Preise und Jurys in der Sektion Generation

Preise der Jugendjury im Wettbewerb Generation 14plus

Notre-Dame du Nil, White Riot, Clebs, Goodbye Golovin

Die Mitglieder der Jugendjury Generation 14plus – Julina Jung, Ion Kebernik, Shahida Kitzov, Lucia Maluga, Rocco Mehlhose, Mette Maren Schmahl und Rita Stelling - vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film:

Notre-Dame du Nil (Our Lady of the Nile)
von Atiq Rahimi, Frankreich / Belgien / Ruanda
Der Film hat uns auf vielen Ebenen packend die Geschichte von Menschen erzählt, die geographisch und kulturell so weit weg sind und uns dennoch nicht fremd waren. Die Farben, Musik und Poesie bannten uns und ließen uns den Film in all seinen Facetten spüren. Durch die großartige schauspielerische Leistung und Erzählweise wurden uns die Menschen in ihrer Würde und Wichtigkeit dargestellt und ein authentisches Gefühl gegeben. Der Film hat Diskussionen aufgeworfen und soll es auch weiterhin tun. Politisch, poetisch, stilistisch und menschlich wurden wir überzeugt.

Lobende Erwähnung: White Riot
von Rubika Shah, Vereinigtes Königreich
Der Film hat ein vielschichtiges Erlebnis geschaffen, mit vielen verschiedenen Schnipseln und Elementen, alten und neuen Aufnahmen, viel Kreativität und zeitlosen Songs. Die Musik hält den Film zusammen, wie sie auch die Menschen damals zusammengebracht hat. Einmal mehr zeigt er uns, dass man Geschichte nicht vergessen sollte. Wir wurden motiviert gemeinsam für unsere Werte einzustehen, und all die Ungerechtigkeit, die wir spüren, in die Welt hinaus zu schreien. Gegen Rassismus, gegen Diskriminierung. The fight is far from over!

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm:

Clebs (Mutts)
von Halima Ouardiri, Kanada / Marokko
Wir haben Einblick in eine Welt geboten bekommen, die wir so noch nicht kannten.
Die Bilder, das Licht, die Farben und die Geräusche haben uns sehr beeindruckt. Die Kamera hat uns mitgenommen und mitten ins Geschehen gestellt; mitten rein in eine Gemeinschaft, ein Zusammenleben und Zusammengehören hunderter Individuen. Die Bewegungen, die Massen, die Organisation der Massen haben uns mitgerissen. Wir konnten das Natürliche im Unnatürlichen beobachten. Leben im Eingesperrt sein. Rauswollen und nicht Rauskommen. Klarkommen müssen. Alleine und gemeinsam.
Der Film verbindet Ästhetik und Banalität. Er verbindet Alltag und Politik. Er erzählt vom Leben und lässt uns fühlen und verstehen.

Lobende Erwähnung: Goodbye Golovin
von Mathieu Grimard, Kanada
Dieser Film, für den wir während unserer Juryarbeit gebrannt und gekämpft haben, ist einer, der uns die Zeit vergessen ließ. Er hat es geschafft, in einem kurzen Zeitraum eine tiefe, komplexe Geschichte zu erzählen. Durch ein harmonisches Zusammenspiel von Farben, Licht, Musik und Kamera schuf der Film eine gleichzeitig traurige, energievolle und schöne Stimmung. Auf poetische Weise beschäftigt er sich mit den Themen Wegrennen, Befreiung und mit der Frage: “Wer bin ich und warum?”. Dank der großartigen schauspielerischen Leistung haben wir uns unglaublich gut in die dargestellte Situation einfühlen können. Muss man, um sich zu ändern, sein Publikum ändern?

Die sieben Mitglieder der Jugendjury Generation 14plus über ihre Arbeit: „Wir haben 28 Filme gesehen und jeder war wichtig. Wir wurden berührt, schockiert, überrascht und wütend gemacht. Die Filme betrafen uns. Aus unserer Juryarbeit nehmen wir mit, wie bereichernd viele verschiedene Sichtweisen sind.“

Preise der Internationalen Jury von Generation 14plus

Meu nome é Bagdá, Kaze no Denwa, Clebs, White Winged Horse

Die Mitglieder der Internationalen Jury Generation 14plus – Abbas Amini, Jenna Bass, Rima Das – vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Film, im Wert von 7.500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für Politische Bildung:

