Kompass-Perspektive-Preis & Kompagnon-Förderpreis

Der Kompass-Perspektive-Preis wird an den besten Film aus dem aktuellen Programm der Perspektive Deutsches Kino vergeben. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Als Trophäe bekommt der/die Regisseur*in einen Kompass überreicht.
Die Verleihung des Kompass-Perspektive-Preises soll während des Berlinale Summer Special im Juni stattfinden.

Gemeinsam vergeben Perspektive Deutsches Kino und Berlinale Talents jährlich den Kompagnon–Förderpreis. Teilnahmeberechtigt sind Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen eines Kurz- oder Langfilms aus dem jeweils letzten Jahrgang der Perspektive Deutsches Kino sowie dauerhaft in Deutschland lebende Teilnehmende der „Script Station“, „Doc Station“ oder „Short Film Station“ der aktuellen Edition von Berlinale Talents.

Eine dreiköpfige Jury wählt jeweils eine*n Gewinner*in von Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino aus. Neben einem Stipendium von 5.000 Euro (2.500 Euro für Kurzfilme) zur unabhängigen Drehbuch- bzw. Projektentwicklung bietet der „Kompagnon“ ein Mentorenprogramm zur Stärkung der künstlerischen Handschrift, berufsbegleitende Coachings sowie die bessere Vernetzung mit der Branche.

Gewinner*innen Kompagnon-Förderpreise 2021

Eliza Petkova

Der Arbeiter

von Eliza Petkova (Perspektive Deutsches Kino 2020 mit Ein Fisch, der auf dem Rücken schwimmt)

Die Begründung der Jury im Wortlaut:
Der Arbeiter Georgi aus Bulgarien möchte seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen. Nach einem Unfall in seiner Heimat folgt er einem Glücksversprechen des westlichen Europas und kommt alleine nach Berlin. Doch ist Wohlstand dort nicht für alle vorgesehen und er findet sich in einer gesetzlosen Grauzone wieder, die von Ausbeutung, Illegalität, Wohnungslosigkeit und Formen moderner Sklaverei geprägt ist. So wie der Protagonist im Laufe des Films ein Bild von sich selbst erfindet, um seiner Familie und nicht zuletzt sich selbst Erfolg vorzuspielen, entwirft Eliza Petkova in ihrem Spielfilm ein Abbild der ökonomischen und sozialen Konflikte unserer Zeit. Georgis subjektive Wahrnehmung und seine abweichende Selbstdarstellung schaffen eine moderne Hochstaplerfigur, die sich zwischen ihrer Erfahrung des Fremdseins, Zukunftsträumen und den harschen Umständen bewegt. Der Kompagnon-Förderpreis geht an ein Projekt, das sichtbar macht, was das herrschende System verschleiert.

Jonas Matauschek und Christian Johannes Koch

Wir waren Kumpel

von Jonas Matauschek (Berlinale Talents 2021) und Christian Johannes Koch

Die Begründung der Jury im Wortlaut:
Wir waren Kumpel erzählt von einem Paradigmenwechsel und holt die Gegenwart ins Bergwerk. Vor dem Hintergrund der Schließung der letzten Steinkohlenzeche in Deutschland will dieser künstlerische Dokumentarfilm Veränderungen und Aufbruch anhand einer trans* Bergfrau und diverser Bergmänner aufzeigen: Nicht nur ist die Arbeitswelt des Bergbaus als Folge der Klimapolitik im Begriff zu verschwinden, auch das Selbstverständnis von Gender und Rollenbildern ist im Wandel. Wie sehen Männlichkeiten heute aus und wie werden sie gestaltet? Im Zusammenspiel von großen Arrangements in Kinobildern und enger dokumentarischer Begleitung der Protagonist*innen wird die Neuerfindung der Figuren und ihr Umgang mit der Krise nachgezeichnet. Neben diesem Abgesang auf eine alte Männlichkeit wird die Aufmerksamkeit auch auf den Niedergang der Industrie gerichtet. Wir sind gespannt auf einen Film, der auf vielschichtige Weise intime Einblicke mit strukturellen Fragen verknüpft.

