Berlinale: Preise Generation


Preise und Jurys in der Sektion Generation

Die Jurymitglieder dieser Sektion sind nicht älter als das Publikum im Kino. Elf Kinder und sieben Jugendliche ehren die besten Filme mit den Gläsernen Bären. Lobende Erwähnungen werden für besondere Leistungen vergeben. Zwei Internationale Jurys vergeben zudem Preise in den Wettbewerben Generation Kplus und Generation 14plus.

Preise der Kinderjury im Wettbewerb Generation Kplus

Les rois mongols (Hand auf’s Herz), Supa Modo, A Field Guide to Being a 12-Year-Old Girl (Handbuch einer 12-Jährigen), Snijeg za Vodu (Schnee für Wasser)

Die Mitglieder der Kinderjury Generation Kplus – Laslo Baudouin, Luise Babette Dahns, Christian Fock, Nele Heinig, Julina Matilde Jung, Namiko Kammin, Jonas Kurth, Theresa Sagebiel, Jonas Schuster, Jonas Volkers, Ella Widmoser – vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film:

Les rois mongols (Hand auf’s Herz)
Von Luc Picard, Kanada
Dieser Film liegt uns besonders am Herzen, denn wir konnten sehr gut in die Geschichte eintauchen und die Schauspieler*innen haben uns mit ihren Charakteren mitfühlen lassen. Die Geschichte der vier Kinder war trotz ihrer ernsten Situation humorvoll, das haben vor allem die Geschwister mit ihrer Liebe zu einander getragen.
Die technische Seite wollen wir aber nicht vernachlässigen, denn die Musik war sehr schön und passend und wir mochten die Kameraperspektiven sehr gerne.

Lobende Erwähnung:

Supa Modo
Von Likarion Wainaina, Deutschland / Kenia
Auf rührende und packende Weise wird die Geschichte eines todkranken Mädchens erzählt. Mit überzeugendem Schauspiel und einer abwechslungsreichen Filmkulisse zeigt der Film, wie die Fantasie des Mädchens und die Menschlichkeit und Willenskraft des gesamten Dorfes die letzten Monate ihres Lebens zu etwas Besonderem machen.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm:

A Field Guide to Being a 12-Year-Old Girl (Handbuch einer 12-Jährigen)
Von Tilda Cobham-Hervey, Australien
Auf eine außergewöhnliche und kreative Art wird uns eine komplexe Spezies nähergebracht, mit deren Vielfältigkeit sich nicht nur Mädchen identifizieren können. Die Dokumentation zeigt uns mit viel Witz vor allem eines: Mädchen können alles schaffen!

Lobende Erwähnung:

Snijeg za Vodu (Schnee für Wasser)
Von Christopher Villiers, Bosnien und Herzegowina / Großbritannien
Zwei Geschwister entführen uns in eine Welt voller Angst und Trostlosigkeit und bringen uns diese mit etwas Hoffnung näher. In dieser unmenschlichen Situation bringt uns der Film Menschlichkeit bei. Die Erinnerung an diesen Krieg sollte für immer in den Köpfen der Menschen bleiben.

Preise der Internationalen Jury von Generation Kplus

Sekala Niskala (Sichtbar und unsichtbar), Allons enfants (Cléo & Paul), Jaalgedi (Ein neugieriges Mädchen), Cena d’aragoste (Hummer zum Abendbrot)

Die Mitglieder der Internationalen Jury Generation Kplus – Amanda Duthie, Sanna Lenken, Carla Simón – vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Film, im Wert von 7.500 Euro, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk:

Sekala Niskala (Sichtbar und unsichtbar)
Von Kamila Andini, Indonesien / Niederlande / Australien / Katar
Der Große Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus geht an eine Regisseurin mit einer besonderen filmischen Vision. Ein poetisches Märchen über Leben im und aus dem Gleichgewicht. Der Film begibt sich auf eine gefühlvolle Reise, getrieben von Kummer, Wut und Akzeptanz. Diese einzigartige Welt berührte uns alle. Es ist ein Film, der dem Risiko, dem Authentischen sowie dem Mystischen in einem fein inszenierten, filmischen Tanz begegnet.

