Preise von unabhängigen Jurys

Als unabhängig gelten Jurys, die ihre Preise im Namen externer, vom Festival unabhängiger Organisationen und Institutionen vergeben. Das hohe Qualitätsniveau und die Vielfalt im Festival-Programm laden dazu ein, sich kritisch mit dem Medium auseinanderzusetzen und mit einem eigenen Werturteil Akzente zu setzen. Dementsprechend vergeben die unabhängigen Jurys ihre Preise nach unterschiedlichen Kriterien, je nach dem speziellen Anliegen, das sich mit der Auszeichnung verbindet.

Seit 1992 sind die internationalen Filmorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirchen - Interfilm und Signis - durch eine aus sechs Mitgliedern bestehende gemeinsame ökumenische Jury vertreten. Die Jury vergibt ihren Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb, sowie je einen mit 2.500 Euro dotierten Preis für einen Film aus der Sektion Panorama und aus dem Programm des Forums.

Die Jury ehrt mit den Preisen Filmschaffende, die in ihren Filmen ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die es in ihren Filmen schaffen, das Publikum für spirituelle, menschliche und soziale Werte zu sensibilisieren.

Preisträger Wettbewerb 2020

Sheytan vojud nadarad (There Is No Evil) von Mohammad Rasoulof

Jurybegründung:
Der Episodenfilm reflektiert die Wichtigkeit des Gewissens in den Geschichten von vier jungen Männern, die die Todesstrafe vollstrecken sollen, und ihres Umfelds. Sie werden während ihres Militärdiensts mit diesem Auftrag betraut; einer von ihnen flieht, ein anderer widersetzt sich. Die Verstrickungen und tiefen moralischen Konflikte, die diese Tötungen mit sich bringen, konfrontieren das Publikum mit der verstörenden Wirklichkeit des politischen und juristischen Systems im Iran. Die Taten der Männer haben weitreichende Auswirkungen auf ihre Beziehungen zu ihren Liebsten und ihren Familien. Die Atmosphäre drohender politischer Verfolgung ist tief beunruhigend. In höchst eindrucksvoller Weise stellt der Film unterschiedliche Optionen dar und unterstreicht so die Möglichkeit einer Gewissensentscheidung auch unter politischem Druck. Herausragend erzählt, von großer filmischer Qualität und mit überzeugenden darstellerischen Leistungen zeigt der Film eine grundsätzliche Kritik der Todesstrafe im Allgemeinen und des repressiven iranischen Systems im Besonderen.

Preisträger Panorama 2020

Otac (Father) von Srdan Golubović

Jurybegründung:
Das Roadmovie erzählt die auf einer wahren Begebenheit basierende Geschichte eines Vaters, der einen 300 km weiten Weg von der Provinz in die Hauptstadt Serbiens zu Fuß zurücklegt, um seinem verzweifelten Wunsch Ausdruck zu verleihen, seine Kinder wieder zugesprochen zu bekommen. Aufgrund der prekären Familiensituation und einer verzweifelten Kurzschlusshandlung seiner Frau wurde ihm das Sorgerecht für die Kinder durchs örtliche Jugendamt kurzfristig entzogen. Der Film zeigt das noch in sozialistischer Willkür verhaftete kommunale System, korrupte Strukturen, ein krasses Stadt-Land-Gefälle und die schwer zu ertragende Verwahrlosung eines ganzen Landes. Dennoch gelingt es dem Vater, in zurückhaltender und gewaltfreier Weise mit der katastrophalen Anspannung, seinen Schuldgefühlen und den Herausforderungen auf dem Weg nach Belgrad umzugehen. Die Jury sieht in ihm eine vorbildliche Haltung der Beharrlichkeit und eines Gerechtigkeitsstrebens, welches trotz der prekären Situation nicht auf Kosten anderer geht. So wird der Vater zu einem Helden, ohne sich selbst je als Held zu sehen.

Lobende Erwähnung: Saudi Runaway von Susanne Regina Meures

Jurybegründung:
Ihr bevorstehender Hochzeitstag wird Munas Leben für immer verändern. Es ist der Tag, an dem sie ihre Entscheidung in die Tat umsetzt; nicht jedoch jene für den für sie ausgesuchten Bräutigam, sondern diejenige, ihre Freiheit außerhalb Saudi-Arabiens zu suchen. Als Frau, die sich mutig kommenden Gefahren und Herausforderungen stellt, hat Muna ihre Flucht aus Saudi Arabien geplant. Gerade weil sie ein Mensch ist, dessen Herz von Zuneigung und Liebe für ihre Familie geprägt ist, muss sie aufbrechen. Diese Geschichte über weibliche Selbstbestimmung ist real, sie ist authentisch und berührt, indem sie vollständig aus Smartphone-Videos zusammengesetzt ist. Susanne Regina Meures als Regisseurin und Muna als Protagonistin und Person lassen miteinander mehr als einen Film entstehen. Sie fügen den Smartphone-Bildern eine Version des Feminismus hinzu und profilieren die Würde der Frauen nicht trennend, sondern als Brücke. Und gemeinsam haben sie Deutschland eine junge Frau hinzugefügt, die glücklich über die Sonne der Freiheit in ihrem Inneren ist – und deshalb noch immer über den Regen außerhalb.

Preisträger Forum 2020

Seishin 0 (Zero) von Kazuhiro Soda

Jurybegründung:
Mit dem subtilen, aber wirkungsvollem Einsatz filmischer Mittel, vor allem von Kamera und Montage, vermittelt der Film die Wirkung, die der Psychiater Dr. Masatomo Yamamoto auf seine Patient*innen hat. Kurz vor seinem Ruhestand zeigt er Einfühlsamkeit und Verständnis im Umgang mit ihren Belastungen und Ihrer Angst vor einer Zukunft ohne seine Begleitung. Er motiviert seine Patient*innen, die jetzt notwendigen Schritte zu unternehmen, und begleitet sie in einer stillen, aber ermutigenden Art. Im zweiten Teil des Films sieht man ihn nach seiner Pensionierung, wie er seine Zeit mit seiner demenzkranken Frau verbringt. Die scheinbare Einfachheit des Films beeindruckt zutiefst. Menschliche Würde und Mitgefühl werden in herausragender Weise ins Bild gesetzt. Ein bewegender Film über den Wert menschlicher Handlungsfähigkeit und Fürsorge in einer Gesellschaft, in der Menschen sozialem und wirtschaftlichem Erfolgsdruck ausgesetzt sind.

Jurymitglieder 2020

Jurypräsident: Roland Wicher
Kodjo Ognandou AYETAN
Alexander Bothe
Rinke Dellebeke-van Hell
Melanie Pollmeier
James Thessin

Die Jurys der „Fédération Internationale de la Presse Cinématographique“ (FIPRESCI), des internationalen Verbands der Filmkritik, sichten Filme aus dem Programm des Wettbewerbs und in den Sektionen Encouters, Panorama und Forum. Pro Sektion wird ein Preis für den besten Film vergeben.

Preisträger Wettbewerb 2020

Undine von Christian Petzold

Jurybegründung:
Gleichzeitig ein Mythos und ein Porträt einer modernen Frau, herausragend gespielt von Paula Beer, übersetzt Christian Petzold die Poesie des Märchens in zauberhafte Bilder, die Bildgestalter Hans Fromm auf ganz eigene Weise festhält.

Preisträger Encounters 2020

A metamorfose dos pássaros (The Metamorphosis of Birds) von Catarina Vasconcelos

Preisträger Panorama 2020

Mogul Mowgli von Bassam Tariq

Lobende Erwähnung: A l’abordage von Guillaume Brac

Preisträger Forum 2020

The Twentieth Century von Matthew Rankin

Jurybegründung:
Dieses Jahr feiert nicht nur die Berlinale ihr 70. Jubiläum, auch das Forum wird 50 Jahre alt. Und gleich in ihrem ersten Jahr als Leiterin des Forums hat Cristina Nord ein Programm auf die Beine gestellt, das neue und wichtige Stimmen des Weltkinos zelebriert. Eine davon ist Matthew Rankin, der in seiner zeitgemäßen Filmsatire die Perversion und Gewalt der populistischen Politik mit einem großen Sinn für Humor aufzeigt. Es fühlt sich nicht wie ein Spielfilmdebüt an, dafür ist der Stil des Filmemachens zu versiert und ausgereift. Der Fipresci-Preis im Forum geht an The Twentieth Century von Matthew Rankin.

Lobende Erwähnung: Ouvertures von The Living and the Dead Ensemble

Jurymitglieder 2020

Wettbewerb
Michel Ciment
Ninos Feneck Mikelides
Ulrich Sonnenschein

Encounters
Ingrid Beerbaum
Christopher Small
Ana Sturm

Panorama
Wilfred Okiche
Eva Peydró
Teresa Vena

Forum
Anzhelika Artyukh
Schayan Riaz
Narjes Torchani

Die Jury des „Gilde Filmpreis“ setzt sich aus drei Juror*innen zusammen, die Kinobetreiber*innen und Mitglieder der AG Kino - Gilde e.V. sind. Sie vergibt ihren Preis an einen Film des Wettbewerbs.

Preisträger 2020

Sheytan vojud nadarad (There Is No Evil) von Mohammad Rasoulof

Jurybegründung:
Den Film, den die Jury der AG-KINO GILDE, der Vereinigung der Arthouse Kinos in Deutschland, heute auszeichnet, war der für uns überraschendste und kurzweiligste Film des diesjährigen Wettbewerbs. Er erfüllt was wir im Kino lieben: Kraftvoll, emotional und zutiefst menschlich erzählt uns der Film Geschichten, die uns zeigen, was einen Menschen ausmachen und sensibilisiert uns, unser Leben in dieser Welt zu reflektieren. Politisch und ethisch weitet der Film den Blick in eine uns fremde Welt. Herausragend sind die Darstellungen der Schauspieler*innen, die trotz der Repressalien des Regimes stets nach ihrem Glück und Freiheit suchen. Mit Freude verleihen wir den GILDE-Preis für den besten Film im Wettbewerb der 70. Berliner Filmfestspiele an Mohammad Rasoulof und das gesamte Filmteam für ihren Film Sheytan vojud nadarad.

Jurymitglieder 2020
Christopher Bausch
Miriam Pfeiffer
Petra Rockenfeller

Für die „Confédération Internationale des Cinémas D´Art et Essai" (C.I.C.A.E.), den Internationalen Verband der Filmkunsttheater, sind zwei Jurys auf der Berlinale tätig: eine vergibt einen Preis an einen Film des Panoramas, eine kürt einen Film des Forums.

Preisträger Panorama 2020

Digger von Georgis Grigorakis

Jurybegründung:
Die CICAE-Panorama-Jury zeichnet den griechischen Spielfilm Digger von Georgis Grigorakis mit dem CICAE-Label aus. Der Film zeigt eine sehr persönliche Vater-Sohn-Geschichte und enthält darüber hinaus eine Vielzahl sozialer Themen. Zum Beispiel den Einfluss internationalen Kapitals in einer ländlichen Gemeinde, die in der Natur verwurzelt ist. Die traditionelle Lebensweise wird bedroht und es kommt zu Spannungen sowohl auf persönlicher Ebene als auch innerhalb der Gemeinschaft.
Die Stärke des Films besteht darin, dass der Regisseur verschiedene Perspektiven abbildet, ohne sie dabei gegeneinander auszuspielen. Mit Leichtigkeit verbindet er dabei Tragödie und Komödie. Ein weltweites Publikum wird sich sowohl emotional als auch thematisch mit den Charakteren bzw. Themen identifizieren können, die universell gültig sind. An der Qualität des Films hat die außergewöhnliche Bildgestaltung einen erheblichen Einfluss. Wir glauben, dass dieser Film alle benötigten Merkmale für das CICAE-Label aufweist und verleihen Georgis Grigorakis einstimmig den Preis der CICAE-Panorama-Jury.

Preisträger Forum 2020

Ping jing (The Calming) von Song Fang

Jurybegründung:
Die Jury stimmte einheitlich für Ping Jing (Die Beruhigung), einen perfekt gelungenen Film. Das Szenario ist gut gestaltet, die Kameraführung ist perfekt, das Thema universell. Der Filmemacher zeigt wahrscheinlich autobiografisch die Möglichkeit, schmerzhafte Prozesse sanft zu überwinden. Nichts verschwindet endgültig, aber alles ändert sich im Laufe der Zeit und entwickelt sich weiter. Auf der Grundlage dieses Paradigmas ist man in der Lage, sich selbst als Zuschauer zu rekonstruieren und der eigenen Existenz in Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zur Welt einen Sinn zu geben.

Jurymitglieder 2020

Panorama
Kevin Beck
Casper Houtman
Tamara Viscovic

Forum
Ariane Hofmann
Aliki Kalagasidu
André Soto

Das „Label Europa Cinemas“ wurde auf dem Filmfestival in Cannes 2003 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel der Initiative ist die Förderung europäischer Filme, ihres Verleihs und ihrer Wahrnehmung beim Publikum und in den Medien. Es wird jeweils ein europäischer Film der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes und seit 2004 auch der Venice Days in Venedig mit dem Label durch eine Jury von Mitgliedskinobetreiber*innen ausgezeichnet. 2005 wurde diese Auszeichnung zum ersten Mal auf der Berlinale vergeben, und zwar an einen europäischen Film des Panoramas.

Preisträger 2020

Håp (Hope) von Maria Sødahl

Jurymitglieder 2020
Silvia Bahl
Johan Paulo Candido Fogde Dias
Hans Heesen
Ewa Kujawińska

Der TEDDY AWARD, der bedeutendste queere Filmpreis der Welt, ist eine gesellschaftlich engagierte politische Auszeichnung, die Filmen und Personen zugutekommt, die queere Themen auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene kommunizieren und somit einen Beitrag für mehr Toleranz, Akzeptanz, Solidarität und Gleichstellung in der Gesellschaft leisten.

Der Preis wird im Rahmen der Berlinale in den Kategorien BESTER SPIELFILM, BESTER DOKUMENTAR-/ESSAYFILM und BESTER KURZFILM und JURY AWARD sowie als SPECIAL TEDDY AWARD an herausragende Persönlichkeiten vergeben. Filme aus allen Sektionen der Internationalen Filmfestspiele Berlin konkurrieren jedes Jahr um die TEDDY AWARDS.

Bester Spielfilm

Futur Drei (No Hard Feelings) von Faraz Shariat
Nominiert: Shirley von Josephine Decker und The Twentieth Century von Matthew Rankin

Bester Dokumentar-/ Essayfilm

Si c’était de l’amour (If It Were Love) von Patric Chiha
Nominiert: La casa dell’amore (The House of Love) von Luca Ferri und Petite fille (Little Girl) von Sébastien Lifshitz

Bester Kurzfilm

Playback. Ensayo de una despedida (Playback) von Agustina Comedi

Nominiert: Genius Loci von Adrien Mérigeau, Extractions von Thirza Cuthand und Untitled Sequence of Gaps von Vika Kirchenbauer

Jury Award

Rizi (Days) von Tsai Ming-Liang

Teddy Activist Award

Olga Baranova, Maxim Lapunov, David Isteev

Jurymitglieder 2020
Chris Belloni
Sylva Häutle
Nataleah Hunter-Young
Ksenia Ilina
Christian Rodríguez
Heitor Augusto de Sousa

Die aus drei Mitgliedern bestehende Jury vergibt den Caligari-Filmpreis an einen Film des Forums. Der Preis wird vom „Bundesverband kommunale Filmarbeit“ und filmdienst.de gestiftet. Er ist mit 4.000 Euro dotiert, wobei die eine Hälfte an die Regisseur*innen des Films geht, die andere den Verleih fördert.