Meu nome é Bagdá (My Name Is Baghdad)
von Caru Alves de Souza, Brasilien
Einstimmig entschieden wir uns für unseren Gewinnerfilm: Ein umwerfendes Stück Freiheit, voller wunderbarer Freundschaften, Musik, Bewegung und gelebter Solidarität. Es war unmöglich, nicht von der Protagonistin und ihrem Umfeld eingenommen zu werden und ebenso unmöglich, den glorreichen und kraftvollen Höhepunkt dieses Films zu vergessen. Das ist der Beweis, dass das Leben uns vielleicht keine Wunder beschert, wir jedoch alle Hindernisse überkommen können, wenn wir unserer Leidenschaft folgen.

Lobende Erwähnung: Kaze no Denwa (Voices in the Wind)
von Nobuhiro Suwa, Japan
Wir waren von diesem sanften und zugleich epischen Roadmovie mit seinem eindringlichen Finale, das zugleich niederschmetternd, wie auch erhebend ist, tief bewegt. In unseren so schweren Zeiten, ist es wichtiger denn je, sowohl Raum für die Leere des Verlusts, als auch für die Wärme des menschlichen Miteinanders zu lassen - etwas, dass diesem Film gleichermaßen mit Anmut und Kraft gelingt.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Kurzfilm, im Wert von 2.500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für Politische Bildung:

Clebs (Mutts)
von Halima Ouardiri, Kanada / Marokko
Trotz seiner simpelsten Grundvoraussetzungen entwickelt sich dieser Kurzfilm zu einer kraftvollen Auseinandersetzung mit Menschlichkeit, Gesellschaft, Tieren und der Untrennbarkeit zwischen ihnen. Eine beeindruckende Arbeit, die sowohl vom Gewissen, als auch vom Herzen geprägt ist, und uns dem Verständnis unserer immensen globalen Krise näherbringt.

Lobende Erwähnung: White Winged Horse
von Mahyar Mandegar, Iran
Dieser Film nutzt die Vorstellungskraft seines Publikums, um eine außergewöhnliche Welt herzustellen. Er folgt einem ungewöhnlichen Protagonisten, der nichtsdestoweniger starke Emotionen hervorruft. Wenn sich Fantasie schlussendlich mit der Realität verbindet, fühlt es sich an, als könnten wir mit dem weißen geflügelten Pferd davonfliegen.

Abbas Amini (Iran)
Seit seinem 13. Lebensjahr ist Abbas Amini Filmemacher. In Teheran lebend und arbeitend, tritt er mit seiner künstlerischen Arbeit und seinem Engagement in der NGO „Association for the Protection of Child Labourers (APCL)“ für den Schutz der Menschenrechte und insbesondere gegen Kinderarbeit ein. Seine beiden Filme Valderama (2016) und Hendi va Hormoz (Hendi und Hormoz, 2018), die beide aus dem Leben jugendlicher Iraner*innen erzählen, wurden bei Generation 14plus gezeigt.

Jenna Bass (Südafrika)
Jenna Bass lebt in Südafrika und ist als Autorin und Filmemacherin tätig, früher auch als Zauberin. Zu ihren preisgekrönten Filmen zählen unter anderem The Tunnel (2010), und die im Kollektiv entwickelten Love The One You Love (2014) und High Fantasy (2017), der 2018 bei Generation 14plus Premiere feierte. Ihr dritter Spielfilm Flatland war 2019 Eröffnungsfilm im Panorama. Zuletzt hat sie den Kurzfilm Sizohlala fertiggestellt, der von Jia Zhang-Ke produziert wurde.

Rima Das (Indien)
Als autodidaktisches filmisches Multitalent und Verfechterin von Gender Equality wurde Rima Das von GQ India als eine der „Most Influential Young Indians 2018“ bezeichnet. Ihr Film Village Rockstars feierte beim Toronto International Film Festival 2017 Premiere und erhielt den nationalen indischen Filmpreis. Mit Bulbul Can Sing, bei dem sie für Drehbuch, Regie, Kamera, Montage, Production Design und Produktion verantwortlich zeichnet, war sie im letzten Jahr bei Generation 14plus zu Gast und erhielt eine Lobende Erwähnung der Internationalen Jury 14plus.

