Berlinale: Preise Generation


Preise und Jurys in der Sektion Generation

Die Jurymitglieder dieser Sektion sind nicht älter als das Publikum im Kino. Elf Kinder und sieben Jugendliche ehren die besten Filme mit den Gläsernen Bären. Lobende Erwähnungen werden für besondere Leistungen vergeben. Zwei Internationale Jurys vergeben zudem Preise in den Wettbewerben Generation Kplus und Generation 14plus.

Preise der Kinderjury im Wettbewerb Generation Kplus

Une colonie, Daniel fait face, Juste moi et toi, #pestverhaal

Die Mitglieder der Kinderjury Generation Kplus – Lorenz Deutsch, Luis Leonard Hanft, Jonas Khadiri, Sarah Marie Paulick, Pepe Reisinger, Anouk Sommerfeldt, Rosalie Stauffacher, Nikita Takasaki, Johanna Wallrafen, Liv Grete Weinhold und Helene Zschaubitz – vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film: Une colonie (Eine Kolonie)
von Geneviève Dulude-De Celles, Kanada
Im Gewinnerfilm wird das Teenagerleben realistisch dargestellt. Toll fanden wir, wie die verschiedenen Arten der Liebe verständlich rübergebracht wurden. Durch die beeindruckende Kameraführung und die Schauspielleistung hatte man das Gefühl, ganz nah dabei zu sein und konnte in verschiedenen Situationen lachen und weinen und seinen Gefühlen freien Lauf lassen.

Lobende Erwähnung: Daniel fait face (Daniel)
von Marine Atlan, Frankreich
Dieser Film entführt uns in einen scheinbar normalen Schultag, der dann unerwartet eine nicht alltägliche Entwicklung nimmt. Intime und berührende Begegnungen, von emotionaler Musik begleitet, lassen eine geheimnisvolle und einzigartige Atmosphäre entstehen. Zu guter Letzt begeisterte uns die schauspielerische Leistung der äußerst talentierten Darsteller und Darstellerinnen.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm: Juste moi et toi (Nur ich und du)
von Sandrine Brodeur-Desrosiers, Kanada
Dieser Film hat uns sehr bewegt und vermittelt eine starke Botschaft. Die außerordentliche Schauspielleistung und die schönen Landschaftsaufnahmen führten dank guter Kameraperspektiven zu einem ehrwürdigen Ergebnis.

Lobende Erwähnung: #pestverhaal (#mobbinggeschichte)
von Eef Hilgers, Niederlande
Ein mutiges Mädchen erzählt auf ungewöhnliche, intime Art ihre Alltagsgeschichte. Sie gewährt uns Einblick in ihre Gefühlswelt und in den Kampf gegen dunkle Gedanken. Das Internet und soziale Medien spielen dabei eine sehr große Rolle. Durch den Austausch mit anderen Betroffenen gewinnt sie Hoffnung und zeigt, dass niemand alleine ist.

Preise der Internationalen Jury von Generation Kplus

Die Mitglieder der Internationalen Jury Generation Kplus – Kamila Andini, Tilda Cobham-Hervey und Jerzy Moszkowicz – vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Film, im Wert von 7.500 Euro, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk:

Di yi ci de li bie (Ein erster Abschied)
von Wang Lina, Volksrepublik China
Der Große Preis der Internationalen Jury Generation Kplus für den Besten Film geht an eine aufrichtige filmische Erkundung dessen, was es bedeutet in der Uigurischen Minderheit Chinas aufzuwachsen. Dieser poetische und intime Film vermittelt Einblicke in die sich wandelnden Beziehungen innerhalb zweier Familien, die in einer Kultur zwischen Tradition und Moderne leben. Auf visuell fesselnde und zutiefst bewegende Art und Weise, lässt uns der Film darüber nachdenken, was es bedeutet sich nahe zu sein, was es bedeutet, fern zu sein und wie sich die jungen Protagonist*innen des Films durch die Erfahrung ihrer ersten Abschiede weiterentwickeln.

Lobende Erwähnung: Mijn bijzonder rare week met Tess (Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess)
von Steven Wouterlood, Niederlande / Deutschland
Die Lobende Erwähnung geht an eine originelle Erzählung, die in einer heiteren Coming-of-Age-Geschichte voller ansteckender Freude und mit großem Taktgefühl schwierigen Fragen über Sterblichkeit, Verlust und dem Versuch, den eigenen Platz in der Welt zu finden, nachgeht. Dieser Film bringt uns bei, wie wichtig Beziehungen sind. Er ist überraschend, humorvoll und für alle Generationen geeignet.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Kurzfilm, im Wert von 2.500 Euro, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk:

El tamaño de las cosas (Das Maß der Dinge)
von Carlos Felipe Montoya, Kolumbien
Der Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Kurzfilm geht an einen vielschichtigen Film, der eine einzigartig indigene Sicht auf die Welt einfängt. Er stellt viele philosophische Fragen und spricht zugleich Zuschauer*innen jeden Alters und Erfahrungsschatzes an. Ein präzises, ästhetisch kraftvolles Erlebnis und voller Überraschungen.

