Berlinale: Internationale Jury


Preise der Internationalen Jury

Jury-Präsident der Berlinale 2017: Paul Verhoeven

Der niederländische Regisseur und Drehbuchautor Paul Verhoeven wird Jury-Präsident der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

„Mit Paul Verhoeven haben wir einen Regisseur als Jury-Präsidenten, der in den unterschiedlichsten Genres sowohl in Europa als auch in Hollywood gearbeitet hat. In der Bandbreite seines Filmschaffens spiegelt sich seine kreative, vielfältige Verwegenheit und sein Experimentierwillen“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.

Auf der Berlinale stellte der vielfach ausgezeichnete Filmemacher 2013 beim Berlinale Talent Campus (heute Berlinale Talents) auf dem Panel „Follow Your Instincts: Filmmaking According to Paul Verhoeven“ seine Arbeitsweise und seine Sicht auf die US-amerikanische und europäische Produktionslandschaft vor.

Follow Your Instincts: über Mut, Sharon Stone und das Inszenieren von Sex-Szenen

Das komplette Gespräch gibt es hier zu sehen.

Nach einem Mathematik- und Physikstudium wandte sich Paul Verhoeven Mitte der 1960er Jahre dem Film zu und startete seine Regiekarriere 1969 mit der erfolgreichen niederländischen TV-Serie Floris – Der Mann mit dem Schwert. Auf sein Spielfilmdebüt Was sehe ich… Was sehe ich! (1971) über zwei Prostituierte, die von einem bürgerlichen Leben träumen, folgte 1973 der erotisch aufgeladene Thriller Türkische Früchte, der ihm neben großer Popularität auch eine Nominierung als Bester fremdsprachiger Film bei den Oscars 1974 einbrachte. Nach seinem internationalen Durchbruch mit Der Soldat von Oranien (1977) – der für den Golden Globe nominiert wurde - und Der vierte Mann (1983) zog Paul Verhoeven nach Hollywood, um sich einem stilistischen Wandel in seiner Arbeit zuzuwenden.

Mit actionreichen Großproduktionen wie RoboCop (1987) und insbesondere Total Recall – Die totale Erinnerung (1990), beides gegenwartskritische Reflexionen der Zukunft, feierte Paul Verhoeven beeindruckende Box-Office-Hits, revolutionierte das Science-Fiction-Genre und blieb sich dabei als Autorenfilmer treu.

Mit dem provokanten Erotikthriller Basic Instinct (1992) kehrte er zu Themen seiner niederländischen Filme zurück. Basic Instinct machte Sharon Stone zum Star und erhielt zwei Oscar-Nominierungen. 1997 wandte sich Verhoeven mit Starship Troopers erneut dem Science-Fiction-Genre zu, im Jahr 2000 folgte der Sci-Fi-Horrorfilm Hollow Man – Unsichtbare Gefahr.

Nach nahezu 20 Jahren verließ Paul Verhoeven Hollywood und ging 2006 in die Niederlande zurück, um Black Book (2006) zu drehen, der auf der Geschichte einer niederländischen Widerstandskämpferin während des Zweiten Weltkrieges basiert.

Ab 2007 widmete sich Verhoeven mehr dem Schreiben und feierte erst 2016 mit der französisch-deutschen Produktion Elle sein Comeback. Darin führt Paul Verhoeven seine Themen auf überraschende Weise fort. Isabelle Huppert spielt eine Frau, die durch sado-masochistische Abgründe wandelt und dabei ein Kindheitstrauma überwindet.

Elle (deutscher Kinostart: 2. Februar 2017) ist in drei Kategorien für die European Film Awards 2016 sowie in zwei Kategorien für die US-amerikanischen Critics‘ Choice Awards nominiert.

Die Preise

Die bedeutendsten Preise der Berlinale sind der Goldene Bär und die Silbernen Bären. Sie werden von der Internationalen Jury unter den Beiträgen des Wettbewerbs verliehen und zählen zu den renommiertesten Auszeichnungen der Filmwelt.

Die Internationale Jury wird jedes Jahr von der Festivaldirektion berufen und vergibt folgende Preise:

  • Goldener Bär für den Besten Film (für den Produzenten)
  • Silberner Bär Großer Preis der Jury
  • Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet
  • Silberner Bär für die Beste Regie
  • Silberner Bär für die Beste Darstellerin
  • Silberner Bär für den Besten Darsteller
  • Silberner Bär für das Beste Drehbuch
  • Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design

International anerkannte Persönlichkeiten der Filmbranche wie James Schamus, Wong Kar Wai, Mike Leigh, Isabella Rossellini, Werner Herzog, Tilda Swinton, Darren Aronofsky und Meryl Streep sind in den letzten Jahren der Einladung von Festivaldirektor Dieter Kosslick gefolgt und übernahmen den Vorsitz der siebenköpfigen Jury. Unter den Jurymitgliedern sind prominente Regisseur*innen, Schauspieler*innen und Produzent*innen, aber auch bekannte Schriftsteller*innen und Kunstschaffende. In mehreren Sitzungen wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit unabhängig über die Preise entschieden. Den feierlichen Höhepunkt einer jeden Berlinale markiert die Vergabe der Bären am vorletzten Festivaltag.

Der Goldene Bär


Die Bären-Trophäen sind nach einer Vorlage der Bildhauerin Renée Sintenis (1888-1965) gestaltet. Seit der Gründung des Festivals werden sie von der Berliner Gießerei Noack hergestellt. Das Wappentier der Hauptstadt ziert auch das Berlinale-Logo.