2025 | Berlinale Shorts

75 Hurra!

Happy Doom von Billy Roisz

Anlässlich des 75. Geburtstags der Berlinale zeigt Berlinale Shorts sechs Schätze aus dem Festivalarchiv, die die Vielfältigkeit des Kurzfilms feiern und zum (Wieder)entdecken einladen – vom abstrakten Experiment zur dokumentarischen Beobachtung, von der Fiktionalisierung der Wirklichkeit hin zum Erschaffen fantastischer Welten.

Ein Festival ist immer auch ein Ort der Begegnung: von Mensch und Kunst, von Kunst und Kunst, von Mensch und Mensch. Und so handeln auch diese Kurzfilme von Begegnungen, seien sie auf der Leinwand oder hinter den Kulissen:

Licht trifft auf Fläche – Happy Doom bringt mit pulsierenden Farben und Tönen, abstrakten Strukturen und Geräuschen Leinwand und Lautsprecher zum Vibrieren. Ein kurzer, schneller Auftakt der Videokünstlerin und Musikerin Billy Roisz, die viermal bei Berlinale Shorts zu Gast war.

David OReilly mit Jurykollegin Sandra Hüller, den Preisträger*innen Justine Triet und Trevor Anderson und Jurykollegin Emily Jacir 2012

Justine Triet und Sandra Hüller lernten sich 2012 im Rahmen der Berlinale Shorts kennen, als Hüller - in ihrer Funktion als Mitglied der Internationalen Kurzfilmjury - Triet eine Preisurkunde für ihren Vilaine fille mauvais garçon überreichte. Elf Jahre später spielte Hüller die Hauptrolle in Triets Meisterwerk Anatomy of a Fall, für das beide vielfach ausgezeichnet wurden.

Tant qu’il nous reste des fusils à pompe war die erste Zusammenarbeit von Caroline Poggi und Jonathan Vinel und damit das Debüt eines Regieduos, das bis heute herausragende Kurz- und Langfilme macht. 2014 erhielten sie für diesen Film den Goldenen Bären, neun Filme und zehn Jahre später sind sie mit Comment ça va? 2025 erneut und somit zum vierten Mal im Wettbewerb der Berlinale Shorts.

PARKing CHANce 2011 mit dem Goldenen Bären

Ein weiteres eingespieltes Team ist PARKing CHANce. Dahinter verbergen sich der berühmte koreanische Filmemacher Park Chan-wook und sein Bruder, der Künstler Park Chan-kyong. Dieses verspielte Pseudonym gaben sich die beiden, weil sie meinen, dass die Chance in Seoul einen Parkplatz zu finden so gering ist, wie die Gelegenheit als Künstler*in frei von technischen, finanziellen oder inhaltlichen Restriktionen arbeiten zu können. Bietet sich diese seltene Möglichkeit dennoch, wird sie gerne ergriffen und ein so eigenwilliger Film wie Paranmanjang (Night Fishing) entsteht, für den sie 2011 den Goldenen Bären erhielten.

Patti Smith und Jean Genet hingegen sind sich nie begegnet. Ihr ist es dennoch oder gerade deswegen ein Anliegen drei kleine Steine auf sein Grab in Marokko zu legen. Frieder Schlaich, ein Freund seit vielen Jahren, begleitet sie dabei. Sie erzählt, er filmt, sie streifen durch die Stadt, ein Junge schließt sich ihnen an, das Versprechen wird eingelöst. Three Stones for Jean Genet.

Vita Lakamaya von Akihito Izuhara

Alle paar Jahre ist uns das Glück beschert in den Kosmos des Animationsfilmers Akihito Izuhara eintauchen zu dürfen. Jedes Mal ist es eine bezaubernde Begegnung mit wundersamen Wesen und Welten, gerne versteckt im hohen Gras und gezeichnet mit filigranen Buntstiftstrichen, wie auch in Vita Lakamaya.

So unterschiedlich diese Begegnungen sind – es ist uns immer wieder eine Freude, den Raum für sie zu schaffen. Einen Raum, der gezieltes oder zufälliges Zusammentreffen ermöglicht, der Platz bietet für Reibung und für Wertschätzung. Denn Filmfestivals sind vielleicht der einzige Ort, an dem das Publikum den Filmen und ihren Macher*innen gegenüber sein Interesse und auch seine Dankbarkeit ausdrücken kann – sei es mit Applaus während des Abspanns, aufgeschlossenen Fragen im Publikumsgespräch, einem Gespräch im Kinofoyer im Anschluss an die Vorstellung oder bei einer zufälligen Begegnung mitten im Festivalgeschehen.