Imagination ist auch eine Antwort

Die diesjährige Auswahl der Berlinale Shorts ist abermals von reicher Vielfalt geprägt: neben kurzen Spielfilmen finden sich animierte Arbeiten und mit CGI-Effekten versehene Werke der Autofiktion im Programm wieder. Sektionsleiterin Anna Henckel-Donnersmarck erklärt im Interview, dass ihnen gemein ist, sich nicht damit zufrieden zu geben, gesellschaftliche Missstände nur anzukreiden, sondern dass sie die filmische Fantasie als Strategie nutzen, Antworten auf die brennenden Fragen unserer Zeit zu finden.“

Anastasia Arzhevikina und Ignat Dvoinikov in Trap

Was ist für Dich das Besondere am Kurzfilm?

Ein Kurzfilm muss wissen, was er will und seine knappe Zeit für sich nutzen. Ich mag diese Konzentration, die innere Klarheit. Außerdem genießt das Genre eine große künstlerische Freiheit, weshalb nicht nur die gewählten Themen, sondern auch die formalen und ästhetischen Herangehensweisen sehr unterschiedlich ausfallen. Oft funktioniert er wie eine Nahaufnahme des großen Ganzen.

Und: Ein Kurzfilm läuft selten allein, er ist meist in einem kompilierten Programm zu sehen. Die daraus resultierende Vielstimmigkeit interessiert mich: Wie beeinflussen sich die Filme gegenseitig? Treten sie in einen Dialog ein oder stehen sie eher in Opposition zueinander? Ergibt sich ein eleganter Fluss oder eine emotionale Achterbahnfahrt? Hat jedes Werk genug Luft zum Atmen? Ein Kurzfilmprogramm zu kuratieren ist, als würde man einen Konzertabend zusammenstellen, bei dem aus verschiedenen Musikstücken ein in sich funktionierendes Gefüge komponiert werden will.

Amintiri de pe Frontul de Est

Lass uns diese „Nahaufnahme des großen Ganzen“ genauer betrachten, hast Du hierfür Beispiele?

Amintiri de pe Frontul de Est (Memories from the Eastern Front) von Radu Jude und Adrian Cioflâncă ist ein gutes Beispiel. Auf den ersten Blick passiert nicht viel: Ein altes, handbeschriftetes Fotoalbum wird durchgeblättert, dazwischen werden Texttafeln mit Zitaten aus historischen Dokumenten eingeblendet. Dabei bleibt der Film über 30 Minuten lang stumm. Die Fotos zeigen den Alltag des Feldzugs des 6. Regiments der rumänischen Armee in den Kriegsjahren 1941/42. Mit ihrem formalen Minimalismus verlässt sich diese Arbeit darauf, dass der Film im Kopf der Zuschauer*innen entsteht. Es bleibt genug Raum, um die größeren Zusammenhänge zu erkennen, das Gezeigte weiterzudenken, eigene Assoziationen und Gefühle zu entwickeln.

In Retreat blickt Anabela Angelovska hinter die Bauzäune in Kumanovo, der zweitgrößten Stadt Nordmazedoniens. Seit 2003 rekrutierte das US-amerikanische Militär dort Arbeitskräfte für die Küchen und Wäschereien ihrer Militärstützpunkte in Afghanistan und im Irak. Die jungen Menschen verdienten in der Ferne sehr gutes Geld, mit dem die Familien in der Heimat Traumhäuser für sie bauen konnten. Mit dem Abzug der Truppen sind viele von ihnen nach teils jahrelangen Einsätzen zurückgekommen – und haben ihre Kriegserfahrungen und Traumata mitgebracht. Wie Amintiri de pe Frontul de Est zeigt auch Retreat die Mechanismen des Krieges auf. Die ökonomischen Auswirkungen, die mir bisher nicht in diesem Ausmaß bewusst waren, werden hier in ihrer Vielschichtigkeit gezeigt. Gleichzeitig ist der Film ein sehr interessantes Porträt einer Familie, in der die Großmutter zur Immobilienunternehmerin wird, auf der Baustelle selbst Hand anlegt und nebenher noch schnell die Gänse zurück in den Stall treibt.

