Berlinale: Programm


Filmdatenblatt

Retrospektive

Ich denke oft an Hawaii

I Often Think of Hawaii

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Carmen ist 16. Ihre Kindheit hat sie in Berlin-Kreuzberg verbracht. Inzwischen lebt sie mit ihrer Mutter Ruth und ihrem Bruder Tito in einem Mehrfamilienhaus am Stadtrand von Berlin. Der Vater, ein US-Soldat aus Puerto Rico, hat die Familie verlassen. An ihn erinnern nur noch „exotische“ Postkarten und seine Schallplattensammlung mit karibischer und hawaiianischer Musik. Die Mutter arbeitet als Putzfrau, Carmen möchte Tänzerin werden. Bedächtig erzählt sie von ihrem Alltag und ihren Träumen. In opulentem Diven-Make-up und schillernden Roben agiert sie ihre Fantasien vor der Kamera aus: „Ich träume von einer großen Liebe“. Inspiriert von der Camp-Ästhetik amerikanischer Underground-Filme zelebriert Elfi Mikesch in ihrem Dokumentarfilm ohne Furcht vor Pathos und Schwulst die „kleinen Fluchten“ eines Teenagers aus der Enge und den Routinen des Alltags. Auf Augenhöhe mit ihrer Protagonistin entwickelt sie auf der Bild- wie auf der Tonebene ihres Films die Vision einer „tropischen“ Gegenwelt zur tristen Unwirtlichkeit der Westberliner Gropiusstadt. Darin erscheinen die in den kleinbürgerlichen Wohnzimmern herrschenden Lebensverhältnisse mit einem Mal veränderbar.

von
Elfi Mikesch

Bundesrepublik Deutschland 1978

Deutsch

Dokumentarische Form
85’ · Farbe & Schwarz-Weiß · 2K DCP

Digital restaurierte Fassung 2018

Altersfreigabe FSK 6

Mit

Carmen Rossol
Ruth Rossol
Tito Rossol

Stab

Regie, Buch
Elfi Mikesch
Kamera
Elfi Mikesch
Montage
Elfi Mikesch, Elfi Tillack
Kostüm
Elfi Mikesch
Produzenten
Elfi Mikesch, Laurens Straub
Redaktion
Maya Faber-Jansen

Biografie

Elfi Mikesch

Geboren 1940 in Judenburg, Österreich. Nach einer Ausbildung zur Fotografin ging sie 1964 nach Berlin. Sie arbeitet als Fotografin, Kamerafrau und Regisseurin. Seit 1976 realisiert sie eigene Spiel- und Dokumentarfilme. Als Kamerafrau war sie für renommierte Regisseure wie Werner Schroeter, Rosa von Praunheim, Monika Treut und Harald Bergmann tätig. Seit 1991 ist sie Mitglied der Akademie der Künste Berlin, Sektion Film- und Medienkunst.

Filmografie (Auswahl)

1978 Ich denke oft an Hawaii; Dokumentarfilm, IFB Forum 1980 Was soll'n wir denn machen ohne den Tod; Dokumentarfilm, IFB Forum 1982 Macumba; IFB Forum 1985 Verführung: Die grausame Frau; Co-Regie: Monika Treut, IFB Forum 1989 Marocain; IFB Forum 1997 Verrückt bleiben, verliebt bleiben; Dokumentarfilm, IFB Panorama 2000 Die Markus Family; Dokumentarfilm, IFB Panorama 2011 Mondo Lux – The world of images of Werner Schroeter; Dokumentarfilm, IFB Panorama · Judenburg findet Stadt; Dokumentarfilm 2014 Fieber

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2019

DCP: Deutsche Kinemathek, Berlin