Lobende Erwähnung:

Allons enfants (Cléo & Paul)
Von Stéphane Demoustier, Frankreich
Mit der Lobenden Erwähnung möchten wir einen Film würdigen, der eine realistische Situation zeichnet, die wir alle nachempfinden können. Dem Gefühl von Furcht wird in einer urbanen Wildnis mit dem Gefühl von Magie und Freiheit begegnet. Die kleinen Stars dieses Films liefern eine feinfühlige Performance jenseits ihres Alters.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Kurzfilm, im Wert von 2.500 Euro, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk:

Jaalgedi (Ein neugieriges Mädchen)
Von Rajesh Prasad Khatri, Nepal / Frankreich
Als Jury hat es uns gefreut, schnell eine einstimmige Entscheidung treffen zu können – denn dieser Film stach für uns alle heraus. Ein visuell überwältigendes und authentisches Werk, das die Welt eine Mädchens, ihrer Arbeit und ihres Spiels, erkundet. Dieser Film sticht durch die Art und Weise, wie er mit Verantwortung umgeht, aus der Generation-Landschaft hervor. Es ist die Erkundung des Lebens eines Kindes, in seiner Familie, in seinem Dorf und oben auf der Spitze der Welt. Von den wolkigen Höhen Nepals kommt ein kurzes Meisterwerk – das Debüt des Regisseurs.

Lobende Erwähnung:

Cena d’aragoste (Hummer zum Abendbrot)
Von Gregorio Franchetti, USA / Italien
In Anerkennung eines Filmemachers, der mit großem Respekt komplexe Charaktere in feinfühliger Manier inszeniert. Es ist ein Regisseur, auf dessen nächstes Werk wir sehr gespannt sind, wenn er seine auf der Filmhochschule erworbene Kunstfertigkeit in einem Langfilm weiterentwickelt.

Amanda Duthie, Sanna Lenken und Carla Simón

Amanda Duthie
Die in Schottland geborene Kuratorin lebt heute in Australien, wo sie seit 2012 das Adelaide Film Festival leitet und den Adelaide Film Festival Investment Fund verwaltet, der fiktionale und dokumentarische Kunst- sowie Bewegtbildprojekte unterstützt (unter anderem 52 Tuesdays, Spear, Girl Asleep, The Darkside und Charlie’s Country).

Sanna Lenken
Sanna Lenken wurde in Göteborg geboren und studierte Regie und Drehbuch in Stockholm. 2013 war sie mit ihrem Kurzfilm Äta lunch (Eating Lunch) bei Generation vertreten. Ihr Langfilmdebüt Min lilla syster (My Skinny Sister) feierte 2015 ebenfalls bei Generation seine internationale Premiere und gewann den Gläsernen Bären für den Besten Film (Kplus). Zuletzt drehte sie The Artist Has a Baby, einen dokumentarischen Kurzfilm über die Schwierigkeiten einer künstlerisch tätigen Mutter.

Carla Simón
Carla Simón, in Katalonien aufgewachsen, studierte zunächst Audiovisuelle Kommunikation in Barcelona, bevor sie ein Stipendium an der London Film School erhielt. Dort führte sie bei verschiedenen Kurzfilmen Regie, die alle auf internationalen Filmfestivals gezeigt wurden. Ihr Langfilmdebüt Estiu 1993 (Summer 1993) feierte 2017 seine Weltpremiere bei der Berlinale, wo er mit dem GWFF Preis Bester Erstlingsfilm und dem Großen Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus ausgezeichnet wurde. Das Debüt wurde außerdem von der spanischen Filmakademie für die Oscars 2018 als Bester fremdsprachiger Film ins Rennen geschickt.