In Agrilogistics folgen wir Gerard Ortín Castellví in ein vollautomatisiertes Gewächshaus. Es ist faszinierend und erschreckend zu sehen, mit welchem Aufwand die Natur industrialisiert wird. Diese riesigen maschinellen Greif- und Schüttelvorrichtungen, die zarte, kleinste Blätter sortieren – was für eine irrsinnige Ingenieursleistung! Aber gleichzeitig denke ich mir, was für eine Arroganz: Wie weit hat der Mensch sich von der Natur entfernt und wie groß ist sein Verlangen, alles zu kontrollieren. Doch dann stellt der Film dieser Realität seine Fantasie entgegen und gibt der Natur die Macht zurück, indem er sie unkontrolliert tun lässt, was sie möchte.

Haulout

Haulout von den Geschwistern Evgenia Arbugaeva und Maxim Arbugaev ist ein eindringliches Klagelied gegen den Klimawandel. Es wirkt zunächst wie ein Spielfilm: Ein einsamer Mann am Meer hält Ausschau, spricht seine Beobachtungen in ein Diktiergerät, trifft Vorkehrungen, wartet. Eines Morgens sind sie dann plötzlich da, die Walrosse. Wie jedes Jahr versammeln sie sich hier. Nach und nach versteht man, dass es viel zu viele sind. Und man wünscht sich, es wäre tatsächlich ein Spielfilm und nicht die Realität, in der die Tiere dem von Menschen verursachten Verlust ihres Lebensraums hilflos ausgeliefert sind.

Ebenso erschütternd ist der Spielfilm Will My Parents Come to See Me von Mo Harawe: In ruhigen, klar komponierten Bildern wird ein verurteilter junger Mann in Somalia von einer Gefängniswärterin durch seinen letzten Tag vor der Hinrichtung begleitet. Sie kennt die vorgeschriebenen Abläufe und erfüllt stumm ihre Aufgaben. Doch im Grunde kann sie dies alles nicht mehr ertragen. Ist es überhaupt möglich, eine angeordnete Tötung human zu vollziehen? Was macht die Todesstrafe mit dem gesellschaftlichen Umfeld, in welchem sie stattfindet?

Dirndlschuld

Auch die sehr persönlichen Familiengeschichten lassen sich als Abbild der Gesellschaft lesen …

Das ist richtig: Wilbirg Brainin-Donnenberg beschäftigt sich in Dirndlschuld damit, wie Narrative fortgesetzt und gewissermaßen vererbt werden, sie aber auch bis zur Unkenntlichkeit überschrieben werden können. Sie nimmt dafür das Dirndl sowie den in Österreich als Feriengegend beliebten Grundlsee ins Visier und hinterfragt ihr eigenes ambivalentes Verhältnis zu beidem. Denn hinter Folklore und Postkartenidyll macht sich immer wieder jenes tief sitzende, vom Nationalsozialismus geprägte Gedankengut bemerkbar, das mal beschönigt, mal verharmlost oder vertuscht, bis heute präsent ist.

In dem fiktionalen, aber autobiografisch inspirierten Four Nights zeigt Deepak Rauniyar die Realität von Filmemacher*innen nachdem der rote Teppich wieder eingerollt wurde. Er porträtiert ein nepalesisches Ehepaar – sie: Schauspielerin, er: Regisseur –, das sich in der US-amerikanischen Wahlheimat zwischen Idealismus und Pragmatismus entscheiden muss. Denn auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist es schwer, gesellschaftlichen Zuschreibungen zu entkommen.

Diese Zuschreibungen thematisiert auch Sky Hopinka in seinem poetischen Experimentalfilm Kicking the Clouds. Er befragt darin seine Mutter zum Sprechen und vor allem Nicht-Sprechen der eigenen indigenen Sprache in der Familie. Der Urgroßmutter war es noch verboten, sich der nahezu vergessenen Pechanga-Sprache zu bedienen, sie schämte sich in der Schule ihrer Herkunft und negierte sie. Die Großmutter hingegen kämpft darum, die verdrängten Traditionen, wie z. B. die Perlenstickerei, wiederzubeleben. Sie findet darin ihren Halt und ihren Stolz. Es sind die Nebensätze dieser Erzählung, die aufblitzen lassen, wie hart es für die Native-American-Mütter war und ist, für sich und ihre Familien einen besseren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen.

