Im Nordwesten der Negev-Region, im „Gaza-Gürtel“ liegt das frühere Zuhause der israelischen Dokumentarfilmerin Anat Even, die knapp zwei Wochen nach dem Massaker des 7. Oktober 2023 zurückkehrt, mit ihrer Kamera durch den ausgebrannten Kibbuz Nir Oz streift und in den zwei Folgejahren das Hinterland jenes Zauns abfährt und filmt, der seit Mitte der 1990er Jahre den Gaza-Streifen abriegelt: Während auf ihrer Seite neben Bauern nun Panzer stehen, Trecker Saatrillen ziehen, und Kriegsmaschinerie das Ackerland übersät, werden jenseits des Zauns die Bombardierungen und Detonationen hörbar und sichtbar, die Gaza dem Erdboden gleich machen. Anat Even ist beobachtende Kritikerin, essayistische Kamerafrau. Im nachdenklichen Voiceover und im Dialog nähert sie sich der Wahrheit über das Verhältnis zu Gaza an – ihr eigenes, das anderer. Der Pariser Brieffreund Ariel bricht wegen ethischer Diskrepanz den Kontakt ab, Avichai schildert Israels zerstörerische Militärstrategie, der palästinensische Arzt Ezzideen Shehab appelliert aus Gaza City an die Welt. Ein Film über Wut und Verlust, Entmenschlichung und Diskriminierung, Krieg und Ohnmacht. Ein schmerzhafter Film, der Unmögliches versucht.