Preisträger 2020

Victoria von Sofie Benoot, Liesbeth De Ceulaer, Isabelle Tollenaere

Jurymitglieder 2020
Lena Martin
Dagmar Kamlah
Thomas Klein

Der unabhängige Friedensfilmpreis prämiert jährlich Filme, die durch eine eindringliche Friedensbotschaft und ästhetische Umsetzung des Filmthemas überzeugen. Die Jury besteht aus sieben Mitgliedern, die Filme aus allen Sektionen sichten. Der Friedensfilmpreis ist mit 5.000 Euso dotiert und wird in Form einer Bronzeplastik von Otmar Alt verliehen.

Getragen wird der Preis von der Friedensinitiative Zehlendorf, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Weltfriedensdienst e.V.

Preisträger 2020

Los lobos (Die Wölfe) von Samuel Kishi Leopo

Jurybegründung:
Aus der Perspektive von zwei Kindern, dem achtjährigen Max und seinem fünfjährigen Bruder Leo, erzählt Samuel Kishi Leopos autobiografisch inspirierter Film Los Lobos eine Geschichte von Armut, Heimatverlust und Migration. Das Chaos, in das die Familie durch den Länderwechsel gerät, ordnet die Mutter mit sieben Regeln über das Zusammenleben. Regel 7 lautet: Nach jedem Streit umarmen! Am Ende sind es die Kinder, die auf diesen friedenspolitischen Imperativ bestehen. Der sensibel und zärtlich erzählte Film schlägt sich radikal auf die Seite der Menschlichkeit. Hier sprechen Kinder zu Kindern und auch die Erwachsenen können nicht anders, als ihnen zuzuhören. Poetisch, mutig und kämpferisch zeigt uns der Film was es bedeutet, in einem anderen Land eine neue Existenz aufzubauen.

Jurymitglieder 2020
Miraz Bezar
Gerd Brendel
Tamara Erbe
Helgard Gammert
Andreas Höfer
Jean Peters
Esther Slevogt

Die deutsche Sektion von Amnesty International verlieh auf der Berlinale 2005 erstmalig den Amnesty International Filmpreis. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Jury sichtet Filme der Sektionen Wettbewerb, Encounters, Panorama, Forum, Generation und Perspektive Deutsches Kino. Ziel des Preises ist es, die Aufmerksamkeit von Fachbesucher*innen und breitem Publikum auf das Thema Menschenrechte zu lenken und Filmschaffende dazu zu ermutigen, sich dieses Themas verstärkt anzunehmen.

Preisträger 2020

Welcome to Chechnya von David France

Jurymitglieder 2020
Markus N. Beeko
Anke Engelke
Sebastian Schipper
Maryam Zaree

Eine aus drei Mitgliedern bestehende Jury vergibt den Heiner-Carow-Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst an einen Dokumentar-, Spiel- oder Essayfilm der Sektion Perspektive Deutsches Kino. Der Preis wird von der DEFA-Stiftung ausgelobt und ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Filme, die sich sozialen und politischen Fragen der Gegenwart und Geschichte mit außergewöhnlichen ästhetischen Mitteln annehmen.

Preisträger 2020

Garagenvolk
von Natalija Yefimkina

Jurymitglieder 2020
Annekatrin Hendel
Anne Möller
Jan Speckenbach

Die Jurybegründung im Wortlaut:

„Der Gullideckel ist meine Tür, aber ich bin glücklich. Mein Leben ist schön“, sagt eine der Figuren des Filmes. Die Entscheidung für diesen Preis ist uns sehr schwer gefallen in diesem starken Jahrgang der Perspektive Deutsches Kino. Wir haben uns für Garagenvolk von Natalija Yefimkina entschieden. Großes Kino.

Die Regisseurin lässt uns in einen Mikrokosmos schauen, der uns wie eine Parallelwelt erscheint. Die komplexe Welt einer morbiden Garagenanlage eines Bergarbeiter-Ortes im Norden Russlands erinnert an eine Kleingartenkolonie ohne Garten. In jeder einzelnen dieser kleinen Garagen entsteht, je länger der Film sich Zeit nimmt hinzuschauen, ein eigenes Universum. Anfangs skurril scheinende Charaktere werden zu Reflektoren der Gesellschaft. Liebe, Freundschaft und Alkohol, Träume von Wohlstand und Zukunft sowie das kleine Glück finden hier Behausung.

