2026 | Wettbewerb

Meister*innen ihres Fachs

Die 22 Filme des diesjährigen offiziellen Wettbewerbs zeigen die volle Bandbreite des Kinos – historische Stoffe, Komödien, Genre-Filme, Anime, Thriller, magischen Realismus, Liebesgeschichten - auch eine über Selbstliebe - und einen revisionistischen Western... Diese Filme beweisen, wie unglaublich vielfältig großartiges Kino im Jahr 2026 ist. Jedes dieser Werke ist meisterhaft gefertigt und löst sein eigenes künstlerisches Versprechen ein; und gemeinsam präsentieren sie Filmschaffende aus aller Welt, die auf dem Höhepunkt ihres Schaffens arbeiten.

At the Sea von Kornél Mundruczó

Kornél Mundruczós At the Sea präsentiert Amy Adams an der Spitze eines beeindruckenden Ensembles. Der Film ist die scharfsinnige Studie einer Frau, die nach einem Entzug versucht, ihre kaputten Familienbande zu kitten. Und das Thema Familie steht im Zentrum vieler weiterer Filme im Wettbewerb, wie ein Prisma, durch das wir größere soziale und politische Dynamiken beobachten können. Eva Trobischs Etwas ganz Besonderes gibt Einblick in eine von Spannungen zerrissene Familie in einem immer noch vom Erbe der Trennung zwischen Ost und West geprägten Deutschland. Anthony Chens emotionaler Wo Men Bu Shi Mo Sheng Ren spielt im heutigen Singapur, in dem zwei Generationen darum kämpfen, ihre Lebensumstände zu verbessern und so die familiäre Verbundenheit auf eine harte Probe stellen.

In Leyla Bouzids À voix basse ist eine Beerdigung in Tunesien der Ausgangspunkt für eine ebenso persönliche wie politische Detektivgeschichte, die sich aus den Geheimnissen und kulturellen Unterschieden innerhalb einer Familie entspinnt. Das Leben zwischen zwei Welten ist auch Thema in Alain Gomis‘ weitläufigem Dao: Feiernde, Trauernde, Jungvermählte und Nachtschwärmer treffen bei einer Reihe von Feierlichkeiten in Paris und Guinea-Bissau aufeinander.

Rosebush Pruning von Karim Aïnouz

Karim Aïnouzs Rosebush Pruning ist eine starbesetzte, düstere Satire über Privilegien, Macht und toxische Familiengeheimnisse zwischen Geschwistern, die ein großes Vermögen geerbt haben. In Queen at Sea, dem lang erwarteten, einfühlsamen zweiten Spielfilm von Lance Hammer, setzen sich Juliette Binoche und Tom Courtenay mit Fragen rund um Altenpflege, Demenz und Einverständnis auseinander. In dem psychologischen Thriller Josephine mit Gemma Chan und Channing Tatum untersucht die brasilianisch-amerikanische Regisseurin Beth de Araújo aufs Explosivste, wie ein Moment dunkelster Traumatisierung Identität und familiäre Dynamiken zerstören kann.

Trotz harter Lebensrealitäten entstehen neue Freundschaften in Fernando Eimbckes Moscas, der in Mexiko-Stadt spielt und mit emotionaler Schwarz-Weiß-Bildgestaltung wunderschön ausgeleuchtet ist. Voller Zärtlichkeit nehmen uns Anna Fitch und Banker White im autofiktionalen Dokumentarfilm Yo (Love is a Rebellious Bird) mit in die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Anna und Yo, zweier Frauen, die altersmäßig Jahrzehnte auseinanderliegen, aber gleichermaßen neugierig, kreativ und einzigartig sind. Feuerwerke werden zu einem Akt der Rebellion und der Feier von Freundschaft und familiärem Erbe in dem wunderschön gezeichneten Anime A New Dawn von Yoshitoshi Shinomiya, der in einer japanischen Landschaft spielt, die von Klimawandel und Urbanisierung bedroht ist.