Ana Vilaça in By Flávio

Das Motiv der Selbstermächtigung kann man dieses Jahr in vielen Filmen der Berlinale Shorts wiederfinden. Überraschend häufig gehen sie dafür ins Irreale, fast Magische über.

Es ist tatsächlich interessant zu sehen, dass sich die Filme nicht mehr damit zufriedengeben, gesellschaftliche Missstände anzukreiden. Vielmehr wählen sie die filmische Fantasie als Strategie, um eine Antwort auf die brennenden Fragen unserer Zeit zu finden. Beherzt bringen sie dabei die etablierten Machtstrukturen durcheinander und befreien ihre Protagonist*innen aus den üblichen Rollenzuschreibungen.

So zum Beispiel das Stereotyp der alleinerziehenden Mutter in By Flávio von Pedro Cabeleira. Ausgangspunkt ist eine oft erzählte Situation: Mama hat ein Date und weiß nicht, wohin mit dem Kind. Wenn sie ihrem Bedürfnis folgt und Spaß hat, wird sie dafür in der Regel direkt oder indirekt bestraft. Nicht so in diesem Film! Es ist eine große Freude, diesen Figuren zu folgen und von ihnen immer wieder überrascht zu werden.

Eine andere interessante Frauenfigur ist Tomasa Ttito Condemayta, die vor 250 Jahren gegen die spanischen Kolonialherren kämpfte. Marina Herrera erzählt uns in ihrem Film Heroínas allerdings nicht viel über diese indigene Heldin – vielmehr rückt sie jene Frauen in den Mittelpunkt, die sie heute wie eine Heilige verehren. Ihrem Schädel haben sie einen Schrein gewidmet, sie bringen Opfergaben dar, holen sich Trost und Mut, tanzen und feiern für sie. Oder tun sie es für die Kamera? Was ist gelebte Tradition, was ist ein verschmitztes Reenactment und wann fängt die inszenierte Fiktion an? Man kann es nicht genau sagen, aber vielleicht ist das auch nicht so wichtig. Denn Tomasa gab es wirklich, und selbst wenn dieses Denkmal nicht reell ist, hat zumindest der Film ihr eines gesetzt, und zwar eines, das um die Welt reisen kann und wie jedes gute Denkmal neugierig darauf macht, mehr zu erfahren.

Jai Rebière, Pauline Cormault and Inti Franc-Régis in Soum

Auch in Soum lässt sich die dokumentarische Beobachtung nicht mehr von der Fiktion unterscheiden. Vielmehr steigert sich diese bis zur Überzeichnung, für die sich die drei Hauptfiguren ihre Rollen im wahrsten Sinne des Wortes gebastelt haben, und findet in einer absurden und mit großer Spielfreude hingeworfenen Performance ihren Höhepunkt. Gleichzeitig haben die Gespräche über Herkunft, Spiritualität und Migrationserfahrung, die die drei Protagonist*innen mit ihren Eltern führen, eine ungeschminkte Nähe und Aufrichtigkeit, wie sie meiner Meinung nach nur der Dokumentarfilm herstellen kann. Alice Brygo gelingt es mit diesem eigenwilligen Genremix, dem Lebensgefühl ihrer Generation Ausdruck zu verleihen.

Fast wie ein Pendant dazu fängt Trap Momentaufnahmen des Lebens junger Erwachsener in Russland ein: Gefangen im gesellschaftlichen Drill suchen sie die subversive Kraft der Ekstase. Anastasia Veber verknüpft dabei die Wege ihrer vier Figuren in Bildern von großer physischer Präsenz und Unmittelbarkeit.

Ähnlich wie bei Soum und Trap entscheidet sich auch Starfuckers ab einem bestimmten Punkt, den sicheren Boden des Realismus zu verlassen. Zwei junge Schauspieler rächen sich an einem Regisseur, der zu oft schon mit Sehnsüchten gespielt und seine Macht missbraucht hat. Zu ihrer Waffe wird das, was sie am besten können: Sie schlüpfen von einer Rolle in die nächste. Gekrönt wird das Ganze von einer verstörend brillanten Drag-Performance von Antonio Marziale, dem Autor und Regisseur des Films. Ich bin mir sicher, die Tränen zu Beginn und am Ende des Films sind so echt wie sie künstlich sind.