Die Jury 2021

Lili Hering

Studium der Filmwissenschaft, Anthropologie und des Kulturjournalismus in Wien, Berlin und Istanbul. Vor, während und nach dem Studium Arbeit an Theatern, auf Filmfestivals, in Kulturinstitutionen und im Journalismus. Lili Hering war unter anderem tätig als Programmassistentin von ALFILM, dem Arabischen Filmfestival Berlin, im Jugendbeirat des Filmfestival Locarno, in der Cinémathèque de Tanger, bei den Berliner Festspielen, als Volunteer, Jurymitglied, Gästebetreuerin, Schauspielerin, Kritikerin und Übersetzerin. Teilnahme an verschiedenen Förderprogrammen wie der Critics Academy in Locarno, dem „Theatertreffen-Blog“, Berlinale Talents und der Akademie für Theaterjournalismus. Sie schreibt als freie Autorin über zeitgenössische Kultur und Gesellschaft für „ZEIT“, „ZEIT ONLINE“, „FAZ“, „DER STANDARD“, „Spex“, „Missy Magazine“, „Indiekino“ und weitere Publikationen.

Claudia Lehmann

Claudia Lehmann ist promovierte Physikerin, Filmemacherin und Videokünstlerin. In ihrer filmischen Arbeit, die von Dokumentar- bis Spielfilm, Musik- bis Kunstvideo, Installation bis Performance reicht, ist sie immer auf der Suche nach neuen Formen und Formaten. Nicht selten geht es um Wahrnehmung, Wirklichkeit oder die Untersuchung von Systemen oder Systemischem. Ihre Filme Memoryeffekt und Hans im Glück hatten Premiere in der Perspektive Deutsches Kino. Mit X-Filme Creative Pool realisierte sie die Juli-Zeh-Adaption Schilf. Außerdem entwickelt sie visuelle Konzepte, Videobühnenbilder und eigenwillige Live-Video-Performances und arbeitete im Zuge dessen u.a. am Deutschen Theater, den Münchner Kammerspielen, der Ruhrtriennale, dem Schauspielhaus Zürich, der Opera Comique in Paris oder den Norske Opera in Oslo. Gemeinsam mit dem bildenden Künstler und Komponisten Konrad Hempel gründete sie das Institut für Experimentelle Angelegenheiten, kurz IXA. Mit Tamtam Film produzierten und realisierten sie zum Beispiel den Dokumentarfilm Die Sinfonie der Ungewissheit. Claudia Lehmann war Gastprofessorin für Digitale Medien an der weißensee kunsthochschule berlin und ist seit 2019 Professorin für Filmkunst am Mozarteum Salzburg. Sie spielt und singt bei „Hands-up Excitement“ und den „Elementarstrategien“.

Simon Dat Vu

Als Sohn eines vietnamesischen Ingenieurs und einer schwäbischen Lehrerin ist Simon schon früh fasziniert vom Kino als Ort der Verschmelzung von Fantasie und Technologie. Während seines Studiums der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim wächst sein Interesse an der Kinematografie. Daraufhin studiert er Bildgestaltung / Kamera an der Filmakademie Baden-Württemberg und der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Dabei reicht seine ästhetische Spannbreite von Science-Fiction – wie in seinem Abschlussspielfilm Wir sind die Flut, der in der Perspektive Deutsches Kino Premiere feierte und für den er für den Michael-Ballhaus-Preis für Kameraabsolvent*innen nominiert wurde – über Musikvideos, halb-dokumentarische Experimentalfilme wie Bermuda bis hin zu Spielfilmen wie Futur Drei, für dessen Vermengung von dokumentarischer und überinszenierter Bildsprache er für den Deutschen Kamerapreis für Kinofilme nominiert wurde.