Preise der Kinderjury im Wettbewerb Generation Kplus

Sweet Thing, H Is for Happiness, El nombre del hijo, El sghayra

Die Mitglieder der Kinderjury Generation Kplus – Jan-Niclas Henningsen, Noa Liebscher, Mariama Lucks, Konstantin Marx, Nick Müller, Emilia Pegler, Franz Jurek Linus Roller, Sylvester Savelberg, Line-Liv Schmahl, Mathilde Teichmann und Clara Helene Vogt – vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film

Sweet Thing
von Alexandre Rockwell, USA
Eine Geschichte voll von jugendlicher Hoffnung und Zusammenhalt, die im Kontrast zur unbunten und von häuslicher Gewalt geprägten Realität auf atemberaubende Weise mit perfektem Schauspiel begeistert. Dieser Film zeigt, wie Hoffnung und Mut in Musik liegen. Aber auch auf der technischen Ebene hat uns dieser Film begeistert. Denn er führt uns bewusst in die - für die jüngere Generation unbekannte - alte Welt des Films und schafft so einen genialen Kontrast zwischen schwarzweiß und bunt.

Lobende Erwähnung: H Is for Happiness
von John Sheedy, Australien
Ein von Anfang bis Ende motivierender Film, in dem die Protagonistin versucht, die Familie wieder zusammenzubringen. Wir konnten uns gut in die Charaktere hineinversetzen. Das Alphabet führte uns durch einen lustigen und gleichzeitig tiefgründigen Film.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm

El nombre del hijo (The Name of the Son)
von Martina Matzkin, Argentinien
Der Kurzfilm erzählt von den Selbstzweifeln eines Jungen mit seiner Identität und einer starken Vater-Sohn-Beziehung. Obwohl wir noch nie in einer solchen Situation waren, konnten wir uns dank des tollen Schauspiels auf emotionaler Ebene hervorragend in die Geschichte hineinversetzen. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie berührend eine einfache Geschichte mit starkem Hintergrund sein kann.

Lobende Erwähnung: El sghayra (Miss)
von Amira Géhanne Khalfallah, Algerien / Frankreich
In diesem Film wird gezeigt, wie sich ein verspieltes, junges Mädchen durch ihre Unabhängigkeit und Lebensfreude ihre eigene Welt erschafft. In einer atemberaubenden Landschaft sehen wir, wie die Menschen sich gegenseitig die Augen öffnen. Auch uns hat der Film die Augen geöffnet.

Preise der Internationalen Jury von Generation Kplus

Los Lobos, Mignonnes, Mamá, mamá, mamá, El nombre del hijo, The Kites

Die Mitglieder der Internationalen Jury Generation Kplus – Marine Atlan, María Novaro und Erik Schmitt – vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Film, im Wert von 7.500 Euro, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk:

Los Lobos (The Wolves)
von Samuel Kishi Leopo, Mexiko
Eine Mutter opfert den Augenblick für die Zukunft. Ihre Kinder sind in eine neue Welt geworfen, mit neuen Regeln auf einem Kassettenrekorder aufgenommen, die den Rahmen dieses Kammerspiels bilden. Zusammen mit den beiden Brüdern versuchen wir einen Weg zu finden, in Fantasie und Realität einen neuen Raum zu schaffen. Wie Kind sein, in einer Welt mit verschlossener Tür? In jedem Moment dieses einzigartigen Films fühlen wir, was die Jungs fühlen. Wir sind mit ihnen dort, zusammengekauert und eingesperrt auf beengtem Raum, in einer dreckigen Unterkunft mit miefendem Teppich. Wir möchten ausbrechen. Wir sind mit ihnen dort, aufgehoben in der Hoffnung, bald wieder eine Kindheit zu haben – bald nach Disneyland zu fahren. Wir freuen uns, diesen Langfilm für seinen sehr speziellen und kreativen Zugang zu dieser Erzählung mit diesem wichtigen Preis auszuzeichnen.

