2026 | Perspectives

Die Zukunft des Kinos

Caolán O'Gorman und Alessa Savage in Truly Naked von Muriel d’Ansembourg

Die 76. Ausgabe der Berlinale markiert das zweite Jahr der kompetitiven Sektion Perspectives für Filmemacher*innen, die ihren ersten Spielfilm realisiert haben. Die Filme konkurrieren um einen mit 50.000 Euro von der GWFF dotierten Preis. Die 14 Filme in Perspectives bieten außergewöhnliche neue Stimmen des internationalen Kinos aus verschiedenen Ländern, darunter Argentinien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Frankreich, Deutschland, Mazedonien, Norwegen, Palästina, den Philippinen, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich. Auch wenn jeder Film einen eigenen Zugang zur dramatischen oder hybriden fiktionalen Form wählt, präsentieren sie alle bedeutende neue Filmtalente und gewähren uns einen Blick in die Zukunft des Kinos.

Rafael Manuel kehrt mit Filipiñana zur Berlinale zurück, einer Spielfilmadaption seines mit dem Silbernen Bären ausgezeichneten gleichnamigen Kurzfilms, in dem ein „Tee-Girl“ die finsteren Abgründe eines opulenten Country Clubs durchforstet. Weitere Filme, die die Spannungen beleuchten, die beim Ausloten der Grenzen individueller Verantwortung entstehen, sind Hangar rojo von Juan Pablo Sallato, ein suspensereicher Thriller in herrlich fotografiertem Schwarz-Weiß und der stilistisch gewagte revisionistische Western A Prayer for the Dying von Dara Van Dusen.

17 von Kosara Mitic

Die Frauen in Manon Coubias Forêt Ivre haben sich für ein isoliertes Leben in den Bergen entschieden, und der Film transportiert diese Poesie der Verbundenheit mit Natur und Einsamkeit wunderschön auf die Leinwand. Im Gegensatz dazu verfügen die jungen Frauen im Zentrum von Kosara Mitics emotionalem 17 über keinerlei Handlungsspielraum - bis sie sich zusammenschließen, um die unkontrollierten sexuellen Übergriffe ihrer männlichen Klassenkameraden zu überstehen. Muriel d’Ansembourgs Truly Naked hingegen zeigt und hinterfragt auf selbstbewusste und gewagte Weise, wie Teenager Sexualität und Begehren wahrnehmen und wirft dabei einen feministischen Blick auf die Pornoindustrie, wobei das junge Ensemble eine bahnbrechende Performance liefert.

Und es gibt auch deutsche Geschichten. Der gefeierte Kurzfilmregisseur Kai Stänicke inszeniert in Der Heimatlose einen ambitionierten historischen Stoff. Der Berlinale-Talents-Alumnus Assaf Machne führt uns mit Where To? durch eine Reihe flirrender Begegnungen im schlafenden Berlin.

Rita Pauls und Milo Barría in El Tren Fluvial von Lorenzo Ferro & Lucas A. Vignale

Unverwechselbar und intim erzählt das Regieduo Lorenzo Ferro und Lucas A. Vignale in El Tren Fluvial von der Flucht ihres jungen Protagonisten aus der argentinischen Provinz in die Stadt seiner Träume Buenos Aires. Der Hausmeister aus Xu Zaos Animationsfilm Han ye deng zhu lebt hingegen in einer Zukunft, in der Reisen ins All normal sind, er jedoch auf dem heruntergekommenen Gelände eines bankrotten Filmstudios in China festsitzt.

In Grace Passôs Nosso segredo geht es um Einsamkeit und Trauer. Unerschrocken zeigt der Film eine Familie, die den Verlust ihres Patriarchen nicht verkraften kann. In Liz Sargents zutiefst persönlichem Take Me Home wird die Trauer durch die Herausforderungen eines Lebens mit Behinderung noch verstärkt. Das Erwachsenwerden angesichts der Gewalt und Brutalität in Jugendhaftanstalten nimmt Ashley Walters in Animol in den Blick – und versammelt dafür einen beeindruckenden jungen Cast.

Chronicles From the Siege von Abdallah Alkhatib

Mit seinem fiktionalen Debüt Chronicles From the Siege führt uns Abdallah Alkhatib in eine namenlose, belagerte Stadt, in der Körper und Geist gleichermaßen unter Beschuss stehen; in der gewöhnliche Menschen mit Hunger, unzureichender medizinischer Versorgung, Scharfschützen und Bomben konfrontiert sind – und dennoch weiterleben, auf der Suche nach Freundschaft, Liebe, Intimität und dem einfachen Vergnügen einer Zigarette.

Mit ihren Filmen zeigen diese Spielfilmdebütant*innen, dass sie die Sprachen des Kinos fließend beherrschen, mutige Ideen haben und uns neue Perspektiven auf die Welt eröffnen. Dass dies die Zukunft des Kinos ist, stimmt in der Tat sehr zuversichtlich.

Perspectives umfasst 14 Spielfilme, darunter zwölf Weltpremieren, eine internationale Premiere und eine Europapremiere.

In Partnerschaft mit der GWFF (Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten) verleiht die Berlinale einem von der Perspectives-Jury ausgewählten Film den von der GWFF gestifteten, mit 50.000 Euro dotierten Hauptpreis der Sektion.

Die Filme in Perspectives: