Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2002

Perspektive Deutsches Kino

28.01.2002:
Neue Reihe Perspektive Deutsches Kino - spannende Aussichten für den deutschen Film

Mit einem Programm von zehn Filmen präsentiert sich auf der Berlinale 2002 erstmals die neue Reihe Perspektive Deutsches Kino. In dieser Sektion werden Teile der bisherigen Programme aufgegriffen, gebündelt und ergänzt, um eine neue Plattform zu schaffen, auf der das deutsche Kino eine eigene Perspektive bekommt. Die Reihe möchte die Besucher des Festivals auf eine Abenteuer- und Entdeckungsreise durch alle Spielarten des deutschen Films einladen - im dokumentarischen, fiktionalen wie experimentellen Bereich.

An zehn aufeinander folgenden Abenden soll ab dem 7. Februar das CinemaxX 1 der Ort sein, an dem sich das Publikum und die Branche einen Überblick über Ideen und Formen für die Zukunft des deutschen Films verschaffen können.

Eröffnet wird die Reihe mit einem ungewöhnlichen Omnibus-Projekt: Unter der künstlerischen Leitung des Schauspielers und Regisseurs Rolf Peter Kahl haben sich zwölf junge deutsche Filmemacherinnen und Filmemacher zusammengefunden, um mit einem symbolischen Budget von jeweils 99 Euro eine kleine Geschichte zu erzählen. Das fertige Produkt heißt folgerichtig 99 Euro-Films und ist ein ebenso abwechslungs- wie aufschlussreiches Kurzfilmprogramm mit Arbeiten von Mark Schlichter, Sebastian Beer, Daniel Petersen, R.P. Kahl, Frieder Schlaich, Michael Klier, Miriam Dehne, Matthias Glasner, Peter Lohmeyer, Esther Gronenborn, Martin Walz und Nicolette Krebitz. Produzent ist übrigens das Filmfest Oldenburg.

Der kürzeste Film des Programms hatte die längste Drehzeit. 80000 Shots von Manfred Walther erzählt die Entstehung des neuen Potsdamer Platzes. Von 1990 bis 2001 hat der Filmemacher mit einer Zeitrafferkamera Menschen, Maschinen und der Geschichte bei der Arbeit zugeschaut. Das Ergebnis ist eine 55minütige Sinfonie in Bildern und Musik (Komponist: Andreas Czeschka).

Die abendfüllenden Spielfilme des Programms bieten eine große thematische und formale Bandbreite. Da stehen sensibel erzählte, inhaltlich originelle Coming-of-Age-Geschichten wie Mutanten von Katalin Gödrös und Fickende Fische von Almut Getto neben einem ungewöhnlichen Road Movie wie Verrückt nach Paris von Eike Besuden und Pago Balke, in dem deutsche Schauspielergrößen wie Corinna Harfouch, Dominique Horvitz oder Hermann Lause mit behinderten Laienakteuren auf eine märchenhafte Reise gehen. Da sind die mit Hingabe gemachten Trash-Filme von Planet B - The Antman von Christoph Gampl und Detective Lovelorn von Thomas Frick – als Double Feature ein unerwartetes Kontrastprogramm zu der deutsch-schweizerischen Koproduktion Happiness Is A Warm Gun von Thomas Imbach. Ein schauspielerischer und inszenatorischer Parforceritt, der sich die Freiheit nimmt, die Geschichte von Gert Bastian und Petra Kelly einfach weiter zu erzählen.

Drei Dokumentarfilme runden das Programm ab und schreiben einen erfreulichen neuen Trend fort - Dokumentationen als Kinoerlebnis. Dabei wirkt Der Glanz von Berlin von Antje Kruska und Judith Keil, das Porträt dreier Putzfrauen aus der Hauptstadt, wie ein großes Melodram, während Absolut Warhola von Stanislaw Mucha Komödien-Qualitäten entwickelt. Mein kleines Kind von Katja Baumgarten schließlich ist die formal strenge, sehr intime Chronik einer schweren persönlichen Entscheidung.

28 Januar 2002