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Krieg und Poesie, Schusternägel und Revolution: Die Katastrophe des Ersten Weltkrieges bricht über ein verschlafenes russisches Provinznest herein. In diesem ‚Krähwinkel’ hatte bislang die Schusterwerkstatt ihre Arbeit, die Damen flanierten sonntags am Dorfteich, Russen und auch Deutsche lebten friedlich Tür an Tür. Jetzt müssen die Schustersöhne an die Front und der alte Deutsche sein Haus verlassen. Bald treffen die ersten Kriegsgefangenen ein. Die Schusterstochter lässt sich mit einem ein; Russen prügeln ihn halb tot. Aber der Vater kann ihn brauchen: „Das ist kein Deutscher, sondern ein Schuster!“ Die Soldaten an der Front wollen irgendwann nicht mehr kämpfen, der revolutionäre Funke springt in die Heimat über. Der deutsche und der russische Schuster marschieren vereint.
Mit Augenzwinkern, Melancholie und verhaltenem revolutionären Pathos konnte Regisseur Barnet 1933 als großer Utopist von der Kritik nur Verrisse ernten. Heute begeistern nicht nur sein komödiantisches Talent und die souveräne ‚poetische Montage’. Auch die pazifistisch-internationalistische Sicht auf Weltkrieg und Revolution kann erst jetzt ihre Wirkung entfalten.

Filmkopie: Österreichisches Filmmuseum, Wien

UdSSR 1933/65, 96 Min

von

Boris Barnet

mit

Sergej Komarow
Jelena Kusmina
Robert Erdmann