Preise der Jugendjury im Wettbewerb Generation 14plus

Fortuna, Retablo, Kiem Holijanda, Je fais où tu me dis (Dressed for Pleasure)

Die Mitglieder der Jugendjury Generation 14plus – Jascha Katjana Richer, Lilly Rinklebe, Zoe Rentmeister, Rosa Nietzsche, Robert Schlücker, Joseph Askar Schönfelder, Jonathan Auer - vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film:

Fortuna
Von Germinal Roaux, Schweiz / Belgien
In starken Bildern erzählt unser Gewinnerfilm eine aktuelle und zugleich zeitlose Geschichte. Mit der bestechenden Klarheit der fotografischen Aufnahmen gibt uns der Film einen detailreichen Einblick in viele Themen des Menschseins in einer ausgrenzenden Welt, ohne dabei den Blick auf das Große und Ganze zu verlieren. Durch die feinfühlige Darstellung der Hauptcharaktere werden wir mit Abhängigkeit, Nächstenliebe und gesellschaftlichen Strukturen konfrontiert.

Lobende Erwähnung:

Retablo
Von Álvaro Delgado-Aparicio L., Peru / Deutschland / Norwegen
Der Film, den wir mit der Lobenden Erwähnung für den Langfilm küren, führt uns in eine für uns fremde Welt. Wir dürfen einen jungen Menschen beim Herausfinden, wer er sein möchte und wie er mit den Geschehnissen in seinem Leben umgehen will, begleiten. Stilmittel wie abwechslungsreiche Perspektiven der Kamera und Überraschungsmomente in Bild und Geschichte überzeugen uns von dem Film, der auf sanfte Art ein wichtiges Thema behandelt. Die Sensibilität des Protagonisten auf dem Weg zum Mannwerden in einer gewaltvollen Welt berührt uns sehr.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm:

Kiem Holijanda
Von Sarah Veltmeyer, Niederlande
Der Gläserne Bär für den Besten Kurzfilm geht an einen Film, der beeindruckte, indem er den Fokus auf eine innige Beziehung setzte. Wir sind dankbar, einen Einblick in die Lebenswelt zweier authentischer Charaktere bekommen zu haben. Der Film überzeugte mit der Fähigkeit, subtil Emotionen zu vermitteln und Einblick in die gesellschaftliche Situation einer in Vergessenheit geratenen Region zu gewähren.

Lobende Erwähnung:

Je fais où tu me dis (Dressed for Pleasure)
Von Marie de Maricourt, Schweiz
Der Film fasziniert mit einer klaren und choreografisch anmutenden Komposition. Statische Kameraeinstellungen bilden die äußere Isoliertheit der Protagonistin ab, während ihr Innenleben durch detailverliebte dynamische Bilder dargestellt wird. Das Thema der Selbstbestimmung und Verwirklichung der eigenen sexuellen Identität hat uns berührt und zur Diskussion angeregt.

Preise der Internationalen Jury von Generation 14plus

Fortuna, Dressage, Juck, Na zdrowie! (Bless You!)

Die Mitglieder der Internationalen Jury Generation 14plus – Felipe Bragança, Verena von Stackelberg, Mark Rogers – vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Film, im Wert von 7.500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung:

Fortuna
Von Germinal Roaux, Schweiz / Belgien
Ein vollkommenes Gleichgewicht der Elemente, in dem die aufrichtige Performance der Schauspieler*innen und die sublime Kameraarbeit in Schwarz und Weiß eine bezwingende Welt schaffen, die zugleich zeitgenössisch und zeitlos ist. Dieser Film überwindet religiöse und politische Dogmen und schafft eine wundervoll realisierte Erzählung von Reinheit und vom Überleben – gesehen durch die Augen eines willensstarken, äthiopischen Mädchens.

