Panorama | Generation | Forum & Forum Expanded
05.11.2026
Berlinale Spotlight: Panorama, Generation, Forum im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Filme von und Gespräche mit Volker Koepp, Tawfik Sabouni und Anne Kodura
Die Berlinale ist seit vielen Jahren mit speziell kuratierten Programmen ganzjährig präsent. Das Berlinale Spotlight erweitert den Festivalzeitraum und macht die Aktivitäten der Berlinale über das Jahr sichtbar.
Nach den sehr gut besuchten Berlinale Spotlights in den letzten Jahren wird es vom 18. November bis 16. Dezember 2026 erneut ein Spotlight-Programm im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin geben. Das Berlinale Spotlight: Panorama, Generation, Forum zeigt die Werke einiger der renommiertesten Dokumentarfilmmacher*innen unserer Zeit.
Das Dokumentationszentrum wird im Februar 2027 auch wieder ein Veranstaltungsort des European Film Market sein.
Die für das Berlinale Spotlight ausgewählten Filme verhandeln zentrale Fragen von Krieg, Flucht, Migration und Zugehörigkeit. Sie reichen von der Aufarbeitung politischer Gewalt über die Reflexion historischer und aktueller Konflikte bis hin zu den Lebensrealitäten geflüchteter Kinder. Gemeinsam eröffnen sie einen vielstimmigen Blick auf Erfahrungen von Vertreibung, Erinnerung und Resilienz und machen die menschlichen Dimensionen gesellschaftlicher und geopolitischer Umbrüche erfahrbar.
Panorama Dokumente präsentiert am 18. November 2026 The Other Side Of The Sun von Tawfik Sabouni. Der Film wurde als syrischer Kandidat für den Oscar 2027 in der Kategorie „Best International Feature Film“ eingereicht.
Am 9. Dezember zeigt das Forum den Film Chronos — Fluss der Zeit (Regie: Volker Koepp). Neben den Berlinale Filmen von 2026 zeigt Generation zum Abschluss am 16. Dezember ÖDLAND — Damit keiner das so mitbemerkt (Regie: Anne Kodura) aus dem Jahr 2013.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen des Berlinale Spotlight ist frei. Tickets können vorab gebucht werden.
Das Programm:
18. November 2026, 18:30 Uhr
Panorama Dokumente: The Other Side of the Sun
Belgien / Frankreich / Saudi-Arabien 2026
von Tawfik Sabouni (Regie, Buch), Laurine Estrade (Buch)
Sprache: Arabisch mit englischen Untertiteln
92 Minuten
Im Anschluss gibt es ein Filmgespräch mit Regisseur Tawfik Sabouni.
Tickets
Filmemacher Tawfik Sabouni wurde vor Jahren aus dem syrischen Foltergefängnis Saidnaya entlassen, das auch als Ort „hinter der Sonne“ bezeichnet wird. Kurz nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 kehrt er an den Ort seiner Gefangenschaft zurück. Es geht ihm nicht darum, Wunden wieder aufzureißen, sondern wiederherzustellen, was systematische Gewalt versucht hat auszulöschen: Stimmen, Geschichten und Menschlichkeit. Sabouni lädt vier weitere Saidnaya-Überlebende ein, ihn auf seiner Reise zu begleiten. Gemeinsam kehren sie an die Orte zurück, an denen sie jahrelang gefoltert und entmenschlicht wurden, und spielen in sorgfältig konstruierten Reenactments ihre Gefangenschaft nach — tägliche Rituale, Gesten, Momente des Überlebens. Gedreht innerhalb des ehemaligen Gefängnisses, werden die Reenactments zum Ausdrucksmittel für etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt. Auf zurückhaltende Weise konfrontiert der Film das Publikum mit den bleibenden Spuren der Haft und gibt nicht nur den auftretenden fünf Männern eine Stimme, sondern auch den Tausenden, die das Assad-Regime nicht überlebt haben und deren Familien noch immer nach Antworten suchen.
