Berlinale: Preise Generation


Preise und Jurys in der Sektion Generation

Die Jurymitglieder dieser Sektion sind nicht älter als das Publikum im Kino. Elf Kinder und sieben Jugendliche ehren die besten Filme mit den Gläsernen Bären. Lobende Erwähnungen werden für besondere Leistungen vergeben. Zwei Internationale Jurys vergeben zudem Preise in den Wettbewerben Generation Kplus und Generation 14plus.

Preise der Kinderjury im Wettbewerb Generation Kplus

Piata loď, Amelie rennt, Promise, Hedgehog's Home

Die Mitglieder der Kinderjury Generation Kplus - Kay Arend, Antonie Beckmann, Laurentius Fritz, Ilja Gavrylov, Ida Kirschning, Louis Lemperle-McGrath, Emilia Schmidt, Lea Schönfeldt, Ben Trabhardt, Till Trabhardt, Pina Zehnpfennig - vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film: Piata loď (Das fünfte Schiff)
Von Iveta Grófová, Slowakische Republik / Tschechische Republik 2017
Wir haben einen Film ausgewählt, der kreativ und authentisch ist. Es geht um zwei Kinder, die sich ihre eigene kleine Welt ohne Regeln aufbauen. Die Geschichte hat uns sehr berührt. Die Schauspieler haben uns auch überzeugt.

Lobende Erwähnung: Amelie rennt
Von Tobias Wiemann, Deutschland / Italien 2017
Der Film beschreibt in einer witzigen Art und Weise und mit turbulenten Dialogen die Entwicklung einer zuerst völlig undenkbaren Freundschaft zweier interessanter Charaktere.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm: Promise (Versprechen)
Von Xie Tian, USA 2016
In einer beeindruckenden Landschaft erzählt der Film die berührende Geschichte eines Chinesischen Jungen. Durch die gelungene Kameraführung und einen überzeugenden Hauptdarsteller wirkt der Film sehr authentisch.

Lobende Erwähnung: Hedgehog's Home (Das Haus des Igels)
Von Eva Cvijanovic, Kanada / Kroatien 2016
Die Aussage des Films, dass das eigene Zuhause sehr wichtig ist, wurde durch die kreative Verwendung von Filz hervorragend unterstützt. Auch hat uns in diesem Stopmotionfilm die besondere Erzählung in Versform beeindruckt.

Preise der Internationalen Jury von Generation Kplus

Becoming Who I Was, Estiu 1993, Aaba, Sabaku

Die Mitglieder der Internationalen Jury Generation Kplus - Fabian Gasmia, Aneta Ozorek, Yoon Ga-eun - vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Film, im Wert von € 7.500, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk:

Becoming Who I Was (Werden wer ich war)
Von Chang-Yong Moon, Jin Jeon, Republik Korea 2017
In dieser wunderschön gefilmten Erzählung erfahren wir auf eine bittersüße Art und Weise, wie viel Eltern und Kinder voneinander lernen können. Den Filmemachern ist das Schwierigste gelungen: Das Publikum viele Male zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Der Film vermittelte der Jury Zuversicht in die Menschlichkeit und sollten die Werte des jungen Helden dieser Geschichte auch nur ein klein wenig von dessen Publikum reflektiert werden, könnte die Welt ein besserer Ort werden.

ex aequo

Estiu 1993 (Sommer 1993)
Von Carla Simón, Spanien 2017
In diesem eindrucksvollen Film, lernen wir durch die Augen eines kleinen Mädchens mit Verlust umzugehen. Was dieser bemerkenswerten Heldin widerfährt und was uns zu Tränen berührt hat, ist dass, wie sehr es auch wehtun mag, es die bedingungslose Liebe der Menschen um dich herum ist, die deine Schmerzen mildern vermag. Neben der herausragenden Darbietung der jungen Hauptdarstellerin, war die Jury außerdem sehr beeindruckt von der wunderschönen Kameraarbeit und sinnlichen mise-en-scène.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Kurzfilm, im Wert von € 2.500, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk: Aaba (Großvater)
Von Amar Kaushik, Indien 2016
In ruhigen, elegischen Bildern, mit einer wunderschönen Kameraarbeit erzählt dieser Film eine Geschichte vom Kreislauf des Lebens.

Lobende Erwähnung: Sabaku
Von Marlies van der Wel, Niederlande 2016
Unter dem simplen, doch zugleich sehr effizienten Einsatz bemerkenswert künstlerischer Animationstechniken erzählt dieser sehr kurze Film die Geschichte eines Vogels, der um die Welt reist, um einen neuen Freund zu finden. Die Jury war beeindruckt vom Rhythmus und der unglaublichen Freude der Filmemacherin daran ihr Publikum zu unterhalten.

