Artistic Director's Blog

Journal

Das Programm eines Festivals ist viel mehr als eine – hoffentlich – stimmige Zusammenstellung von Filmen – es ist das Ergebnis eines ganzen Jahres voller Arbeit, Treffen, Reisen, voller unerwarteter und plötzlicher Eindrücke. Während des Auswahlprozesses fehlt die Gelegenheit, das dabei Erlebte zur Sprache zu bringen. Jedoch wird mir immer deutlicher bewusst, wie wichtig dieser unsichtbare Teil der Arbeit ist, der sich vor und während der Sichtungen von Filmen abspielt.

Sich einen Raum zu bewahren, in dem man nicht gezwungen ist, unmittelbar auf die empfangenen Reize zu antworten – wie es im Auswahlprozess der Fall ist – ist nicht nur gesund, sondern essenziell, um ein Programm zusammenzustellen, das in den elf Festivaltagen nicht einfach nur konsumiert (und vergessen) wird, sondern in den Köpfen und Körpern der Zuschauer*innen nachklingt. Das Verfassen dieser kurzen Notizen, ein Journal zu schreiben, das die kommenden Monate festhält, ist der Versuch, den hektischen Strom der Zeit und der Auswahlsichtungen zu unterbrechen und eine persönliche Antwort zu geben auf die Rauchzeichen, die meine Aufmerksamkeit erregt haben. In vielen Fällen haben sie keine direkte Verbindung zum Berlinale-Programm. Dennoch arbeiten sie diesem Programm zu, indem sie Vergangenes vergegenwärtigen oder Kommendes ankündigen.

Carlo Chatrian ist der Künstlerische Leiter der Berlinale. In seinen Texten reflektiert und beschreibt er seine Reise zum Festivalprogramm und nähert sich der Geschichte der Berlinale auf persönliche Art und Weise.

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@ Nurith Wagner-Strauss @ Nurith Wagner-Strauss

…durch die Jahre

…durch die Jahre will keine Geschichte der Berlinale sein, eher eine Sammlung von Gedanken, die für sich stehen und kein bestimmtes Ziel haben. Die Idee des Projektes ist relativ einfach: Es soll von den Berlinale-Jahren erzählen, die ich nicht als Zuschauer erlebt habe, indem hier sieben Filme besprochen werden, die nach ihrem Festival-Screening ihren Weg in meinen Winkel der Erde gefunden und mich in ihren Bann gezogen haben.

Bis zum Jahresende wird jeden Freitag ein neuer Text veröffentlicht werden.

© Erika Rabau © Erika Rabau
© Erika Rabau © Erika Rabau
Über Hitchcocks Film von 1951

Rebecca. Shadows from the Past.

Rebecca kam zehn Jahre nach dem Kinostart zur Berlinale. In diesen zehn Jahren war viel passiert, und obwohl das Kino schon immer – zumal im Nachkriegsberlin – eine unterhaltsame Möglichkeit war, der Gegenwart zu entfliehen, dürfte dieser Krimi, der mit der Fahrt zu einem ehemals prachtvollen und nun in Trümmern liegenden Landschloss beginnt, seine Wirkung auf das Publikum der ersten Berliner Filmfestspiele nicht verfehlt haben...