Berlinale: Internationale Jury


Preise der Internationalen Jury

Die Mitglieder der Internationalen Jury 2017, Paul Verhoeven (Präsident), Dora Bouchoucha Fourati, Olafur Eliasson, Maggie Gyllenhaal, Julia Jentsch, Diego Luna, Wang Quan’an, vergeben folgende Preise:

Goldener Bär für den Besten Film

Testről és lélekről
(On Body and Soul)
von Ildikó Enyedi
Produzenten: Monika Mécs, András Muhi, Ernő Mesterházy

Silberner Bär Großer Preis der Jury

Félicité
von Alain Gomis

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis

Agnieszka Holland, Kasia Adamik

Pokot (Spoor)
von Agnieszka Holland in Zusammenarbeit mit Kasia Adamik

Silberner Bär für die Beste Regie

Aki Kaurismäki
für Toivon tuolla puolen
(Die andere Seite der Hoffnung)

Silberner Bär für die Beste Darstellerin

Kim Minhee
in Bamui haebyun-eoseo honja
(On the Beach at Night Alone)
von Hong Sangsoo

Silberner Bär für den Besten Darsteller

Georg Friedrich
in Helle Nächte
von Thomas Arslan

Silberner Bär für das Beste Drehbuch

Gonzalo Maza, Sebastián Lelio

Sebastián Lelio und Gonzalo Maza
für Una mujer fantástica
(A Fantastic Woman)
von Sebastián Lelio

Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung

Dana Bunescu
für den Schnitt in
Ana, mon amour
von Călin Peter Netzer

Paul Verhoeven, Jury-Präsident
Regisseur, Drehbuchautor (Niederlande)

Der niederländische Regisseur und Drehbuchautor Paul Verhoeven startete seine Regiekarriere 1969 mit der erfolgreichen niederländischen TV-Serie Floris – Der Mann mit dem Schwert. Auf sein Spielfilmdebüt Was sehe ich…! Was sehe ich…! (1971) folgte 1973 der erotisch aufgeladene Thriller Türkische Früchte, der ihm neben großer Popularität auch eine Nominierung als Bester fremdsprachiger Film bei den Oscars 1974 einbrachte. Nach seinem internationalen Durchbruch mit Der Soldat von Oranien (1977) und Der vierte Mann (1983) zog Paul Verhoeven nach Hollywood, um sich einem stilistischen Wandel in seiner Arbeit zuzuwenden. Mit actionreichen Großproduktionen wie RoboCop (1987) und Total Recall – Die totale Erinnerung (1990), beides gegenwartskritische Reflexionen der Zukunft, feierte er beeindruckende Box-Office-Hits, revolutionierte das Science-Fiction-Genre und blieb sich dabei als Autorenfilmer treu. Mit dem provokanten Erotikthriller Basic Instinct (1992), der zwei Oscar-Nominierungen erhielt, kehrte er zu Themen seiner niederländischen Filme zurück; es folgten die Science-Fiction-Filme Starship Troopers (1997) und Hollow Man – Unsichtbare Gefahr (2000). Nach nahezu 20 Jahren in Hollywood ging Paul Verhoeven 2006 in die Niederlande zurück, um Black Book (2006) zu drehen und widmete sich ab 2007 mehr dem Schreiben. 2016 feierte er sein Comeback mit Elle, für den er den Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film gewann und der Isabelle Huppert den Golden Globe als Beste Darstellerin in einem Drama einbrachte.

Dora Bouchoucha Fourati, Produzentin (Tunesien)