Die Zukunft all dieser Menschen ist JETZT. Und wenn das rastlose Handeln, ob es die Schrottsuche ist, der Kellerbau, die schiefen Töne der Punkbandprobe, die Prügelei oder die geschnitzten Ikonen, wenn dieses Handeln zum Erliegen kommt, dann stockt auch der Lebensfluss, dann gibt es keine Zukunft mehr. Wenn einer der Protagonisten sich unterhalb seiner Garage fünf Stockwerke in die Tiefe gräbt, eine Sisyphusarbeit ohne Ziel, außer der Beglückung des Moments, findet der Film Bilder von metaphorischer Dimension, die über die reine Beobachtung hinausreichen. Die Absurdität der Handlungen in der allgemeinen Chancenlosigkeit der Figuren lässt die Garagenwelt immer mehr zur Realität werden. Nicht die Figuren des Filmes leben in einer Parallelwelt, sondern wir.

Eine dreiköpfige Jury vergibt den Kompass-Perspektive-Preis an den besten Film aus dem aktuellen Programm der Perspektive Deutsches Kino. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Als Trophäe bekommt die Regisseurin oder der Regisseur einen Kompass überreicht.

Preisträger 2020

Walchensee Forever
von Janna Ji Wonders

Jurymitglieder 2020
Melanie Andernach
Bernd Lange
Mia Spengler

Siehe auch: Kompass-Perspektive-Preis & Kompagnon-Förderpreis

Mit einer neuen unabhängigen Jury engagieren sich die Festivalsektion Generation und AG Kino - Gilde e.V. für die Stärkung von innovativem Kino für junge Menschen auch über die Berlinale hinaus.

Eine dreiköpfige Jury aus Kinobetreiber*innen und Mitgliedern des Verbands vergibt den Preis der AG Kino Gilde 14plus an einen herausragenden Langfilm aus dem Wettbewerb Generation 14plus. Dieser umfasst die Finanzierung der deutschen Untertitelung bzw. Gehörlosenfassung oder Audiodeskription für die Kinoauswertung in Deutschland.

Preisträger 2020

Jumbo von Zoé Wittock

Jurybegründung:
Jeanne ist eine junge Frau, die zurückgezogen bei Ihrer Mutter lebt. Tagsüber fertigt sie detailverliebt technische Modelle und nachts arbeitet sie in einem Freizeitpark. Zum Saisonstart verliebt sie sich in das neu installierte Fahrgeschäft. Je sicherer sie sich ihrer Liebe zu Jumbo wird, desto größer wird ihr Bedürfnis nach sozialem Zuspruch. Doch in ihrer Umgebung stößt sie nicht gerade auf Verständnis. Der Film schafft es eine authentische, bildgewaltige und dennoch sehr intime Liebesgeschichte zwischen Mensch und Maschine auf die Leinwand zu bringen. Er fordert das Publikum heraus eine breitere Perspektive einzunehmen und das Verständnis von Liebe neu zu überdenken. Gleichzeitig ermutigt er die Zuschauer*innen die eigenen Gefühle zuzulassen, sich, wenn nötig, über gesellschaftliche Normen hinwegzusetzen und die eigene Identität zu leben. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle verpackt in poetischen, dynamischen und leuchtenden Bildern, das ist Jugendkino, das uns flasht und begeistert.

Jurymitglieder 2020
Marcel Danner
Nina Heise
Anna Friederike Wittkowski

Leser*innen- und Publikumspreise

Für den Panorama Publikums-Preis können alle Besucher*innen der Berlinale mittels Stimmzetteln in der Sektion Panorama votieren. Der Preis wird seit 1999 verliehen und gemeinsam von radioeins (rbb), dem rbb Fernsehen und dem Panorama vergeben.

Preisträger Spielfilm 2020

Otac
von Srdan Golubović

2. Platz
Futur Drei von Faraz Shariat

3. Platz
Håp (Hope) von Maria Sødahl

Preisträger Dokumentarfilm 2020

Welcome to Chechnya
von David France

2. Platz
Saudi Runaway von Susanne Regina Meures

3. Platz
Petite fille (Little Girl) von Sébastien Lifshitz

Die Jury besteht aus zwölf Leser*innen der Tageszeitung „Berliner Morgenpost“. Es wird ein Spielfilm des Wettbewerbs prämiert.

