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Kazoku X

Household X

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Zunächst sind es Nebensächlichkeiten, die einem auffallen: die Art und Weise, wie der Vater in aller Stille das Haus verlässt und die Tür hinter sich abschließt, das zwanghafte Zurechtrücken der Platzdeckchen durch die Mutter und ihre Ahnungslosigkeit über den nächtlichen Aufenthaltsort des Sohnes. Weitere Anzeichen mehren sich: Fressanfälle, Konzentrationsprobleme bei der Arbeit, grundlose Feindseligkeit. Eine zerfallende Familie, die sich nur noch verzweifelt an ihrem Alltag festhält. Bemerkenswert an Yoshida Kōkis Spielfilmdebüt ist dessen Betonung von Symptomen. Anstatt zu diagnostizieren, warum eine Familie sich auseinanderentwickelt, vollzieht Yoshida die unaufhaltsame Entfremdung nach, indem er die Kamera präzise jeder Bewegung der drei beinahe Fremden folgen lässt. Dennoch spielt der Film gleichzeitig auf jene größeren Zusammenhänge an, die den Status quo verursacht haben, eine Gesellschaft nämlich, in der Gespräche lediglich um Wasserspender kreisen, Rentner scheinbar ohne Grund Ladendiebstahl begehen und Worte der Zuneigung spärlich gesät sind. Dieses subtile Verhältnis des Besonderen zum Allgemeinen ist es, aus dem Kazuko X seine Kraft bezieht – als Fallstudie, die anhand einer einzelnen Familie eine größere Sozialmisere untersucht.

Japan 2010, 90 Min

von

Yoshida Koki

mit

Minami Kaho
Taguchi Tomoroo
Kaku Tomahiro

Weltvertrieb

Pia Corporation