Die tunesische Produzentin Dora Bouchoucha Fourati ist eine feste Institution in der Filmwelt. Die diplomierte Anglistin begann ihre Karriere als Lehrerin und mit dem Übersetzen von Drehbüchern. Beim Carthage Film Festival initiierte sie 1992 den „Projects‘ Workshop“, um arabische und afrikanische Filmemacher bei der Drehbuchentwicklung zu unterstützen, sowie 2014 die Nachfolgeinitiative „Takmil“ zur Postproduktionsförderung. 1995 gründete sie ihre Produktionsfirma Nomadis Images. Zu den zahlreichen von ihr produzierten bzw. co-produzierten Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Kurzfilmen gehören u.a. Raja Amaris vielfach ausgezeichneter Roter Satin (2002), Barakat! (Regie: Djamila Sahraoui, Berlinale Forum 2006) sowie Raja Amaris Buried Secrets (2009) und Foreign Body (Berlinale Forum 2017). Sie produzierte alle Kurzfilme von Mohamed Ben Attia und dessen Langfilmdebüt Hedis Hochzeit, das 2016 im Berlinale Wettbewerb lief und den Preis Bester Erstlingsfilm und den Silbernen Bären für den Besten Darsteller (Majd Mastoura) gewann. 1997 gründete Dora Bouchoucha den Workshop SUD ECRITURE für arabische und afrikanische Drehbücher, aus dem bisher zahlreiche preisgekrönte Filme hervorgegangen sind. 2008, 2010 und 2014 war sie Festivalleiterin des Carthage Film Festival in Tunis. 2010 wurde sie Präsidentin des Fonds Sud Cinéma der französischen Filmförderungsbehörde CNC und 2014 Präsidentin der Nachfolgeinstitution Aide aux Cinemas du Monde.

Olafur Eliasson, Künstler (Island)

Der als Sohn isländischer Eltern in Dänemark geborene Olafur Eliasson sorgte nach seinem Studium an der Königlich Dänischen Kunstakademie schnell für internationales Aufsehen. Nach Beiträgen für die Berlin Biennale 1998 und die Biennale in Venedig 2003 wurde etwa sein Werk „The weather project“ in der Turbinenhalle der Tate Modern von über zwei Millionen Besuchern gesehen. Mit seinen Skulpturen, Installationen, Gemälden, Fotografien und Filmen, die sich immer wieder mit physikalischen Phänomenen in der Natur, aber auch mit dem Klimawandel auseinandersetzen, gehört er zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern. Eliasson, der 1995 sein Studio in Berlin gründete, wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet. Neben der Kunst widmet er sich auch zahlreichen anderen Aufgaben und gründete unter anderem das globale Projekt für nachhaltige Energie und soziale Unternehmen Little Sun sowie das internationale Büro für Architektur und Kunst Studio Other Spaces. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählen die Installationen in Versailles 2016.

Maggie Gyllenhaal, Schauspielerin (USA)

Die renommierte US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal gilt als eines der herausragenden Talente ihrer Generation. Nach einem Studium in New York und Schauspielunterricht an der Londoner Royal Academy of Dramatic Art, wurde sie zunächst durch ihre Rollen in Donnie Darko (Regie: Richard Kelly, 2001) oder Spike Jonzes Berlinale-Beitrag Adaption – Der Orchideen-Dieb (2002) bekannt. Der Durchbruch gelang ihr mit der Hauptrolle in Secretary (Regie: Steven Shainberg, 2002), für die sie ihre erste Golden Globe-Nominierung sowie zahlreiche Auszeichnungen erhielt, darunter den IFP/Gotham Award als Beste Nachwuchsdarstellerin. Weiterhin stand sie u.a. in Mike Newells Mona Lisas Lächeln (2003), Marc Forsters Schräger als Fiktion (2006), Oliver Stones World Trade Center (2006), Christopher Nolans The Dark Knight (2008), Sam Mendes‘ Away We Go (2009) und Roland Emmerichs White House Down (2013) vor der Kamera. Eine Oscar-Nominierung erhielt sie für Crazy Heart (2009) von Scott Cooper. 2014 war sie in der britischen TV-Serie The Honourable Woman zu sehen, für die sie mit dem Golden Globe und einer Emmy-Nominierung geehrt wurde. Eine weitere Serienrolle hat Gyllenhaal, die immer wieder auch am Broadway auf der Bühne steht, aktuell in der HBO-Produktion The Deuce übernommen, für die sie auch als Produzentin verantwortlich zeichnet.