Preisträger 2020

Effacer l’historique (Delete History) von Benoît Delépine, Gustave Kervern

Jurymitglieder 2020
Christoph Beissner
Suzanne Combüchen-Koloss
Claudio Freimark
Nikos Fragkou
Stephanie Gleixner
Annette Lehmann
Henk Mekkes
Rainer Müller
Ulrike Müller
Daniela Richter
Ronja Selle
Juliane Springsguth

Seit der Berlinale 2007 beruft auch der „Tagesspiegel“ eine Leserjury. Sie besteht aus neun Mitgliedern, die in einem Ausschreibungsverfahren ermittelt werden. Der Leserpreis des Tagesspiegel geht an den besten Film des Forums.

Preisträger 2020

Chico ventana también quisiera tener un submarino (Window Boy Would Also Like to Have a Submarine) von Alex Piperno

Jurybegründung:
In klaren, schönen Bildern verschmelzen im Film von Alex Piperno Realität und Fiktion auf unterhaltsame Weise. In den vielfältigen Mauern und an den Grenzen unserer Welt findet er halb träumerisch, halb nachdenklich scheinbar unmögliche Türen, Passagen. Der Film verbindet Anspruch und Ästhetik auf hervorragende Weise und ruft zur Offenheit auf: Nur wenn wir die Türen durchschreiten, gelingt das globale Miteinander.

Jurymitglieder 2020
Peter Apel
Heike Bottke
Chris Feustel
Luisa Horn
Ingrid Lühr
Anuya Rane
Matthias Richter
Thomas Schippmann
Dagmar Seydell

Die TEDDY Leser*innen-Jury von QUEER.DE vergibt den TEDDY READERS' AWARD powered by QUEER.DE im Rahmen der Preisverleihung der 33. TEDDY AWARDS in der Volksbühne Berlin. Filme mit queerem Inhalt aus allen Sektionen der Internationalen Filmfestspiele Berlin konkurrieren um den Preis.

Preisträger 2020

Futur Drei (No Hard Feelings) von Faraz Shariat

Jurymitglieder 2020
Amanda Halbrock
Robert Moussa
Joyce Newrzella
Fabian Schäfer
Detlef Stoffel

Förderpreise

Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino vergeben gemeinsam ab 2017 jährlich den Kompagnon–Förderpreis. Teilnahmeberechtigt sind Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen eines Kurz- oder Langfilms aus dem jeweils letzten Jahrgang der Perspektive Deutsches Kino sowie dauerhaft in Deutschland lebende Teilnehmende der „Script Station“, „Doc Station“ oder „Short Form Station“ der aktuellen Edition von Berlinale Talents.

Eine dreiköpfige Jury wählt jeweils eine*n Gewinner*in von Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino aus. Neben einem Stipendium von 5.000 Euro (2.500 Euro für Kurzfilme) zur unabhängigen Drehbuch- bzw. Projektentwicklung bietet der „Kompagnon“ ein Mentorenprogramm zur Stärkung der künstlerischen Handschrift, berufsbegleitende Coachings sowie die bessere Vernetzung mit der Branche.

Preisträger 2020

111 von Hristiana Raykova (Perspektive Deutsches Kino 2019)
Arctic Link von Ian Purnell (Berlinale Talents 2020)

Jurymitglieder 2020
Melanie Andernach
Bernd Lange
Mia Spengler

Siehe auch: Kompass-Perspektive-Preis & Kompagnon-Förderpreis

ARTE vergibt seit 2011 den mit 6.000 Euro dotierten ARTEKino International Prize an eins der für den Berlinale Co-Production Market ausgewählten Projekte.

