Die Verse des Dichters León de Greiff schweben über Archivbildern eines großen Auditoriums in der Nationalen Universität von Kolumbien, das seinen Namen trägt. Dieser zum nationalen Denkmal erklärte Ort ist eines der kulturellen und akademischen Wahrzeichen des Landes. Doch die Bilder, die hier geborgen werden, sollen eine der tragischsten Perioden seiner Geschichte erzählen, wenn nicht heraufbeschwören: In den 1980er- und 1990er-Jahren wurden linken sozialen und politischen Bewegungen angehörige Lehrer- und Student*innen von Paramilitärs und vom Staat verschleppt und ermordet. Die Arkaden wurden zum Kriegsgebiet und die große Kulturbühne zu einer Totenhalle: Hunderte Studierende trauerten genau dort um die ermordeten Professoren Alberto Alava, Mauricio Umaña und Jesús Antonio Bejarano. Die Bilder, die diesem Ort innewohnen, schweben in ihm wie Gespenster. Sie sprechen aus dieser Zeit zu uns, über etwas Schreckliches, das passiert und dort passierte. Doch aus der Tragödie schält sich ein kollektiver Schrei, der das Auditorium flutet und den zentralen Platz des Campus füllt. Sie rufen: „Keine Minute der Stille!“