9. Dezember 2026, 18:00 Uhr
Forum: Chronos — Fluss der Zeit
Deutschland 2026
von Volker Koepp (Regie, Buch)
Sprache: Deutsch, Ukrainisch, Litauisch, Belarussisch, Russisch, Rumänisch mit deutschen Untertiteln
200 Minuten
Im Anschluss gibt es ein Filmgespräch mit Regisseur Volker Koepp, moderiert von Barbara Wurm (Leiterin Forum).
Tickets
„Sarmatische Zeit“ heißt der Gedichtband von Johannes Bobrowski, der für Volker Koepp zum poetischen wie persönlichen Leitmotiv für diese bildstarke wie weitläufige Sondierung einer Region zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, entlang der Ströme Memel, Dnister und Pruth, wird. Herkunfts-, Sehnsuchts- und Tatort zugleich: Sammelbecken unterschiedlicher Kulturen und Zugehörigkeiten, über ein halbes Jahrhundert Bezugs- und Fluchtpunkt im Schaffen des großen Chronisten sowie Schauplatz wiederkehrender Grausamkeit und Vernichtung. Die Rückkehr zum eigenen Werk mit neuen und alten Weggefährt*innen wird zur gleichzeitigen Rückschau und Reaktualisierung. Wie durch Delta-Arme entstehen Verbindungen zur deutschen Geschichte und zum gesamteuropäischen Kontext, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und für einen langen Augenblick scheint in diesem Fluss die Zeit erschreckend stillzustehen, denn spätestens seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 ist das Echo der dieser Region eingeschriebenen Gewalterfahrung nicht mehr zu überhören. Was seinen Ursprung in Gedichten über das Memelland nimmt, entwickelt sich zu einer epochalen Kontemplation über den Menschen in Zeit und Raum.
16. Dezember 2026, 18:30 Uhr
Generation: ÖDLAND – Damit keiner das so mitbemerkt
Deutschland 2013
von Anne Kodura (Regie, Buch)
Sprache: Deutsch
79 Minuten (Empfohlen ab 9 Jahren)
Im Anschluss gibt es ein Filmgespräch mit Regisseurin Anne Kodura, moderiert von Sebastian Markt (Co-Leiter Generation).
Tickets
Muhammad, Mustafa, Aya und noch einige andere Kinder leben da, wo sonst niemand mehr lebt, weit draußen auf dem Gelände einer alten Kaserne. Dort gibt es Felder, Schafe, Windräder und unendlich viel Zeit. Um sie sich zu vertreiben, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Ihre Familien sind vor Jahren aus Kriegsgebieten geflüchtet. Seitdem leben sie hier im Asyl, abgeschieden vom Rest der Welt. Manchmal erinnert ein Bus in der Ferne daran, dass es noch ein anderes Leben gibt. Die langen Tage der Sommerferien ziehen dahin. Die Kinder verbringen sie mit Streifzügen durch das hohe Gras, Fahrradfahrten zum See und Sammeln von Kupferschrott, den sie zu Geld machen wollen. In hellem Schwarzweiß konzentrieren sich Anne Kodura und Friede Clausz vollständig auf die Perspektive der Kinder. In beiläufigen Gesprächen kommen auch elementare Fragen nach Heimat und Identität auf. Die Eltern sind nur zu hören. In wenigen Originalkommentaren umreißen sie ihre schwierige Situation. Um das Lebensgefühl der Kinder erfahrbar zu machen, verzichten die Filmemacher aber auf die Schilderung konkreter Hintergründe und deren Dramatisierung. Ein konsequenter Dokumentarfilm, der lange nachwirkt.
Veranstaltungsort:
Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Stresemannstraße 90, 10963 Berlin
S-Bahnhof Anhalter Bahnhof / nahe Potsdamer Platz
Mehr Informationen unter www.f-v-v.de
Das Berlinale Spotlight: Panorama, Generation und Forum ist eine Kooperation zwischen dem Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung sowie dem European Film Market (EFM) der Berlinale.
Presseabteilung
05. November 2026