Den leisen Prozess einer Emanzipation schildert Polen Ly in Chhngai Dach Alai (Further and Further Away). Behutsam beschreibt er, wie ein erwachsenes Geschwisterpaar mit dem Verlust ihrer Heimat und dem Tod der Eltern umgeht. Während es ihn in die große Stadt zieht, einer verheißungsvollen, wirtschaftlich besseren Zukunft entgegen, möchte sie in das überflutete Dorf zurückkehren, weil die Seelen der Eltern noch nicht zur Ruhe gekommen sind. Die Hauptfigur wird von einer Vertreterin der indigenen, im Nordosten Kambodschas angesiedelten Bunong-Bevölkerung gespielt. Auch hinter der Kamera waren überwiegend indigene Crewmitglieder tätig.

Ampangabagat Nin Talakba Ha Likol

Im Introtext des Programmhefts sprichst du von der „radikalen Subjektivität“ der Filmemacher*innen. Was meinst Du damit?

Ich meine damit den inneren Drang, der hinter einem Film steckt: Gibt es etwas, das sich ausdrücken möchte, das einen Weg ans Licht sucht? Oder will der Film mich als Zuschauer*in eher abholen, bedienen und zufriedenstellen? Ich persönlich interessiere mich mehr für die erste Art von Arbeiten und freue mich, wenn die Filmemacher*innen mir den Zugang zu ihrer Welt ermöglichen, selbst wenn ich nicht alles, dem ich dort begegne, verstehe.

Maria Estela Paisos Ampangabagat Nin Talakba Ha Likol (It’s Raining Frogs Outside) ist ein solcher Film. Er ist wie ein Fiebertraum oder ein schwer zu greifender Gefühlsausbruch. Sie selbst sagt dazu: „Solitude isn't new to me. Even before all the dark forces of the world started having a party, I often consciously chose to be alone; however, when I no longer had the choice to be alone and was instead forced into solitude, my comfort zone gradually became uncomfortable.“ Das ganze Interview findet man auch auf dem Berlinale Shorts Blog.

Jon-Jae-Ui Jib (House of Existence) ist ein mit Bleistift gezeichneter Seelenzustand, eine Miniatur, die sich vielleicht am treffendsten mit dem Wort „Melancholie“ beschreiben lässt. Nach Math Test und Love Games ist dies die dritte und auch wieder sehr berührende Arbeit von Joung Yumi bei der Berlinale.

Bird in the Peninsula

Atsushi Wada war ebenfalls bereits bei der Berlinale, sein Animationsfilm Gurehto Rabitto gewann 2012 einen Silbernen Bären. Und auch in Bird in the Peninsula spielt er wieder mit Figuren und Symbolen, die selbst den jungen Held*innen seiner Geschichte Rätsel aufgeben. Sie stehen noch mit einem Bein in der magischen Welt der Kindheit und üben doch mit dem anderen, angeleitet von einem Lehrer, schon die Disziplin des nahenden Erwachsenendaseins ein.

Histoire pour 2 Trompettes ist ein Tanz, ein stürmisches Feuerwerk an Symbolen, Referenzen und Metamorphosen, so schnell, verspielt und charmant, das man gar nicht mehr hinterherkommt und diesen zauberhaften Animationsfilm gleich noch einmal anschauen möchte. Es ist Amandine Meyers erstes filmisches Werk. Sie zeichnet darin ihren Werdegang zur Frau, Mutter und Künstlerin nach.

Raquel Paixão in Manhã de Domingo

Der Weg einer Künstlerin wird auch in Manhã de Domingo (Sunday Morning) erzählt. In diesem Fall ist es eine Pianistin, die sich Schritt für Schritt zurück in ihre Kindheit begibt. Die Begegnungen, die sie im Film hat, fühlen sich an wie Platzhalter für etwas, das sie selbst vor langer Zeit erlebte. Die Unterscheidung zwischen Gegenwart, Erinnerung und Traum ist dabei aufgehoben. Faszinierend ist es auch, ihrem Klavierspiel zu folgen: Sie bietet mehrfach dasselbe Stück dar, das sich jedoch – je nachdem für wen sie spielt – jedes Mal anders anhört. In diesen mit diskreter Kamera und ohne Schnitt gefilmten Momenten hat die Musik eine merkwürdige Unmittelbarkeit, die sich fast noch intensiver anfühlt als bei einem Livekonzert. Zumindest ist es mir so ergangen.

