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Pressemitteilungen 69. Berlinale

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05.07.2018:
Die Berlinale trauert um Claude Lanzmann

Der französische Regisseur und Autor Claude Lanzmann ist verstorben.

„Claude Lanzmann war einer der großen Dokumentaristen. In seiner Darstellung von Unmenschlichkeit und Gewalt, von Antisemitismus und seinen Folgen hat er eine neue filmische wie ethische Auseinandersetzung geschaffen. Wir trauern um eine bedeutende Persönlichkeit des politisch-geistigen Lebens unserer Zeit“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.

Claude Lanzmanns Film Shoah (1985) ist als epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur in die Filmgeschichte eingegangen. Der neuneinhalbstündige Dokumentarfilm über den Völkermord an den europäischen Juden wurde unter anderem 1986 im Forum der Berlinale gezeigt und mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.

1925 als Sohn jüdischer Eltern in Paris geboren, kämpfte Claude Lanzmann in der Résistance, studierte in Frankreich und Deutschland Philosophie und hatte 1948/49 eine Dozentur an der neugegründeten Freien Universität Berlin inne. Seine Auseinandersetzung mit der Shoah, dem Antisemitismus und den politischen Freiheitskämpfen durchziehen sein filmisches wie journalistisches Schaffen.

1972 entstand seine erste filmische Arbeit, die Dokumentation Pourquoi Israël (Warum Israel, Frankreich 1973), in der er die Notwendigkeit der Staatsgründung Israels aus jüdischer Perspektive darstellt. In dem Film Tsahal, der 1995 im Berlinale-Forum lief, porträtiert er Frauen und Männer, die in der israelischen Armee dienen. Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures (Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr, Frankreich 2001) über den Aufstand im Vernichtungslager Sobibor in Polen wurde 2002 ebenfalls im Berlinale-Forum vorgestellt.

Die Berlinale hat Claude Lanzmann 2013 mit einer Hommage geehrt und ihm den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk verliehen.


Presseabteilung
05.07.2018

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