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South Main

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SOUTH MAIN

Um die Gewalt auf den Straßen und grassierende Gang-Delikte einzudämmen, beschloss die Stadtverwaltung im Dezember 2004, einen kompletten Wohnblock in South Central Los Angeles zu räumen und abzureißen. Die Bewohner, von staatlicher Unterstützung abhängig und unterhalb der Armutsgrenze lebend, erhielten eine Abfindung und mussten kurzfristig umziehen. Der Film begleitet drei afroamerikanische Frauen, alle allein erziehende Mütter, in ihr Leben am neuen Wohnort. Latisha erzählt, wie ihr Verlobter kurz vor dem Umzug auf dem Nachhauseweg wahllos erschossen wurde. Der Film gibt ihr für das Beschreiben des Unfassbaren zehn Minuten Zeit. Es ist eine Szene von großer Intensität, die die Haltung der Filmemacherin auf den Punkt bringt: da sein, zuhören, Zeit sichtbar vergehen lassen. Kein reißerisches Partizipieren am Ghetto-Mythos, kein Beschwören des „sozialen Pulverfasses“, kein Sozialkitsch, sondern ein teilnehmender, genauer, auf die Frauen konzentrierter Blick. So entstehen präzise, streng kadrierte Bilder, die weder anklagen noch appellieren, sondern einfach: zeigen. Bilder aus der Unterschicht, die von Armut und von prekären Lebensbedingungen an der sozialen Peripherie erzählen. Bilder aus Amerika zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Birgit Kohler

USA 2008, 77 Min

von

Kelly Parker