Julia Jentsch, Schauspielerin (Deutschland)

Nach ihrem Studium an der Schauspielschule Ernst Busch begann die gebürtige Berlinerin Julia Jentsch ihre Karriere zunächst am Theater und wurde 2002 von „Theater heute“ als Beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet. Ihren Kinodurchbruch feierte sie mit Die fetten Jahre sind vorbei (Regie: Hans Weingartner, 2004) und Sophie Scholl – Die letzten Tage (Berlinale Wettbewerb 2005), für den sie nicht nur mit dem Silbernen Bären der Berlinale, sondern auch mit dem Deutschen und dem Europäischen Filmpreis geehrt wurde. Der Film von Marc Rothemund wurde außerdem als Bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert. Seither war Jentsch in Werken wie 33 Szenen aus dem Leben der polnischen Regisseurin Małgorzata Szumowska, Margarethe von Trottas Hannah Arendt oder Ich habe den englischen König bedient von Jiří Menzel zu sehen. Mit Effie Briest (Regie: Hermine Huntgeburth, Berlinale Special 2009) sowie dem Wettbewerbsbeitrag 24 Wochen (2016) von Anne Zohra Berrached war sie erneut zu Gast bei der Berlinale. Zuletzt stand sie für die Mini-Serie Das Verschwinden von Hans-Christian Schmid vor der Kamera, die 2017 zu sehen sein wird.

Diego Luna, Schauspieler, Regisseur (Mexiko)

Diego Luna feierte seinen großen Durchbruch mit Y tu mamá también (2001) von Alfonso Cuarón, für den er gemeinsam mit Gael García Bernal 2001 beim Filmfestival in Venedig mit dem Premio Marcello Mastroianni geehrt wurde. Zu seinen weiteren Filmen als Schauspieler gehören Frida (Regie: Julie Taymor, 2002), Steven Spielbergs Terminal (2004), Milk von Gus van Sant (Berlinale Panorama 2009), Rudo y Cursi (Regie: Carlos Cuarón, 2008), Baltasar Kormákurs Contraband (2012) und Rogue One: A Star Wars Story (Regie: Gareth Edwards, 2016). Im Herbst wird er in Flatliners (Regie: Niels Arden Oplev) zu sehen sein. Lunas Regiedebüt Abel feierte bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2010 Premiere, anschließend inszenierte er die Filme César Chávez (der 2014 im Berlinale Special lief) und Mr. Pig, der 2016 zum Sundance Film Festival eingeladen wurde. Gemeinsam mit Bernal gründete er 2005 die Wohltätigkeitsorganisation „Ambulante“, die sich unter anderem der Förderung des Dokumentarfilms verschrieben hat. Luna ist darüber hinaus Vorstandsmitglied des Washington Office on Latin America.

Wang Quan’an, Regisseur, Drehbuchautor (Volksrepublik China)

Der Regisseur und Drehbuchautor absolvierte zunächst eine Schauspielausbildung, bevor er sich dem Filmemachen zuwandte. Nach seinem Studium an der Pekinger Filmhochschule legte der in Yan’an in der Provinz Shaanxi geborene Wang Quan’an 1999 seinen Debütfilm Yue Shi vor, der auf verschiedenen Filmfestivals rund um die Welt mit Preisen bedacht wurde und 2002 auch im Forum der Berlinale lief. Mit Tuyas Ehe wurde er 2007 in den Wettbewerb eingeladen und gewann als dritter chinesischer Filmemacher in der Geschichte des Festivals den Goldenen Bären. Drei Jahre später wurde sein Film Tuan Yuan als Eröffnungsfilm der Berlinale ausgewählt und schließlich mit dem Silbernen Bären für das Beste Drehbuch ausgezeichnet, für das Wang gemeinsam mit Jin Na verantwortlich zeichnete. 2012 kehrte er mit der Romanverfilmung Bai lu yuan erneut in den Berlinale-Wettbewerb zurück, wo sein Kameramann Lutz Reitemeier mit einem Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung geehrt wurde.

Die Internationale Jury wird jedes Jahr von der Festivaldirektion berufen und vergibt am vorletzten Festivaltag folgende Preise:

  • Goldener Bär für den Besten Film (für den Produzenten)
  • Silberner Bär Großer Preis der Jury
  • Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet
  • Silberner Bär für die Beste Regie
  • Silberner Bär für die Beste Darstellerin
  • Silberner Bär für den Besten Darsteller
  • Silberner Bär für das Beste Drehbuch
  • Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design

Der Goldene Bär


Die Bären-Trophäen sind nach einer Vorlage der Bildhauerin Renée Sintenis (1888-1965) gestaltet. Seit der Gründung des Festivals werden sie von der Berliner Gießerei Noack hergestellt. Das Wappentier der Hauptstadt ziert auch das Berlinale-Logo.