Lobende Erwähnung:

Dressage
Von Pooya Badkoobeh, Iran
Dieser Film begeisterte uns mit seinem intelligenten Storytelling ebenso wie mit der komplexen und unvorhersehbaren Entwicklung der Charaktere. Kompromisslos verweigert sich die Protagonistin dem Teufelskreis der Korruption, der Lügen, der Heuchelei der Mittelschicht und der falschen Moral.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Kurzfilm, im Wert von 2.500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung:

Juck
Von Olivia Kastebring, Julia Gumpert, Ulrika Bandeira, Schweden
Dieser Film sprang von der Leinwand und eroberte sich das Publikum mit den Worten: „Ich bin jetzt an diesem Platz und er gehört mir.“ Ein kraftvoller, explosiver, freudiger Film dieser Zeit, der uns zeigt, dass Weiblichkeit von einem Individuum nach ihren Vorstellungen beansprucht werden kann. Durch unbändige Performance im öffentlichen Raum kreieren diese Frauen eine neue Sprache der Weiblichkeit.

Lobende Erwähnung:

Na zdrowie! (Bless You!)
Von Paulina Ziolkowska, Polen
Ein sehr gelungenes, poetisches, lyrisches und eindringliches Kunstwerk. Körper, die im Meer der Menschlichkeit miteinander verschwimmen, zeigen, dass Individualität nicht unter unserer Kontrolle ist – ein Nieser kann zum Körperräuber werden.

Felipe Bragança, Mark Rogers und Verena von Stackelberg

Felipe Bragança
Felipe Bragança wurde in Brasilien geboren. Seit 2003 schreibt er Drehbücher und führt Regie bei Filmen, die unter anderem auf den internationalen Filmfestivals in Locarno, Rotterdam, Venedig, Oberhausen und Cannes liefen. 2017 wurde sein Langfilmdebüt Não devore meu coração! (Don't Swallow My Heart, Alligator Girl!) im Generation-Wettbewerb 14plus als europäische Premiere gezeigt. Zurzeit arbeitet Bragança an seinem zweiten Langfilm.

Mark Rogers
Der australische Fotograf arbeitete bereits an zahlreichen internationalen Film- und Fernsehprojekten mit, unter anderem an den Oscar-nominierten Produktionen Lion und Hacksaw Ridge – Die Entscheidung sowie zuletzt an Alien: Covenant, Hellboy und Sweet Country, Warwick Thorntons zweitem preisgekrönten Spielfilm nach Samson and Delilah. Außerdem ist Rogers für seine Starportraits bekannt, für die er unter anderem Cate Blanchett, Michael Fassbender, Milla Jovovich und Nicole Kidman fotografierte.

Verena von Stackelberg
Die in Heidelberg geborene Filmkuratorin, Programmgestalterin und Produzentin studierte in Barcelona Medienkunst sowie in London Film und Fotografie. Dort war sie zunächst Veranstaltungsleiterin für Curzon Cinemas, später für Curzon Artificial Eye. Heute lebt sie in Berlin, wo sie im März 2017 Wolf eröffnete, einen dem Film gewidmeten Ort, in dem Kino, Ausstellungen, Diskussionen u.v.m. zusammenfließen.

Nach jeder Vorführung bei Generation werden Fragebögen verteilt. Die Bögen bieten die Möglichkeit, sich über die gesehenen Filme Gedanken zu machen und die eigene Meinung aufzuschreiben. Wer seinen Filmfragebogen nicht gleich im Kino abgeben möchte, kann ihn in Ruhe zu Hause ausfüllen und bis einen Monat nach dem Festival per Post an Generation schicken.

Rund 1.500 Zuschauer*innen geben jährlich ihren Filmfragebogen ab. Wer offen, ehrlich und spannend über sein Filmerlebnis schreibt, hat die Chance, im folgenden Jahr selbst über die Vergabe der Gläsernen Bären zu entscheiden. In die Kinderjury können nur Kinder berufen werden, die zum folgenden Festival zwischen elf und 14 Jahren sein werden. Die Mitglieder der Jugendjury sind mindestens 14 und höchstens 18 Jahre alt.

Die Fragebögen werden auch an die Macher der teilnehmenden Filme weitergeleitet. So erfährt jeder Filmschaffende aus erster Hand, wie sein Film beim Berliner Publikum angekommen ist.