Lobende Erwähnung: Pappa (Dad)
von Atle S. Blakseth / Einar Dunsæd, Norwegen
Die Lobende Erwähnung für einen Kurzfilm von Generation Kplus geht an einen Film, der unsere Fantasie angeregt und uns mit auf eine surreale und wundervolle Reise voller Liebe und Sehnsucht genommen hat. Die lebhafte Darstellung der Vorstellungen eines kleinen Jungen von seinem Vater hat in uns ein nachdenkliches und wundersames Gefühl von Zusammengehörigkeit hinterlassen. Besonders begeistert waren wir von der klaren und herausragenden künstlerischen Qualität des Films.

Kamila Andini
Kamila Andini wurde in Jakarta, Indonesien, geboren und studierte Soziologie und Medienkunst an der Deakin University im australischen Melbourne. Die engagierte Regisseurin setzt sich in ihren Filmen unter anderem mit soziokulturellen Fragestellungen auseinander. Bei Generation war sie bereits zweimal zu Gast: Mit ihrem Langfilmdebüt The Mirror Never Lies (Meeresspiegel) war sie 2012 im Wettbewerb Kplus vertreten. Im letzten Jahr feierte ihr zweiter Langfilm Sekala Niskala (Sichtbar und unsichtbar), ebenfalls bei Generation Kplus, seine europäische Premiere und gewann den Großen Preis der Internationalen Jury.

Tilda Cobham-Hervey
Die australische Film- und Theaterschauspielerin sowie Performancekünstlerin Tilda Cobham-Hervey war bereits in zwei Langfilmen im Wettbewerb Generation 14plus zu sehen (52 Tuesdays, 2014 sowie Girl Asleep, 2016). 2018 feierte ihr Regiedebüt, der Kurzfilm A Field Guide to Being a 12-Year-Old Girl (Handbuch einer 12-Jährigen), im Generation-Wettbewerb Kplus seine internationale Premiere und gewann den Gläsernen Bären für den Besten Kurzfilm.

Jerzy Moszkowicz
Der polnische Theater-, TV- und Filmregisseur Jerzy Moszkowicz widmet sich mit seinen Stücken und filmischen Arbeiten insbesondere einem jungen Publikum. Seit 1991 ist er Direktor des Children's Art Centre im polnischen Poznań, das moderne Methoden der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen erprobt und fördert. Zudem leitet er das wichtigste polnische Filmfestival für junge Menschen, das International Young Audience Film Festival Ale Kino!.

Preise der Jugendjury im Wettbewerb Generation 14plus

Hölmö nuori sydän, We Are Little Zombies, Tattoo, Four Quartets

Die Mitglieder der Jugendjury Generation 14plus – Theodor Bittner Rosser, Christian Däbritz, Johanna Deventer, Pauline Rebmann, Avesta Schiefer, Alanza Clarice Leigh Lovejoy Schmidt, Janek Sommerfeldt - vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film: Hölmö nuori sydän (Stupid Young Heart)
von Selma Vilhunen, Finnland / Niederlande / Schweden
Der Film greift Themen auf, die vor allem für unsere Altersklasse von großer Relevanz sind. Er ergründet Motivationen des aktuellen politischen Rechtsruckes und Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft. Durch die Kombination aus Humor, Ernsthaftigkeit und Emotionen erzählt dieser Film die Liebesgeschichte zweier Jugendlicher, die in ihrem Leben wenig Konstanten haben. Das radikale Erwachsenwerden der Protagonist*innen wird stets von der Auseinandersetzung mit Rassismus und der Suche nach Identität überschattet.

Lobende Erwähnung: We Are Little Zombies
von Makoto Nagahisa, Japan
In diesem Film widersetzen sich diverse Kameraperspektiven und Schnittfolgen den Erzählkonventionen. Surreale und reale Bilder überschneiden sich in diesem Kunstwerk. Mit dem Voranschreiten der Handlung erreichen die Figuren ein neues Level. Soundeffekte, Musik und visuelle Elemente unterstützen die videospielartige Struktur. Mit der Lobenden Erwähnung zeichnen wir einen Film mit einem außergewöhnlichen Wiedererkennungswert aus.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm: Tattoo
von Farhad Delaram, Iran
Unser Gewinnerfilm setzt sich mit Themen wie Unterdrückung, Sexismus, Machtverhältnissen, sexueller Belästigung und Vorurteilen auseinander. Durch eine kontrastreiche Farbgebung wird trotz der ruhigen Grundstimmung eine angespannte Atmosphäre aufgebaut, die beachtenswerte Nutzung des quadratischen Formates verstärkt die Bedrängung der Hauptdarstellerin. Wenn am Ende des Films alles dunkel wird, ist klar, dass die Protagonistin eine Entscheidung von Bedeutung zu treffen hat.

Lobende Erwähnung: Four Quartets
von Marco Alessi, Großbritannien
Der Einsatz pulsierender Farben und die mitreißende Musik führen uns in einen traumartigen Flow. Dieser wird durch die Verschränkung verschiedener Erlebnisse und Erinnerungen verstärkt. Mit wenigen Worten und expressiven Bewegungen des Protagonisten baut sich eine Identifikation auf. Dieser Kurzfilm lässt auf vielfältige Weise Liebe, Freundschaft und Identitätsfindung erfahren.

