Berlinale: Kulinarisches Kino


Kulinarisches Kino

Das Programm des Kulinarischen Kinos erinnert daran, dass Geschmack nicht nur ein kulinarischer, sondern auch ein kultureller Wert ist, über den man trefflich streiten kann, auch wenn das sprichwörtliche Vorurteil etwas anderes behauptet. Für einen Teil der Veranstaltungen kreiert ein Spitzenkoch oder eine Spitzenköchin ein Menü, das vom Film des Abends inspiriert ist und dem Kinopublikum nach dem Film im Gropius Mirror Restaurant serviert wird.

Essen und Film sind Kommunikationsmittel, die vor allem das Gefühl ansprechen. Die Kombination von beidem ist weitverbreitet. Im Kino gibt es ein Snackmenü, zu Hause das TV-Dinner. Im Kulinarischen Kino jedoch werden Film und Essen zeitlich und räumlich getrennt. So bekommt jedes Element die gebührende Aufmerksamkeit, in Gedanken verschmelzen beide Ebenen im Laufe des Abends zu Food for Thought.

Das Kulinarische Kino spiegelt in diesem Programm seine Achtung für Filmemacher*innen, die mit ihrem Handwerk der individuellen Arbeit von Bauern, Fischern und Köchen Anerkennung zollen. Es hinterfragt die Macht der Industrie und wehrt sich gegen eine fortschreitende Trivialisierung sowohl des Filmschaffens, als auch des Essens, die durch Achtlosigkeit entsteht. Zum Ende eines Abends kommen auf der Bühne des Gropius Mirror Restaurant noch einmal die Protagonist*innen zu Wort: Fachjournalist*innen diskutieren mit Filmemacher*innen und Expert*innen wie Ferran Adrià, Carlo Petrini, Vandana Shiva und Alice Waters sowie den Köch*innen des Abends die Themen des Films.

Filme über die dunklen Seiten der Welt des Essens wie Hunger und Fehlernährung, Monokulturen und Massentierhaltung und der davon mit verursachte Klimawandel sind ebenfalls ein wichtiger Teil des Programms, denn sie schärfen das Bewusstsein für die Konsequenzen, die das Essverhalten hat. Nach Filmen mit diesen Themen, die häufig im Spätprogramm laufen, wird kein Essen serviert, dafür aber umso ausgiebiger diskutiert.

Die Filme des Kulinarischen Kinos können für den Glashütte Original Dokumentarfilmpreis (dotiert mit 50.000 Euro) nominiert werden.

Die Berlinale etablierte 2007 als erstes Festival das Format des Kulinarischen Kinos. Es ist ein populäres Programm. Die 200 Plätze mit Menü pro Abend sind im Nu ausverkauft, aber auch die Wiederholungen und Spätvorstellungen ohne Essen sind gut besucht. Wortprogramme wie nachmittägliche „TeaTimes“ und Tastings, sowie eine Jugendveranstaltung, zu der Schulklassen eingeladen werden, flankieren das Angebot.

In der Küche des Kulinarischen Kinos kochten herausragende internationale Sterne-Chefs wie zum Beispiel Andoni Luis Aduriz, Massimo Bottura und die Roca Brüder. Deutsche Spitzenköch*innen wie Sonja Frühsammer, Lea Linster, Cornelia Poletto und Thomas Bühner, Sven Elverfeld und die Berliner Michael Kempf und Tim Raue zeigten, wie eindrucksvoll sich die Kochkunst in Deutschland erneuert hat.

Unvergessen bleibt die europäische Premiere von Food, Inc., dem immer noch gültigen Dokumentarfilm über die horrenden Gefahren, die von der Nahrungsmittelindustrie ausgehen, 2009 im Friedrichstadtpalast. Aber auch genussaffine Serien wie Chef’s Table gehen auf die Verbindung zwischen Kochen und Umwelt ein. Köchinnen und Köche und inzwischen auch viele Gäste wissen, dass eine saubere Umwelt mehr als eine Frage des guten Geschmacks ist.

Für die Auswahl der Filme und Köchinnen und Köche sind in Abstimmung mit der Intendanz der Kurator Thomas Struck, die Produktionsleiterin Paula Casado und die Pressekoordinatorin Margit Dörner verantwortlich. Zur Wahl stehen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme in deutscher Erstaufführung.

Es gibt offizielle Kooperationen mit dem Transatlantyk Festival in Polen und dem Internationalen Filmfestival San Sebastian.

Die internationale Slow-Food-Bewegung mit ihrer Forderung nach guten, sauber erzeugten und fair gehandelten Lebensmitteln ist ideeller Partner des Kulinarischen Kinos.

Kontakt

Kulinarisches Kino
Potsdamer Platz 11
10785 Berlin