Den Besitzer des Cafés in einem traditionellen Viertel von Seoul wird man nicht zu Gesicht bekommen. Man erfährt jedoch, dass er gerne klassische Musik hört. Zu Franz Schubert, Richard Wagner, Jacques Offenbach variiert Hong Sangsoo das wiederkehrende Motiv all seiner Filme, die Begegnung von Frau und Mann.
Ein junges Mädchen wirft einem jungen Mann den Suizid seiner Freundin vor. Wenig später macht sie ihm ein Kompliment. Verlegen schaut er nach unten. Mitten im Gespräch nimmt uns ein Reißschwenk mit an den nächsten Tisch. Hier sitzt eine Frau am Computer, sie greift die Fäden der Dialoge auf und spinnt sie weiter. Ist sie die Autorin der folgenden Beziehungsminaturen, deren Geschichten und Themen sich spiegeln? Manchmal greift die Schreiberin aktiv ins Geschehen ein. Manchmal suchen die Figuren ihren Rat. Auch in diesem Hong-Sangsoo-Film wird Soju, der koreanische Schnaps, auf den Tisch gestellt. In diesem Moment zieht sich die Kamera zurück, fängt ein junges Paar ein, das sich in traditionellen Kostümen mit Handys fotografiert. Resignation oder Neuanfang? Vielleicht muss man im Geschlechterspiel gelegentlich zurückblicken, um voranzukommen.
von Hong Sangsoo
mit Kim Minhee, Jung Jinyoung, Ki Joobong, Seo Younghwa, Kim Saebyuk, Ahn Jaehong, Gong Minjeung
Republik Korea 2018 Koreanisch 66’ Schwarz-Weiß

Mit

  • Kim Minhee (Areum)
  • Jung Jinyoung (Kyungsoo)
  • Ki Joobong (Changsoo)
  • Seo Younghwa (Sunghwa)
  • Kim Saebyuk (Jiyoung)
  • Ahn Jaehong (Hongsoo)
  • Gong Minjeung (Mina)

Stab

Regie, Buch Hong Sangsoo
Kamera Kim Hyungkoo
Montage Son Yeonji
Ton Kim Mir
Produzent*in Hong Sangsoo

Produktion

Jeonwonsa Film Co.

Hong Sangsoo

Geboren 1960 in Seoul, Republik Korea. Er studierte an der Universität Chung-Ang in Seoul, am California College of Arts and Crafts und am Art Institute of Chicago. Seit 1996 realisierte er als Drehbuchautor und Regisseur 27 Filme. Im Wettbewerb der Berlinale war er bereits fünfmal zu Gast, zuletzt 2021 mit Introduction. Zurzeit unterrichtet er an der Universität Konkuk in Seoul.

Filmografie (Auswahl)

1996 Daijiga umule pajinnal (The Day a Pig Fell Into the Well) 1998 Kangwon-do ui him (The Power of Kangwon Province) 2000 Oh soo-jung (Virgin Stripped Bare by Her Bachelors) 2002 Saenghwalui balgyeon (Turning Gate) 2004 Yeojaneun namjaui miraeda (Woman Is the Future of Man) 2005 Geuk jang jeon (A Tale of Cinema) 2006 Haebyuneui Yeoin (Woman on the Beach) 2008 Bam gua nat (Night and Day) 2009 Jal al-ji-do mot-ha-myeon-seo (Like You Know It All) 2010 Hahaha · Ok-hui-ui yeonghwa (Oki’s Movie) 2011 Book-chon-bang-hyang (The Day He Arrives) 2012 Da-reun na-ra-e-seo (In Another Country) 2013 Nugu-ui ttal-do anin haewon (Nobody’s Daughter Haewon) · U ri sunhi (Our Sunhi) 2014 Jayueui onduk (Hill of Freedom) 2015 Jigeumeun matgo geuttaeneun teullida (Right Now, Wrong Then) 2016 Dangsinjasingwa dangsinui geot (Yourself and Yours) 2017 Bamui haebyun-eoseo honja (On the Beach at Night Alone) · Keul-le-eo-ui ka-me-la (Claire’s Camera) · Geu-hu (The Day After) 2018 Pul-lp-Deul (Grass) 2019 Gang-Byun-Ho-Tel (Hotel by the River) · Domangchin yeoja (The Woman Who Ran) 2020 Inteurodeoksyeon (Introduction) 2021 Dangsin-eolgul-apeseo (In Front of your Face) · So-seol-ga-ui yeong-hwa (The Novelist’s Film)

Stand Bio- & Filmografie: Berlinale 2022