Encounters Jury

Die 70. Berlinale war die Geburtsstunde der kompetitiven Sektion Encounters. Ihr Ziel ist es, neue Stimmen des Kinos zu unterstützen und den verschiedenen narrativen und dokumentarischen Formen mehr Raum im offiziellen Programm des Festivals zu geben. Eine dreiköpfige Jury entscheidet über die Vergabe der Preise für den Besten Film, die Beste Regie und den Spezialpreis der Jury.

Als Trophäe erhält jede Gewinnerin und jeder Gewinner eine goldene Bären-Plakette, die während des Summer Special am 13. Juni im Rahmen der feierlichen Preisverleihung auf der Museumsinsel überreicht wurde.

Die Mitglieder der Jury - Florence Almozini, Cecilia Barrionuevo und Diedrich Diederichsen – haben im März über die Preise in Encounters entschieden:
Videos der Preisverkündungen und der Reaktionen der Gewinner*innen

Bester Film

Alice Diop

Nous (We)
von Alice Diop

Jury-Begründung:
„Eine Arbeit, die echte Feinfühligkeit und Sensibilität erkennen lässt in der Gestaltung eines gemeinschaftlichen, vielstimmigen Porträts, das tiefsinnig, nuanciert und vor allem reich an gelebter Erfahrung ist.“

Spezialpreis der Jury

Chayamporn Taeratanachai / „Bench“ (Executive Producer)

Vị (Taste)
von Lê Bảo

Jury-Begründung:
„Eine unerschrocken klar choreographisch komponierte Abstraktion sozialer Verhältnisse, die sich sehr konkreter Bausteine bedient - Slumarchitektur, Fußballregeln, Kochen, die Schwere menschlicher Körper -, um ein ebenso stabiles wie nervöses Spannungsfeld zwischen asketischer Befreiung und dystopischer Regression aufzuspannen.“

Beste Regie (ex aequo)

Ramon Zürcher, Silvan Zürcher

Das Mädchen und die Spinne
von Ramon & Silvan Zürcher

Jury-Begründung:
„Die beeindruckende Ausführung einer rigorosen Inszenierung, welche die Mehrdeutigkeit jeder Figur mit Anmut, Humor sowie Raffinesse unterstützt und letztlich die Komplexität menschlicher Beziehungen umfasst.”

Beste Regie (ex aequo)

Hygiène sociale (Sozialhygiene)
von Denis Côté

Jury-Begründung:
„Der Film zeigt eine unglaubliche Gewandtheit im Mischen unterschiedlicher Klangfarben, filmgeschichtlicher Bezüge und vielfältiger, wunderbar wortreicher Gestalten, gekrönt von einem feinen und doch warmen Humor, der im Moment dringend gebraucht wird.“

Lobende Erwähnung

Rock Bottom Riser
von Fern Silva

Jury-Begründung:
„Ein Film, der von der Einsamkeit eines aufgewühlten Felsens erzählt: allein im Ozean, in der Galaxis, im Universum. Dabei findet er ebenso virtuos wie unerwartet sehr verschiedene Bilder für die Notwendigkeit der Dekolonisierung der Naturwissenschaft.“

Die Jury 2021

Florence Almozini (Frankreich) – Programmer

Florence Almonzini ist derzeit Senior Programmer at Large am Lincoln Center in New York, wo sie an der Planung des New York Film Festivals und des Festivals New Directors/New Films beteiligt ist, zahlreiche Retrospektiven organisiert und die Programmierung der Neustarts verantwortet. Von 1999 bis 2013 leitete sie die BAMcinématek an der Brooklyn Academy of Music und rief dort das erste Filmfestival BAMcinemaFest ins Leben. Sie saß beim Tribeca Film Festival ebenso in der Jury wie beim Mar del Plata International Film Festival sowie bei den Cinema Tropical und den Gotham Awards. Seit 2012 gehört Almonzini auch zum Auswahlkomitee des Tournées Film Festivals. 2013 wurde ihr der Orden Chevalier des Arts et des Lettres verliehen.

© Getty

Cecilia Barrionuevo (Argentinien) - Künstlerische Leiterin

Cecilia Barrionuevo leitet seit 2018 als Künstlerische Leiterin das Mar del Plata International Film Festival, bei dem sie bereits seit 2010 zum Programmteam gehörte. Darüber hinaus hat sie unter anderem die Reihe „Neighboring Scenes: New Latin Cinema“ kuratiert, an der Documenta Madrid mitgewirkt und ist als Beraterin für Antofacine im chilenischen Antofagasta tätig. Barrionuevo war außerdem Mitherausgeberin verschiedener Publikationen wie der zweisprachigen Reihe „Las Naves Cine“ und unterrichtet Filmstudent*innen auf der ganzen Welt. Sie ist Mitglied im Kuratorium des Film Study Centers der Harvard University. 2020 wurde ihr vom französischen Kulturministerium der Orden Chevalier des Arts et des Lettres verliehen.

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Diedrich Diederichsen (Deutschland) - Redakteur und Herausgeber

Diedrich Diederichsen war in den 1980er Jahren Redakteur und Herausgeber von Musikzeitschriften wie „Sounds“ und „Spex“. In den 1990er Jahren unterrichtete er unter anderem an Hochschulen in Frankfurt, Pasadena, Offenbach, München, Weimar, Bremen, Gießen, Wien, Gainesville, St. Louis, Köln, Salzburg und Los Angeles. Von 1998 bis 2006 war er Professor für Ästhetische Theorie / Kulturwissenschaften an der Merz Akademie in Stuttgart, seit 2008 am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Bücher und Texte über Popmusik, Politik, bildende Kunst oder Die Sopranos.

© Akademie der bildenden Künste Wien Foto: Claudia Rohrauer