Lobende Erwähnungen:

Mignonnes (Cuties)
von Maïmouna Doucouré, Frankreich

&

Mamá, mamá, mamá (Mum, Mum, Mum)
von Sol Berruezo Pichon-Rivière, Argentinien

Wir haben dieses Jahr eine eher ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Wir haben uns dazu entschieden, eine Lobende Erwähnung für zwei Filme auszusprechen. Weniger aus dem Grund, dass wir uns nicht entscheiden konnten, sondern weil beide Filme auf wunderbare Art und Weise miteinander verbunden sind. Die filmische Sprache könnte nicht unterschiedlicher sein. Der eine Film ist voller Kraft, der andere mit poetischer Ambiguität erzählt. Während der eine unerschrocken rau und direkt daherkommt, erscheint der andere zart und suggestiv. Doch beide Filme beschäftigen sich auf einzigartige und faszinierende Art und Weise mit dem einen Moment, in dem junge Mädchen durch Furcht und das Gefühl von Zugehörigkeit zu sich selbst finden.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Kurzfilm, im Wert von 2.500 Euro, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk:

El nombre del hijo (The Name of the Son)
von Martina Matzkin, Argentinien
Weil es wichtig ist, dass die Welt sieht, wer du wirklich bist und weil in dieser Momentaufnahme aus dem Leben eines liebenden Vaters und seiner beiden Kinder Verunsicherungen, Schmerz und guter Wille so wunderschön erzählt werden.

Lobende Erwähnung: The Kites
von Seyed Payam Hosseini, Iran
Weil dieser Film uns von Grenzen erzählt, ihrer Willkürlichkeit, wie sie Schwindel erzeugen und uns in Schrecken versetzen können. Und weil es sich um ein poetisches Märchen handelt, das uns zeigt, dass Sprache über Wörter hinausreichen und Empathie aus weiter Ferne spürbar werden kann.

Marine Atlan (Frankreich)
Die Kamerafrau und Regisseurin Marine Atlan studierte an der La Fémis in Paris und führte Kamera bei Filmen von Louise Hémon, Benoît Bouthors, Caroline Poggi und Jonathan Vinel. Ihr Debütfilm Les amours vertes (2016) wurde beim Kurzfilmfestival in Clermont-Ferrand mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Für die feinsinnige Inszenierung des Films Daniel fait face wurde sie 2019 mit einer Lobenden Erwähnung im Wettbewerb von Kplus ausgezeichnet.

María Novaro (Mexiko)
Die mexikanische Filmemacherin María Novaro hat mit ihrem Spielfilm Tesoros 2017 bei Generation Premiere gefeiert. Ihre Filme waren auf allen renommierten Filmfestivals weltweit zu sehen, unter anderem Danzón 1991 in Cannes und Sin dejar huella (Leaving No Trace) 2000 beim Sundance Festival. In den 1970er Jahren war sie Teil des Künstlerinnenkollektivs „Cine-Mujer“. Heute leitet sie das mexikanische Filminstitut IMCINE.

Erik Schmitt (Deutschland)
Der deutsche Regisseur Erik Schmitt pflegt eine enge Verbindung zur Generation. Nach seinen beiden Kurzfilmen Nashorn im Galopp (2013) und Berlin Metanoia (2016) eröffnete sein Langfilmdebüt Cleo 2019 den Generation Kplus-Wettbewerb. Für Nun sehen Sie Folgendes (2011) erhielt er den Deutschen Kurzfilmpreis. Mit seiner Berliner Produktionsfirma Seven Elephants arbeitet er derzeit an dem Science-Fiction-Film Rebel Girl.

Die Kinder- und die Jugendjury

Die jüngsten offiziellen Berlinale-Jurys bilden elf Berliner Kinder im Alter von elf bis 14 Jahren für den Wettbewerb Generation Kplus sowie sieben Jugendliche für den Wettbewerb Generation 14plus. Sie vergeben unabhängig von den Internationalen Jurys die Gläsernen Bären für die Besten Kurz- und Langfilme. Für die Teilnahme in der Kinder- oder Jugendjury können sich alle jungen Festivalbesucher*innen qualifizieren, die über die Filmfragebögen ihre Gedanken und Kommentare zu Generation-Filmen geteilt haben.

Die neue Jury AG Kino Gilde 14plus

Neben den offiziellen Jurys wird in diesem Jahr erstmals die unabhängige Jury AG Kino Gilde 14plus, bestehend aus drei jungen, unabhängigen Kinobetreiber*innen, einen Preis an einen Langfilm aus dem Generation 14plus-Wettbewerb verleihen. „Wir freuen uns, damit einen wichtigen Schritt hin zu einer Kinoauswertung in Deutschland zu unterstützen. Dadurch sollen mehr qualitative Filme für ein junges Publikum sichtbar gemacht werden, auch über die Berlinale hinaus“, so Sektionsleiterin Maryanne Redpath zur neuen Kooperation mit der AG Kino – Gilde e.V.