Vom Aufwachsen weitgehend ohne Eltern erzählt dieser tolle Coming-of-Age-Film, von der komplexen Welt des Erwachsenwerdens, wenn die Erwachsenen nicht da sind. Von Flavia, die selbstbestimmt ist und ein wenig rüde. Flavia, deren Mutter als Pflegerin in Italien arbeitet, der Vater auf dem Bau. Sie hat sich einen gewissen Sarkasmus zugelegt, den sie selbst gegenüber Luca raushängen lässt, mit dem sie cool flirtet, die Anziehung ist stark. Auch Lucas Eltern sind abwesend und die Oma fragil, was ihn quasi zum Erzieher seiner Schwester Tina macht – die wiederum eines Tages zwei weitere Kids mit nach Hause bringt. Bindungsängste und Gefühlsbremsen lockern sich und wie im Jugendbuch formiert sich ganz nebenbei eine selbstgewählte und in viel Freiheit lebende Alternativfamilie, in der kritische Beziehungen und die Sorge füreinander selbstverständlich sind. Getragen von der so präzisen wie leichtfüßigen Kamera Andrei Buticăs und einer atmosphärisch von Pialat und Rohmer inspirierten Regie übernimmt das jugendliche Ensemble die Verantwortung – und das Steuer. Ob Höhlenbesuche im Wald oder Alltag im Plattenbau: hinreißend ist ihre Kraft und Intelligenz, subtil die Dynamik ihres Miteinanders.