Aneta Ozorek, Yoon Ga-eun und Fabian Gasmia

Aneta Ozorek
Aneta Ozorek aus Polen ist Festivalprogrammerin, Produzentin und Filmpädagogin. Derzeit ist sie Programmerin beim Kino w Trampkach (Cinema in Sneakers) in Warschau.

Yoon Ga-eun
Die koreanische Regisseurin gewann 2014 bei Generation Kplus den Gläsernen Bären für ihren Kurzfilm Sprout, 2016 feierte sie mit Woorideul (The World of Us) ihr Langfilmdebüt ebenfalls bei Generation Kplus.

Fabian Gasmia
Fabian Gasmia aus Deutschland ist Produzent und Mitbegründer von DETAiLFILM. Er hat Filme wie Nashorn im Galopp (R: Erik Schmitt, Generation 2013), Berlin Metanoia (R: Erik Schmitt, Generation 2016) und den Gewinner des Silbernen Bären 2016 L’avenir (Things to Come, R: Mia Hansen-Løve 2016) co-produziert.

Preise der Jugendjury im Wettbewerb Generation 14plus

Butterfly Kisses, Ceux qui font les révolutions à moitié n'ont fait que se creuser un tombeau, Wolfe, SNIP

Die Mitglieder der Jugendjury Generation 14plus - Rosa Ehrlich, Oscar R. Franck, Hannah Kähler, Luka Kowalewsky, Marie Kühn, Quinten Samrotzki, Rosa Schaefer Bastian - vergeben die folgenden Preise:

Gläserner Bär für den Besten Film: Butterfly Kisses
Von Rafael Kapelinski, 2017, Großbritannien
Getrieben vom Rhythmus kraftvoller Bild- und Musikkompositionen nährt dieser Film in uns einen beängstigenden Verdacht. Ohne simple Schuldzuweisungen vorzunehmen, konfrontiert er uns mit einem brisanten Thema, zu dem unsere Gesellschaft noch keinen Umgang gefunden hat. Die differenzierten Charakterisierungen ermöglichen, für die Situationen der Protagonisten tiefes Mitgefühl zu entwickeln. Von den ersten rauschhaften Bildern an macht es dieses aufwühlende Spielfilmdebüt unmöglich, seinem Bann zu entkommen und lässt in seiner Wirkung nicht nach.

Lobende Erwähnung: Ceux qui font les révolutions à moitié n'ont fait que se creuser un tombeau
Von Mathieu Denis, Simon Lavoie, 2016, Kanada
Mit Mut zum Epos wird eine destruktive Gruppendynamik präzise porträtiert. Schonungslos lässt der Film alle Hüllen fallen und entfaltet seine hypnotisierende Wirkung. Zeitgenössisches Bildmaterial, fiktionale Lebensgeschichten und Performances verschmelzen zu einem so verstörenden wie aufrüttelnden Gesamtkunstwerk.

Gläserner Bär für den Besten Kurzfilm: Wolfe
Von Claire Randall, 2016, Australien
Durch die pure Erzählweise und die Behutsamkeit im Umgang mit einem sensiblen Thema gelingt diesem dokumentarischen Film die Entmystifizierung eines Tabus, ohne dabei zu beschönigen oder zu werten. Beeindruckend ehrlich und intim legt der Protagonist seine Erfahrungen mit einer psychischen Erkrankung offen, unterstützt durch liebevoll animierte Erinnerungssequenzen. Wir sind dankbar dafür, sachlich informiert wie auch zutiefst berührt worden zu sein.

Lobende Erwähnung: SNIP
Von Terril Calder, 2016, Kanada
Der Film begibt sich auf die Reise in ein schmerzvolles Kapitel einer Landesgeschichte. Das Aufeinandertreffen variierender Animationsstile lässt dieses zu wenig beachtete Thema unter die Haut gehen. Wir danken dem Regisseur für die unkonventionelle Art, unserer Generation für unseren Weg in die Zukunft mehr Wachsamkeit für die Vergangenheit mitzugeben.

Preise der Internationalen Jury von Generation 14plus

Shkola nomer 3, Ben Niao, The Jungle Knows You Better Than You Do, U Plavetnilo

Die Mitglieder der Generation 14plus Internationalen Jury - Benjamin Cantu, Roberto Doveris, Jennifer Reeder - vergeben die folgenden Preise:

Großer Preis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Film, im Wert von € 7.500, gestiftet von der Bundeszentrale für Politische Bildung: Shkola nomer 3
Von Yelizaveta Smith, Georg Genoux, 2016, Ukraine / Deutschland
Wir vergeben den Grand Prix an einen Film, der sich langsam entfaltete, indem er das Publikum durch Details und persönliche Stellungsnahmen aus der Perspektive seiner Protagonisten miteinbezog. Eine Darstellung, die ein weites Maß an Zärtlichkeit, Trauma und sogar Banalität und Humor liefert. Er nähert sich einfühlsam und ist zugleich direkt in seiner Form - ohne Bevormundung oder Überheblichkeit. Wir bewundern die Zusammenarbeit zwischen Regisseur, Kamerafrau und Protagonisten und wie sie es schaffen, einen Raum des Vertrauens aufzubauen. Dieser Film lässt dem Narrativ des Krieges keine Überhand gegenüber der emotionalen Welt seiner jungen Charaktere gewinnen, die uns erlauben, Zugang zu den innigsten und intimsten Details ihres Lebens zu erhalten

Lobende Erwähnung: Ben Niao
Von Huang Ji, Ryuji Otsuka, 2017, Volksrepublik China
Unsere Lobende Erwähnung geht an einen Film, der uns durch sein Mysterium verfolgt hat und mit der Art wie er über menschliche Beziehungen spricht, die sich ihren Weg durch losgelöste moderne Kommunikationsmittel bahnen. Was diesen Film herausstechen lässt, sind die sorgfältig konstruierten Auslassungen und die bemerkenswerte Darbietung der jungen Schauspielerin Yao Honggui aus China.

Spezialpreis der Internationalen Jury von Generation 14plus für den Besten Kurzfilm, im Wert von € 2.500, gestiftet von der Bundeszentrale für Politische Bildung: The Jungle Knows You Better Than You Do
Von Juanita Onzaga , 2016, Belgien / Kolumbien
Wir vergeben den Spezialpreis für den Besten Kurzfilm an einen Film mit einem hybriden Zugang zum Autobiographischen. Ein Film, der um Vergangenheit und Gegenwart kreist und zugleich einen intuitiven Weg findet, uns einen Charakter zu zeigen, der kaum näher an der Filmemacherin selbst sein könnte.

Lobende Erwähnung: U Plavetnilo
Von Antoneta Alamat Kusijanović, 2017, Kroatien / Slowenien / Schweden
Die Lobende Erwähnung geht an einen Film, der die Komplexität des Erwachsenwerdens aufzeigt, während seine vier Charaktere sich mit ihren Erwartungen und Sehnsüchten gegenüber einer dramatischen Küstenlandschaft konfrontiert sehen.

Benjamin Cantu, Jennifer Reeder und Roberto Doveris

Benjamin Cantu
Der deutsch-ungarische Regisseur lebt in Berlin und Budapest. Sein Spielfilmdebüt Stadt Land Fluss feierte 2011 seine Weltpremiere bei Generation. Gleichzeitig umfasst sein journalistisches Schaffen u.a. eine preisgekrönte Dokumentation für ARTE/rbb, The Berlin Patient aus dem Jahr 2013, die sich mit HIV auseinandersetzt.

Jennifer Reeder
Die preisgekrönte, US-amerikanische Regisseurin war 2016 mit Crystal Lake im Kurzfilmwettbewerb von Generation 14plus vertreten. 2015 präsentierte sie Blood Below the Skin bei den Berlinale Shorts. Darüber hinaus wurden ihre Filme im Rahmen der Venedig Biennale und Whitney Biennial gezeigt.

Roberto Doveris
Der chilenische Filmemacher wurde für seinen Debütfilm Las plantas 2016 bei Generation mit dem Großen Preis der Internationalen Jury sowie der Lobenden Erwähnung der Jugendjury ausgezeichnet. Er war Chefredakteur bei CinemaChile, einer Agentur zur Förderung des chilenischen Kinos und leitet derzeit seine eigene Firma Niña Niño Films.

Nach jeder Vorführung bei Generation werden Fragebögen verteilt. Die Bögen bieten die Möglichkeit, sich über die gesehenen Filme Gedanken zu machen und die eigene Meinung aufzuschreiben. Wer seinen Filmfragebogen nicht gleich im Kino abgeben möchte, kann ihn in Ruhe zu Hause ausfüllen und bis einen Monat nach dem Festival per Post an Generation schicken.

Rund 1.500 Zuschauer*innen geben jährlich ihren Filmfragebogen ab. Wer offen, ehrlich und spannend über sein Filmerlebnis schreibt, hat die Chance, im folgenden Jahr selbst über die Vergabe der Gläsernen Bären zu entscheiden. In die Kinderjury können nur Kinder berufen werden, die zum folgenden Festival zwischen elf und 14 Jahren sein werden. Die Mitglieder der Jugendjury sind mindestens 14 und höchstens 18 Jahre alt.

Die Fragebögen werden auch an die Macher der teilnehmenden Filme weitergeleitet. So erfährt jeder Filmschaffende aus erster Hand, wie sein Film beim Berliner Publikum angekommen ist.