Preise der Internationalen Jury von Generation 14plus

Beol-sae , Bulbul Can Sing, Liberty, Sœurs Jarariju

Die Mitglieder der Internationalen Jury Generation 14plus – Nanouk Leopold, Pascal Plante, Maria Solrun – vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Film, im Wert von 7.500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für Politische Bildung:

Beol-sae (House of Hummingbird)
von Kim Bo-ra, Republik Korea
Kim Bo-ras Beol-sae (House of Hummingbird) ist ein Erstlingsfilm, der durch die Reife einer unbeirrbaren Künstlerin besticht. Dieser kraftvolle Film ist das wundervoll gestaltete Portrait eines jungen Mädchens, das seinen Platz in einer dysfunktionalen Familie zu finden versucht. Der präzise kinematografische Stil ist zugleich subtil zurückhaltend und überaus bewegend.

Lobende Erwähnung: Bulbul Can Sing
von Rima Das, Indien
Die indische Filmemacherin Rima Das hat als Autorin, Regisseurin, Produzentin, Cutterin und in vielen weiteren Funktionen (!) einen lyrischen, authentischen und berührenden Film geschaffen. Zusammen mit den jungen Charakteren erleben wir den überwältigenden Verlust von Unschuld in einer unterdrückten Gesellschaft.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Kurzfilm, im Wert von 2.500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für Politische Bildung:

Liberty
von Faren Humes, USA
Ein kraftvoller Film, der mit seiner Bildlichkeit das Publikum in die Welt der Trauer, Hoffnung und Freundschaft von Mädchen in einer schwarzen Community in Miami lockt. Auf äußert schöne Art und Weise werden Szenen und Charaktere kreiert und ein beeindruckender Sinn für Rhythmus und Schnitt bewiesen.

Lobende Erwähnung: Sœurs Jarariju (The Jarariju Sisters)
von Jorge Cadena, Schweiz
Sœurs Jarariju (The Jarariju Sisters) ist ein panoramaartiges Filmerlebnis. Jorge Cadena führt uns auf feinsinnige Art und Weise in eine von Kohleminen zerstörte Landschaft, wo zwei jugendliche Mädchen im Begriff sind, alles hinter sich zu lassen, auf der Suche nach einem besseren Leben. Der Film nähert sich dem Thema mit Respekt und großem visuellem Tiefgang.

Nanouk Leopold
Nach Wolfsbergen (Forum 2007), Brownian Movement (Forum 2011) und Boven is het stil (Oben ist es still, Panorama 2013) war die niederländische Regisseurin Nanouk Leopold 2018 mit Cobain erstmals bei Generation (14plus) vertreten. Neben ihrer Filmarbeit ist sie zudem als Theaterregisseurin tätig und realisiert zusammen mit dem Künstler Daan Emmen Videoinstallationen. Derzeit arbeitet Nanouk Leopold an ihrem siebten Langfilm.

Pascal Plante
Der kanadische Filmemacher Pascal Plante lebt und arbeitet in Montreal. Sein Debütfilm Les faux tatouages (Fake Tattoos) feierte 2018 bei Generation 14plus seine europäische Premiere. Nach seinem Abschluss an der Mel Hoppenheim School of Cinema war er Mitgründer der Produktionsfirma Nemesis Films, mit der er als Regisseur zahlreiche Kurzfilme realisierte.

Maria Solrun
Geboren im isländischen Reykjavík, studierte die Filmregisseurin und Drehbuchautorin Maria Solrun an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Seit 2006 ist sie als Beraterin für Film und Fernsehen für das Icelandic Film Centre tätig. Bereits 2004, im ersten Jahr des Wettbewerbs 14plus, feierte ihr Langfilm Jargo seine Weltpremiere bei Generation. 2018 war sie, ebenfalls im Wettbewerb 14plus, mit ihrem Langfilm Adam vertreten.

Nach jeder Vorführung bei Generation werden Fragebögen verteilt. Die Bögen bieten die Möglichkeit, sich über die gesehenen Filme Gedanken zu machen und die eigene Meinung aufzuschreiben. Wer seinen Filmfragebogen nicht gleich im Kino abgeben möchte, kann ihn in Ruhe zu Hause ausfüllen und bis einen Monat nach dem Festival per Post an Generation schicken.

Rund 1.500 Zuschauer*innen geben jährlich ihren Filmfragebogen ab. Wer offen, ehrlich und spannend über sein Filmerlebnis schreibt, hat die Chance, im folgenden Jahr selbst über die Vergabe der Gläsernen Bären zu entscheiden. In die Kinderjury können nur Kinder berufen werden, die zum folgenden Festival zwischen elf und 14 Jahren sein werden. Die Mitglieder der Jugendjury sind mindestens 14 und höchstens 18 Jahre alt.

Die Fragebögen werden auch an die Macher der teilnehmenden Filme weitergeleitet. So erfährt jeder Filmschaffende aus erster Hand, wie sein Film beim Berliner Publikum angekommen ist.