivals in Venedig, Moskau oder San Sebastián. Zudem war sie Präsidentin der ungarischen Regiegewerkschaft und ist Mitglied der Europäischen Filmakademie und der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Aktuell arbeitet sie an ihrem nächsten Film The Story of My Wife.

© Hanna Csata

Gianfranco Rosi (Italien)

Gianfranco Rosi ist ein italienischer Filmemacher, der an der New York University Film School studiert hat. Er ist der einzige Regisseur, der jemals mit Dokumentarfilmen bei zwei der drei wichtigsten europäischen Filmfestivals den Hauptreis gewinnen konnte. 2016 erhielt er für Fuocoammare (Seefeuer) den Goldenen Bären der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Der Film wurde außerdem als erste dokumentarische Arbeit von Italien bei den Oscars eingereicht und dort schließlich in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert. Darüber hinaus wurde er mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Drei Jahre zuvor hatte Rosi mit Das andere Rom (2013) in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Auch sein jüngster Film Notturno lief 2020 dort im Wettbewerb und vertritt Italien in diesem Jahr im Oscar-Rennen. Zu seinen weiteren Filmen gehören Ein Boot auf dem Ganges (1993), der in Sundance, Locarno, Toronto und beim IDFA, Unter dem Meeresspiegel (2008), der für den Europäischen Filmpreis nominiert wurde, sowie Der Auftragskiller - Zimmer 164 (2010), der in Venedig den FIPRESCI-Preis erhielt.

© MARIANGELA BARBANENTE

Jasmila Žbanić (Bosnien und Herzegowina)

Die bosnische Filmemacherin Jasmila Žbanić ist regelmäßiger Gast der Internationalen Filmfestspiele Berlin und kehrt 2021 als Mitglied der Internationalen Jury zurück. Ihr Debütfilm Grbavica (Esmas Geheimnis) gewann 2006 bei der Berlinale nicht nur den Goldenen Bären, sondern auch den Preis der Ökumenischen Jury und den Friedensfilmpreis. Anschließend erhielt er Auszeichnungen bei zahlreichen Filmfestivals auf der ganzen Welt (darunter dem AFI Festival in Los Angeles) und wurde für zwei Europäische Filmpreise nominiert. Vier Jahre später wurde Žbanić mit Na putu (Zwischen uns das Paradies) erneut in den Wettbewerb der Berlinale eingeladen. Auch dieser Film erhielt eine Nominierung für den Europäischen Filmpreis. Ihr dritter Spielfilm For Those Who Can Tell No Tales feierte 2013 Weltpremiere beim Toronto International Film Festival. Dort sowie bei weiteren Festivals lief auch ihr jüngster Film Quo Vadis, Aida? (2020), der für den Independent Spirit Award nominiert und Bosnien und Herzegowinas Einreichung für den Oscar 2021 in der Kategorie Bester Internationaler Film ist. Žbanić inszenierte auch die Komödie Love Island (2014), die ihre Weltpremiere in Locarno feierte, sowie den Dokumentarfilm One Day in Sarajevo (2014).

© Edvin Kalic

Die Internationale Jury wird jedes Jahr vom Künstlerischen Leiter berufen und vergibt folgende Preise:

  • Goldener Bär für den Besten Film (an die Produzent*innen)
  • Silberner Bär Großer Preis der Jury
  • Silberner Bär für die Beste Regie
  • Silberner Bär Preis der Jury
  • Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle
  • Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle
  • Silberner Bär für das Beste Drehbuch
  • Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung

Keiner der Bären darf ex aequo verliehen werden. Die Jury kann nicht mehrere Preise an ein und dasselbe Werk vergeben, ausgenommen die Darsteller*innenpreise, die zusätzlich zu jedem anderen Preis (Goldener Bär, Silberner Bär Preis der Jury etc.) verliehen werden können.

International anerkannte Persönlichkeiten der Filmbranche wie James Schamus, Wong Kar Wai, Mike Leigh, Isabella Rossellini, Werner Herzog, Tilda Swinton, Darren Aronofsky, Meryl Streep und Paul Verhoeven übernahmen in den letzten Jahren den Vorsitz der Jury. Unter den Jurymitgliedern sind prominente Regisseur*innen, Schauspieler*innen und Produzent*innen, aber auch bekannte Schriftsteller*innen und Kunstschaffende. In mehreren Sitzungen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit unabhängig über die Preise entschieden.