Nina Roza von Geneviève Dulude-de Celles

Wie ein roter Faden zieht sich das Interesse an Musik, Kunst und Bewegung durch eine Reihe von Wettbewerbsbeiträgen. Die emotionalen Belastungen des Exils und das Wesen künstlerischer Genialität werden in Geneviève Dulude-de Celles komplexem, in Bulgarien angesiedelten Nina Roza auf eindrucksvolle Weise beleuchtet. Kreatives Genie steht im Mittelpunkt von Everybody Digs Bill Evans, in dem Grant Gee ein , intimes Porträt des berühmten Jazzmusikers zeichnet, der mit Trauer und Sucht zu kämpfen hat. Tizza Covi und Rainer Frimmel vermischen Realität und Fiktion in The Loneliest Man in Town und lassen uns teilhaben an der akkuraten und grüblerischen Welt des Bluesmusikers Al Cook, der sich der Gentrifizierung widersetzt. Angela Schanelecs Formgenauigkeit, ihr trockener Humor und ihre wunderschöne Choreografie aus Körpern und Worten in Meine Frau weint entführen uns an einen Ort jenseits des Gewöhnlichen.

Rose von Markus Schleinzer

In drei Filmen, die um den Goldenen Bären konkurrieren, spiegeln historische Geschichten unsere Zeit wider. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges versucht Sandra Hüllers zentrale Figur in Markus Schleinzers Rose , sich ein erfülltes Leben aufzubauen – trotz der Einschränkungen, denen Frauen beim Zugang zu Land unterliegen. Die jungen Aborigine-Geschwister aus Warwick Thorntons Wolfram streben im sonnengebleichten australischen Outback der 1930er Jahre nach Chancengleichheit, um sich das Leben aufbauen zu können, das sie verdienen. In Dust, Anke Blondés mitreißendem, in den 1990ern angesiedelten Tech-Thriller, müssen zwei Männer in Echtzeit mit ansehen, wie ihr Imperium in die Brüche geht.

Autoritäre Spannungen spalten selbst die engsten Verbündeten in zwei markanten und stilvollen türkischen Filmen. Emin Alpers packender Kurtuluş beschäftigt sich mit den sich aufgrund von Religions- und Stammeszugehörigkeit vertiefenden Gräben zwischen zwei Dörfern, die sich gegenseitig Land und Einfluss streitig machen. Eskalierende staatliche Unterdrückung schürt familiäre Spannungen in Ilker Çataks Gelbe Briefe, einer komplexen, packenden Auseinandersetzung mit den Themen Ehe, Politik und künstlerischer Integrität.

Soumsoum, la nuit des astres von Mahamat-Saleh Haroun

Magie und Mythen stehen im Mittelpunkt zweier Filme in der Auswahl. Hanna Bergholms Genrefilm Yön Lapsi nimmt uns mit in die finnischen Wälder und ins düstere Herz der Mutterschaft, wo ein lange verborgenes Geheimnis ans Licht kommt. Durch die übernatürliche Gabe, die einer Frau zuteilwird, die ihre Mutter nie kannte, webt der tschadische Regisseur Mahamat-Saleh Haroun Visionen und magischen Realismus in die vielseitige Tapisserie von Soumsoum, la nuit des astres.

Die Filme des Wettbewerbs spiegeln die Welt wider, in der wir leben. Produktionen aus 28 Ländern nehmen uns mit auf eine Reise rund um den Globus. 20 Filme feiern ihre Weltpremiere. Bei neun Filmen führten Frauen Regie oder Co-Regie. 13 der Filmemacher*innen haben bereits in der Vergangenheit Filme bei der Berlinale gezeigt.

Wir sind gespannt, welche dieser herausragenden Projekte die Jury von Wim Wenders mit dem Goldenen und den Silbernen Bären der Berlinale auszeichnen wird.

Alle Filme und Events im Wettbewerb 2026: