Berlinale: Berlinale Kamera


Berlinale Kamera

Mit der Berlinale Kamera zeichnen die Internationalen Filmfestspiele Berlin seit 1986 Filmpersönlichkeiten oder Institutionen aus, denen sie sich besonders verbunden fühlen und denen sie mit dieser Ehrung ihren Dank ausdrücken möchten.

Bei den 67. Internationalen Filmfestspielen wurden drei Persönlichkeiten mit der Berlinale Kamera geehrt: die Produzentin und Verleiherin Nansun Shi (Hongkong, China), der Schauspieler Geoffrey Rush (Australien) und der Filmkritiker und Autor Samir Farid (Ägypten).

Nansun Shi, Produzentin, Verleiherin (Hongkong, China)

Nansun Shi ist eine der einflussreichsten und wichtigsten Produzentinnen und Verleiherinnen im internationalen Filmgeschäft. Bereits in den späten 70er Jahren widmete sie sich nach einem Statistik- und Informatikstudium in London zuerst Hongkongs Fernsehlandschaft, bevor sie ihre Karriere als Filmproduzentin startete. Nachdem Nansun Shi einige Jahre für Cinema City Studios arbeitete, gründete sie 1984 zusammen mit dem bekannten Regisseur Tsui Hark, die Produktionsfirma Film Workshop. Der Name wurde bald zu einem Garanten für Box-Office-Hits. Zu ihren größten internationalen Erfolgen in dieser Zeit gehören unter anderem City Wolf (1986) von John Woo, Die schwarzen Tiger von Hongkong (1991) mit Jet Li und Die sieben Schwerter (2005), beide unter der Regie von Tsui Hark. Der 2002 produzierte, preisgekrönte Thriller Infernal Affairs - Die achte Hölle bildete die Vorlage für Martin Scorseses The Departed – Unter Feinden (2006). Als Mitbegründerin von Distribution Workshop engagierte sie sich zusätzlich als Verleiherin für die chinesische Filmindustrie und war zudem jahrelang Vize-Vorsitzende für die Media Asia Group, eines der größten asiatischen Filmstudios. 2011 wurde Nansun Shi als Jurymitglied zu den Internationalen Filmfestspielen in Cannes eingeladen und 2014 mit dem Best Independent Producer Award in Locarno ausgezeichnet. 2013 verlieh ihr die französische Regierung zudem den L’Ordre des Arts et des Lettres und 2015 das Udine Far East Film Festival den Preis für ihr Lebenswerk.
Mit der Berlinale ist sie eng verbunden: Schon 2007 war sie Mitglied der Internationalen Jury, und seither regelmäßig zu Gast. 2011 präsentierte sie Late Autumn (R: Kim Tae-Yong) im Forum und 2012 Flying Swords of Dragon Gate (R: Tsui Hark), der im Wettbewerb außer Konkurrenz lief. Zuletzt produzierte sie den in China erfolgreichen Actionfilm Die letzte Schlacht am Tigerberg (2014).

Am 10. Februar 2017 wurde Nansun Shi im Kinosaal des Martin-Gropius-Baus mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Fred Tsui. Video ansehen
Der renommierte Preis wird seit 2016 jährlich an eine herausragende Produzentin oder einen herausragenden Produzenten vergeben.

Geoffrey Rush, Schauspieler (Australien)

Geoffrey Rush gehört seit mehr als 40 Jahren zu den beeindruckendsten Charakterdarstellern unserer Zeit, der sowohl im Theater als auch im Kino gleichermaßen sein Zuhause hat. Als einer von wenigen hat der gebürtige Australier die „Triple Crown of Acting“ gewonnen: Emmy, Oscar und Tony – und darüber hinaus zahlreiche Auszeichnungen für seine schauspielerischen Leistungen. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin war er mit insgesamt acht Filmen vertreten.
Sein Bühnendebüt gab Rush bereits als 20-Jähriger. In den Jahren darauf entwickelte er ein bemerkenswertes Repertoire an klassischen Theaterrollen, bevor er 1981 zum ersten Mal vor der Kamera stand. Für die Verkörperung des psychisch kranken aber brillanten Pianisten David Helfgott in dem Film Shine – Der Weg ins Licht (R: Scott Hicks, 1996) erhielt er einen Academy Award. Mit den Historiendramen Shakespeare in Love (R: John Madden) und Quills – Macht der Besessenheit (R: Philip Kaufman), die ihm jeweils eine Golden Globe- und Oscarnominierung einbrachten, war er 1999 und 2001 im Wettbewerb der Berlinale zu Gast. Einen weiteren Beitrag im Wettwerbsprogramm von 2001 hatte Rush mit Der Schneider von Panama (R: John Boorman). 2003 verkörperte er zum ersten Mal den Piratenbösewicht Captain Hector Barbossa in Fluch der Karibik (R: Gore Verbinski). Der gigantische Erfolg des Abenteuerfilms weltweit führte zu drei Fortsetzungen, bei denen Rush wieder die Rolle des schurkenhaften Kapitäns übernahm.
Bei der Berlinale war er erneut 2006 in dem Drogendrama Candy – Reise der Engel (R: Neil Armfield) im Wettbewerb zu sehen, und 2011 in Tom Hoopers bewegendem Drama The King’s Speech – Die Rede des Königs im Berlinale Special, für den er unter anderem mit einem BAFTA Award als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde. Zuletzt stellte Rush 2013 den Thriller The Best Offer – Das höchste Gebot von Giuseppe Tornatore im Berlinale Special vor.

In seinem jüngsten Film spielt er die Hauptrolle in Stanley Tucci’s Final Portrait (Wettbewerb außer Konkurrenz). Am 11. Februar 2017 wurde Geoffrey Rush im Berlinale Palast mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet. Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, hielt die Laudatio. Video ansehen

Samir Farid, Filmkritiker, Autor (Ägypten)

Samir Farid ist einer der renommiertesten Filmkritiker und Autoren der arabischen Welt. Er wird als Experte zum Thema Film weltweit zu Rate gezogen und ist seit Jahrzehnten Wegbegleiter der Berlinale.
Sein präzises Auge für das Medium Film schulte er während seines Studiums am Higher Institute of Dramatic Arts der Academy of Arts in Kairo. 1965 startet er seine Laufbahn als Kritiker bei der ägyptischen Tageszeitung Al-Gomhoreya, für die er insgesamt 38 Jahre arbeitete. In dieser Zeit war er mitverantwortlich für die Gründung des National Festival of Short and Documentary Films 1970, des National Festival of Feature Films 1971 sowie der Egyptian Film Critics Association 1972. Farid ist seit Beginn der 70er Jahre Mitglied der Filmjournalisten-Vereinigung FIPRESCI. In seiner langen Karriere kam sein versiertes Wissen immer wieder als Jurymitglied bei renommierten internationalen Filmfestivals zum Einsatz. Als Filmkritiker war er in den 80ern einige Jahre Korrespondent für das Branchenmagazin Variety tätig. 2004 wechselte er zur Tageszeitung Al-Masry Al-Youm. Farid ist Autor und Übersetzer von mehr als 60 Büchern über das arabische und internationale Kino. Für seine Leistungen und seinen Beitrag zum Filmdiskurs erhielt er die Cannes Film Festival Gold Medal 1997 und 2000 sowie Auszeichnungen für sein Lebenswerk beim Osian's-Cinefan Festival 2012 in Neu Delhi und 2013 beim Filmfestival in Dubai.

Die Verleihung der Berlinale Kamera an Samir Farid fand am 15. Februar 2017 im Berlinale Lunch Club statt. Die Laudatio hielt Journalist und FIPRESCI-Generalsekretär Klaus Eder.

Berlinale Kamera

Die Berlinale Kamera wird seit 1986 verliehen. Bis 2003 war der Berliner Juwelier David Goldberg Stifter dieser Auszeichnung. In den Jahren 2004 bis 2013 übernahm das Düsseldorfer Atelier Georg Hornemann Objects die Stiftung des Preises und im Rahmen der Berlinale 2008 wurde die Trophäe vom Goldschmiedekünstler Hornemann neu gestaltet: Die Berlinale Kamera besteht aus 128 Einzelteilen und ist einer realen Filmkamera nachempfunden. Viele der Silber- und Titanteile von Schwenkkopf bis Stativ sind beweglich.