Berlinale: Programm


Filmdatenblatt

Retrospektive

Die Reise nach Lyon

Blind Spot

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Elisabeth, verheiratet mit einem Deutschen und Mutter einer kleinen Tochter, lässt Mann und Kind zuhause zurück, um sich auf die Spuren der Frauenrechtlerin Flora Tristan (1803–1844) zu begeben. Mit dem Zug reist Elisabeth nach Lyon, wo die Frühsozialistin im Jahr vor ihrem Tod eine Union der Arbeiter herbeiführen wollte; 10.000 von ihnen folgten später ihrem Sarg. Die junge französische Historikerin streift allein durch die Straßen und öffentlichen Plätze und nimmt mit einem Diktafon deren Klanglandschaften auf. Sie möchte das Leben der Aktivistin so sinnlich wie möglich rekonstruieren und entdeckt dabei die Stadt als historischen Echoraum: „Vielleicht hätte ich Privatdetektivin werden sollen.“ Bei ihrer Recherche taucht die „Flaneurin“ Elisabeth in unterschiedliche Zeitebenen ein. Ihre Suche nach den Spuren der Geschichte ist ein Versuch, Geschichtsschreibung als Folge subjektiver Erinnerungen zu konstruieren. Inzwischen ist Die Reise nach Lyon selbst ein historisches Dokument: In Kamerafahrten und Stills „inhalierte“ der Film den Arbeiterbezirk La Croix-Rousse, heute das Szene-Viertel Lyons.

von
Claudia von Alemann

Bundesrepublik Deutschland 1980

Deutsch, Französisch

112’ · Farbe · 2K DCP

Digital restaurierte Fassung 2018

Altersfreigabe FSK 6

Mit

Rebecca Pauly
Denise Péron
Jean Badin
Sarah Stern
Maurice Garden
Pierre-Emile Legrand

Stab

Regie, Buch
Claudia von Alemann
Kamera
Hille Sagel
Standfotografie
Abisag Tüllmann
Montage
Monique Dartonne
Musik
Frank Wolff
Ton
Auguste Galli, Alain Champelouvier, Daniel Deshays
Produzent
Claudia von Alemann

Biografie

Claudia von Alemann

Geboren in Seebach,Thüringen. Sie studierte Kunstgeschichte und Soziologie an der FU Berlin und Film an der Hochschule für Gestaltung Ulm. 1968/69 lebte sie in Paris und drehte den Dokumentarfilm Das ist nur der Anfang – der Kampf geht weiter über die Etats Généraux du Cinéma. 1973 organisierte sie mit Helke Sander das 1. Internationale Frauen-Filmfestival im Kino Arsenal. Von 1974 bis 1980 lebte sie erneut in Paris. 1982 Preis der deutschen Filmkritik für Die Reise nach Lyon. 1982–2006 Professorin für Film an der FH Dortmund, Gastprofessuren an Filmhochschulen in Havanna, Cambridge, New York, Boston, Montréal u.a. Ihr Videospielfilm Das Frauenzimmer wurde in zahlreiche Videokunstsammlungen und Museen aufgenommen, u.a. ins MoMa in New York. Sie lebt in Köln und Havanna.

Filmografie

1966 Einfach; Kurzfilm 1967 Exprmntl 4 Knokke; Dokumentarfilm · Fundevogel · Lustgewinn I 1968 Das ist nur der Anfang – der Kampf geht weiter; Dokumentarfilm 1969 Kurzfilmtage Oberhausen; Dokumentarfilm 1970 Kathleen und Eldridge Cleaver; Dokumentarfilm · Das schwache Geschlecht muss stärker werden; Dokumentarfilm 1971 Aus eigener Kraft – Frauen in Vietnam; Dokumentarfilm 1972 Namibia; Dokumentarfilm · Es kommt drauf an, sie zu verändern; Dokumentarfilm 1977 Filme der Sonne und der Nacht: Ariane Mnouchkine; Dokumentarfilm 1978 Die Reise nach Lyon 1981 Das Frauenzimmer · Nebelland 1983 Der Beginn aller Schrecken ist Liebe 1984 Die Tür in der Mauer 1986 Das nächste Jahrhundert wird uns gehören 1989 Nachdenken über Film; Kurzfilm 1990 Lichte Nächte; Dokumentarfilm 1991 November; Kurzfilm · ...wie nächtliche Schatten; Dokumentarfilm 1992 Denny, Ameise und die anderen; Kurzfilm 2015 Die Frau mit der Kamera - Porträt der Fotografin Abisag Tüllmann; Dokumentarfilm

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2019

DCP: Deutsche Kinemathek, Berlin