Kompass-Perspektive-Preis & Kompagnon-Förderpreis

Der Kompass-Perspektive-Preis wird an den besten Film aus dem aktuellen Programm der Perspektive Deutsches Kino vergeben. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Als Trophäe bekommt der/die Regisseur*in einen Kompass überreicht.

Gemeinsam vergeben Perspektive Deutsches Kino und Berlinale Talents jährlich den Kompagnon–Förderpreis. Teilnahmeberechtigt sind Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen eines Kurz- oder Langfilms aus dem jeweils letzten Jahrgang der Perspektive Deutsches Kino sowie dauerhaft in Deutschland lebende Teilnehmende der „Script Station“, „Doc Station“ oder „Short Film Station“ der aktuellen Edition von Berlinale Talents.

Eine dreiköpfige Jury wählt jeweils eine*n Gewinner*in von Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino aus. Neben einem Stipendium von 5.000 Euro (2.500 Euro für Kurzfilme) zur unabhängigen Drehbuch- bzw. Projektentwicklung bietet der „Kompagnon“ ein Mentorenprogramm zur Stärkung der künstlerischen Handschrift, berufsbegleitende Coachings sowie die bessere Vernetzung mit der Branche.

Gewinner Kompass-Perspektive-Preis 2020

Walchensee Forever von Janna Ji Wonders

Die Jurybegründung im Wortlaut:

Dieser Film ist ein Kristall. Je länger man ihn betrachtet, desto mehr erkennt man neue Facetten. Über fünf Generationen hinweg portraitiert er die Frauen einer Familie in Bayern. Ergänzt von herausragendem Material aus dem privaten Archiv der Familie berichten die Protagonistinnen aufrichtig, klug und direkt in die Kamera. Aus diesen Einzelgeschichten entsteht ein Gesamtbild privaten Lebens im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert. Dabei bleibt das Erzählte immer persönlich und individuell und entwickelt nicht zuletzt durch die uneitle Haltung der Filmemacherin und ihrer Protagonistinnen eine überwältigende Wucht. Klug montiert, klar gefilmt und mit Herzenswärme erzählt und produziert, hören und sehen wir Apa, Norma, Anna, Frauke und Janna zu. Stiller Chronist ist der Walchensee, der ihre Leben verbindet.

Gewinner Kompagnon-Förderpreise 2020

111 von Hristiana Raykova (Perspektive Deutsches Kino 2019)

Die Begründung der Jury im Wortlaut:
Was sind wir bereit für unsere Freiheiten aufzugeben? Die bulgarische Journalistin Miroluba Benatova konnte die neuen Bedingungen ihres Nachrichtensenders nicht mehr akzeptieren. Sie begab sich freiwillig in die prekäre Situation als Taxifahrerin, um weiterhin die Geschichten der Menschen ihres Landes zu erzählen. Die Regisseurin Hristiana Raykova begleitet Miroluba Benatova auf ihren Fahrten. Die Fahrgäste werden zum Spiegelbild einer Gesellschaft, in einem Land, das den 111ten Platz in der Welt und den letzten Platz in der EU auf der Rangliste der Pressefreiheit belegt. Um den Mut und die Entschlossenheit dieser klugen Rebellion eine Form zu geben, möchten wir den Film 111 von Hristiana Raykova mit dem Kompagnon-Preis auszeichnen.

Arctic Link von Ian Purnell (Berlinale Talents 2020)

Die Begründung der Jury im Wortlaut:
Arctic Link von Ian Purnell ist ein hybrider Dokumentarfilm und visueller Essay. In der Arktis ist ein Schiff unterwegs. Es wird das längste Glasfaserkabel unter dem ewigen Eis verlegen, um die Welt mit einem schnelleren Internet zu versorgen. Dies ist nur aufgrund des Klimawandels möglich. Der hybride Dokumentarfilm Arctic Link von Ian Purnell verbindet die Geschichten der Menschen auf dem Schiff mit der Lebenswirklichkeit in einem arktischen Dorf und virtuellen Liebesgeschichten. Er setzt menschliche Sehnsüchte in Relation zu den nicht mehr widerrufbaren Auswirkungen unseres Handelns auf dem Planeten. Wir sind gespannt auf eine beeindruckende, visuelle Reise in das Herz der Dunkelheit unserer Gegenwart.

Die Jury 2020

Melanie Andernach

Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn, München und Paris mit anschließender Promotion über das Filmrecht, studierte Melanie Andernach Kreativ Produzieren an der ifs - internationale filmschule köln . Anschließend arbeitete sie als freie Autorin, Regisseurin und Producerin. 2007 gründete sie mit Knut Losen die Filmproduktion MADE IN GERMANY, mit der sie Dokumentar- und Spielfilme entwickelt und (ko-)produziert. Zu ihren Erfolgen zählt der Dokumentarfilm Talking About Trees, der 2019 bei der Berlinale den Panorama Publikums-Preis und den Glashütte Original - Dokumentarfilmpreis gewann. Ihr Regiedebüt Global Family (Co-Regie: Andreas Köhler) wurde mehrfach ausgezeichnet.

© Andreas Köhler

Bernd Lange

Der preisgekrönte Autor Bernd Lange ist einer der renommiertesten Drehbuchautoren Deutschlands. Seit sein Debüt Requiem bei der Berlinale den Silbernen Bären gewann, schrieb er zahlreiche Kinospielfilme und Serien. Er war dreimal im Wettbewerb der Berlinale vertreten und arbeitete mit Regisseuren wie Hans-Christian Schmid (Was Bleibt, Das Verschwinden), Oliver Hirschbiegel (Criminal: Germany) und Dominik Graf („Tatort“) zusammen. Bernd Lange lebt in Berlin.

© Gerald von Foris

Mia Spengler

Geboren 1986 in München. Nach dem Abitur in Hamburg ging sie für zwei Jahre nach Peking, wo sie die Band MIYA gründete. Nach Jobs bei einer Filmproduktion in Shanghai kam sie 2008 nach Berlin und arbeitete als persönliche Assistentin von Hans Weingartner. 2009 begann sie ihr Regiestudium an der Filmakademie Baden-Württemberg, wo sie mehrere preisgekrönte Kurzfilme drehte. Mit ihrem Film Nicht den Boden berühren gewann sie beim San Sebastián International Film Festival den Torino Award. 2016 schloss sie ihr Studium mit ihrem Langfilmdebüt Back for Good ab, das 2017 die Perspektive Deutsches Kino eröffnete und unter anderem den Günter Rohrbach Filmpreis sowie den FIPRESCI-Award erhielt. Ihr „Tatort“ Die goldene Zeit feierte auf dem Filmfest Hamburg Premiere. Aktuell arbeitet sie an der zweiten Staffel der Netflix-Produktion How to Sell Drugs Online (Fast).

© Oskar Sulowski