Preisträger 2020:
The Melting (Regie: Veerle Baetens)
Savage Film

Eurimages vergab 2015 erstmals den mit 20.000 Euro dotierten Eurimages Co-Production Development Award an die Produzent*innen eines der ausgewählten Projekte des Berlinale Co-Production Market. Berücksichtigt werden Projekte in der offiziellen Auswahl, die als Kino-Koproduktion zwischen mindestens zwei Eurimages-Mitgliedsländern geplant sind. Es darf sich dabei nicht um rein finanzielle Koproduktionen handeln. Herausragende künstlerische Qualität und die Chancen des Projektes, als mehrheitlich europäische Koproduktion realisiert zu werden, sind die Hauptkriterien bei der Vergabe des Preises.

Preisträger 2020
There Are Two Kinds of People in This World (Regie: Onur Saylak)
Liman Film / b.i.t arts

Jurymitglieder 2020
Giorgos Karnavas
Elena Kotová
Marie-Pierre Vallé

Der Talent Project Market bietet zehn an Berlinale Talents teilnehmenden Produzent*inne die Möglichkeit, ihre Projekte potentiellen Koproduzent*innen und Finanziers im Berlinale Co-Production Market vorzustellen. Seit 2004 wird der mit 10.000 Euro dotierte VFF Talent Highlight Award im Rahmen des Talent Project Market von der VFF - Verwertungsgesellschaft für Film- und Fernsehproduzenten gestiftet. Eine internationale Jury vergibt neben dem Hauptpreis zwei Nominierungspreise à 1.000 Euro.

Preisträger 2020:
The Last Paradise on Earth (Regie: Sakaris Stórá)
Produzent: Jón Hammer

Jurymitglieder 2020
Roshanak Behesht Nedjad
Prof. Georg Feil
Gabor Greiner
Katriel Schory

Im Rahmen von Berlinale Talents vergibt die Robert Bosch Stiftung GmbH den Filmpreis für internationale Zusammenarbeit an deutsche und arabische Nachwuchsfilmemacher*innen (Mitglieder der arabischen Liga), um ihre gemeinsamen Filmprojekte zu ermöglichen. Jeder Preis ist mit 60.000 Euro dotiert und wird in den Kategorien Kurzfilm (Fiktion, Animation und Dokumentarfilm) oder Langfilm (Dokumentarfilm) vergeben.

Preisträger*innen 2020

Big Boys Don't Cry
Dokumentarfilm, Deutschland / Ägypten, 80’
Regie: Muhammad Mustapha (Ägypten)
Produktion Philipp Maurice Raube (Deutschland)
Ko-Produktion: Hala Lotfy (Ägypten)

Traitors of the Eyes
Animation, Deutschland / Ägypten, 20’
Regie: Abdelrahman Dnewar (Ägypten), Saad Dnewar (Ägypten)
Produktion: Georg Neubert (Deutschland)
Ko-Produktion: Saad Dnewar (Ägypten)

Inana
Kurzspielfilm, Deutschland / Syrien, 15’
Regie: Ragda Alazizi (Syrien)
Produktion: Philipp Döring (Deutschland)
Ko-Produktion: Ragda Alazizi (Syrien)

Jurymitglieder 2020
Mohannad Al Bakri
Vincenzo Bugno
Doris Hepp
Elke Kaschl Mohni
Marianne Khoury
Hania Mroué
Alexander Wadouh

Im Rahmen der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN legt Berlinale Talents seine Schwerpunkte auf einen verbesserten Zugang zu Bildung, auf Geschlechtergerechtigkeit und Diversität, auf Umweltschutz sowie eine starke Rolle der Kultur beim Erhalt von Frieden und internationaler Verständigung. Seit 2020 fördert Berlinale Talents mit dem „Mastercard Enablement Programme“ drei Talente und Alumni (5000 Euro monetäre Förderung und 5000 Euro für Mentor*innenbetreuung und Coaching) gezielt beim Auf- und Ausbau ihrer filmbezogenen sozialen Initiativen.

Stipendiat*innen 2020
Anam Abbas, Documentary Association of Pakistan, Pakistan
Diego Sarmiento Pagán, The Seeds Project, Peru
Sydelle Willow Smith, Sunshine Cinema, Südafrika

Jurymitglieder 2020
Wim Wenders
Jeannette Liendo
Dominga Ortúzar