2026 | Panorama
Desire Lines
Lady von Olive Nwosu
Eindrückliches unabhängiges Filmschaffen, dokumentarische Arbeiten zwischen Poetik und Dringlichkeit sowie starkes junges Kino und etablierte Meister – im Berlinale Panorama 2026 lässt sich die immense Bandbreite kinematographischer Kunst entdecken.
Das kontrastreiche Programm glänzt nicht nur durch visuelle Vielfalt. Die Filme bestechen ebenso durch emotionale Tiefe, dicht gewebte Texturen und ein außergewöhnliches Gefühl für Komposition. In ihnen liegt die Kraft, unsere Wahrnehmung der Welt auch über den Kinosaal hinaus zu prägen.
Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf der Frage nach dem Raum in all seinen Facetten. Dies betrifft den filmischen Raum als Ort der Reflexion ebenso wie den Lebensraum. Welche Räume werden uns zugewiesen? Welche erobern und verteidigen wir?
Im Umkreis des Paradieses
Yulia Lokshinas Im Umkreis des Paradieses und Tobias Nölles & Loran Bonnardots Tristan Forever untersuchen Utopien im frei gewählten Exil: Paraguay und die Insel Tristan da Cunha sind die Schauplätze dieser zutiefst unterschiedlichen Realitäten zwischen ersehnter Isolation und totaler Kontrolle. Un hiver russe von Patric Chiha hingegen beleuchtet die Lebensrealität junger Russ*innen auf der Flucht vor der dystopischen Heimat.
Tawfik Sabouni (The Other Side of the Sun) und Alisa Kovalenko & Marysia Nikitiuk (Traces) kreieren in ihren Filmen Räume für Reflexion, in denen die Protagonist*innen über ihre Traumata und die global gegenwärtige Architektur von Krieg, Gewalt und Missbrauch sprechen können. Im herzzerreißenden japanischen Spielfilm Shibire von Takuya Uchiyama führt das Kindheitstrauma eines Jungen zum Kampf gegen Sprachlosigkeit und soziale Isolation- – virtuos inszeniert in der eisigen nordjapanischen Landschaft.
Árru
Im winterlichen Norwegen ist das mitreißende Filmdebüt Árru der samischen Regisseurin und Choreographin Elle Sofe Sara verortet. Sie erzählt von der Rentierhirtin Maia, die sich sowohl der ökologischen Bedrohung ihrer Heimat als auch familiären Konflikten stellen muss. Die toughe Taxifahrerin Lady wiederum kämpft im gleichnamigen Film von Olive Nwosu in einem ganz anderen Raum um ihre Träume: der Megalopolis Lagos. Ein energetischer Film über weibliche Solidarität, Gender Performance und Selbstermächtigung.
Einen zweiten Programmschwerpunkt bilden Filme, die sich um die große Liebe drehen und so zu Gradmessern gesellschaftlicher Normen werden. Die herausragende Hiam Abbass rebelliert gegen ihr familiäres und soziales Umfeld in Only Rebels Win von Danielle Arbid, als sie sich in einen deutlich jüngeren sudanischen Mann verliebt. Ian de la Rosa siedelt in Iván & Hadoum eine zarte, aber widerstandsfähige junge queere Liebe im spanischen Arbeitermilieu an. Se eu fosse vivo... vivia von André Novais Oliveira erzählt von der wohl ultimativen unendlichen Liebe zweier Menschen. Anna Rollers Adaption von Leif Randts Allegro Pastell hingegen nimmt uns direkt mit in die privilegierte Blase zweier junger Liebender in Berlin. Und die pakistanischen Liebestragödie Lali von Sarmad Sultan Khoosat wartet mit schwarzem Humor, gewaltigen Bildern und einem großen Ensemble auf. Gemeinsam ist diesen Arbeiten, dass sie Liebesgeschichten als Gegenwartsdiagnosen zeigen.
Lali
Lali ist einer von mehreren starken asiatischen Filmen im Programm. Mit Geunyeoga doraon nal liefert Berlinale-Dauerbrenner und Altmeister Hong Sangsoo das subtile wie facettenreiche Porträt einer Schauspielerin. Agnis Shen Zhongmin beschäftigt sich in ihrem eleganten, hybriden Shanghai Daughter mit ihrer Herkunft und Familiengeschichte, angesiedelt zwischen der Metropole Shanghai und der südwestlichen Provinz Yunnan. Etwas chaotischer aber nicht weniger faszinierend folgen wir Regisseur*in und Künstler*in Viv Li, wie sie in Two Mountains Weighing Down My Chest zwischen ihrer neuen queeren Hipster-Bubble in Berlin und ihrer Heimat in Peking mit Selbstironie und forschender Neugier changiert.
Charli xcx in The Moment
Und last but not least: Popsensation Charli xcx bringt Brat-Energie ins Panorama 2026: The Moment von Aidan Zamiri ist Mockumentary, feministische Selbstermächtigung und ein ironischer Metakommentar auf das Music-Biz zugleich.
Zum Abschluss kehren wir zu den offenen Räumen in unserer Gesellschaft zurück. Sebastian Brameshuber setzt mit London einen notwendigen Hoffnungsschimmer im heutigen Europa mit menschlicher Wärme und filmischer Präzision.
Wir sehen uns im Kino!
Die Filme und Events im Panorama 2026:
Login
Loggen Sie sich ein, um Mein Festivalplaner nutzen zu können.
Über die Icons im Programm können Sie sich Ihre individuellen Festivalplan zusammenstellen und als iCal-Feed abonnieren.
Login
Loggen Sie sich ein, um Meine Favoriten nutzen zu können.
Über die Icons im Programm können Sie eine Liste Ihrer Favoriten erstellen.