El sembrador de estrellas (The Sower of Stars) von Lois Patiño ist eine zauberhafte und wehmütige Ode an das nächtlichen Funkeln der Großstadt und die endlosen Weite des Sternenhimmels. Der Ton trägt uns unmerklich von einer Gefühlswelt in die nächste, während sich im Dunkel der Nacht magische Räume auftun.

Mars Exalté von Jean-Sébastian Chauvin ist ein Gedicht, das schwer in Worte zu fassen ist. Ich will nur so viel sagen: Der Film ist wie ein Geschenk, denn er gibt dem Sex sein Geheimnis zurück. Es war der erste Film, den wir zu den Berlinale Shorts 2022 eingeladen haben.

Kannst Du uns mehr über euren Auswahlprozess erzählen?

Gerne. Jeder bei uns eingereichte Film wird von mindestens zwei Personen gesehen und dann entweder abgelehnt oder ins Gremium weitergereicht. Das Gremium besteht aus denselben Personen, die auch die Vorauswahl treffen. Das waren in diesem Jahr (in alphabetischer Reihenfolge): Wilhelm Faber (Festivalkoordinator), Azin Feizabadi (Filmemacher und bildender Künstler), Alejo Franzetti (Filmemacher), Maria Morata (Filmtheoretikerin und Kuratorin), Jana Riemann (Programmerin und Filmwissenschaftlerin), Sarah Schlüssel (Programmerin und Kulturarbeiterin), Nihan Sivridag (Kulturarbeiterin), Simone Späni (Produzentin und Kulturarbeiterin) und mir (Filmemacherin und Videokünstlerin). Gemeinsam sehen und diskutieren wir die Filme und letztlich entscheide ich als Sektionsleiterin, in Absprache mit unserem Künstlerischen Leiter, Carlo Chatrian, welche Filme in das Programm aufgenommen werden.

Wen hast Du dieses Jahr in die Internationale Jury der Berlinale Shorts eingeladen?

Payal Kapadia kennt die Berlinale Shorts, weil ihr And What Is the Summer Saying 2018 bei uns Premiere feierte. Ihr Langfilmdebüt A Night of Knowing Nothing ist ein wunderschöner, magischer Film, der sich zwischen Dokumentarfilm und Fiktion bewegt, sehr persönlich aber auch sehr politisch ist und mich tief berührt hat. Bei Rosa Barba faszinieren mich vor allem ihre raumgreifenden Installationen, in denen sie den analogen Film nicht nur als narratives Medium nutzt, sondern auch als konkretes Material verwendet: Aus Zelluloidstreifen, Filmspulen, Loopvorrichtungen, Projektionsmaschinerien und anderen Objekten schafft sie großartige kinetische Skulpturen. Reinhard W. Wolf wiederum hat nicht nur ein scharfes Auge, sondern auch ein unfassbar großes Wissen über die Geschichte und Gegenwart des Kurzfilms wie auch der Videokunst.

Cole Doman und Antonio Marziale in Starfuckers

Wo kann man mehr über die Filme der Berlinale Shorts 2022 erfahren?

Für die „Berlinale Meets: Berlinale Shorts“ haben wir uns diesmal mit den Hauptdarsteller*innen von Four Nights, Starfuckers und By Flávio über das Thema „Being an actor in front and behind the camera“ unterhalten, da sie auch als Co-Autorin, Produzentin oder Regisseur bei den Filmen tätig waren. Ein weiteres Gespräch haben wir mit den Cinematograph*innen von Haulout, Agrilogistics und Will my Parents come to see me über „The art of cinematography“ geführt. Im Rahmen von Berlinale Talents sprechen wir mit den Editoren von Amintiri de pe Frontul de Est , Mars exalté und The Sower of Stars über „Celebrating stillness – how to find the right rhythm in editing“. Alle Gespräche kann man auf der Website der Berlinale finden.

Auf dem Blog der Berlinale Shorts findet man auch in diesem Jahr wieder Texte zu den ausgewählten Filmen und Interviews mit den Regisseur*innen.