Berlinale: Berlinale Residency


Berlinale Residency

Das Berlinale-Residency-Programm unterstützte internationale Autorenfilmer*innen, die bereits erste Erfolge auf Festivals und im Kino feiern konnten, bei der Entwicklung ihrer neuen Filmprojekte (Spielfilm, Dokumentarfilm oder Crossmedia). Nur Langfilmprojekte, an denen bereits offiziell ein Produzent*innen beteiligt war, konnten eingereicht werden.

Die Berlinale Residency bot den Teilnehmenden eine inspirierende Arbeitsatmosphäre, monatliche Meetings mit renommierten Drehbuchberater*innen und Treffen mit anderen Filmschaffenden. Während eines Workshops gegen Ende der Residency erhielten die Produzent*innen zudem konkretes Feedback von erfahrenen Branchenexpert*innen und Unterstützung bei der Vorbereitung der Projekte für den internationalen Markt. Im Februar kehrten die Filmemacher*innen nach Berlin zurück, um gemeinsam mit ihren Produzent*innen beim Berlinale Co-Production Market ihre Projekte potentiellen Co-Produzent*innen und Finanziers vorzustellen.

Die Berlinale Residency gab drei Filmemacher*innen die Chance, das Potential ihrer Projekte maximal auszuschöpfen, ohne dabei den kreativen Kern der Geschichte zu verwässern. Die Regisseur*innen erhielten ein monatliches Stipendium von je 1.500 Euro, das es ihnen ermöglichte, für die Dauer des dreimonatigen Programms in Berlin zu leben und zu arbeiten.

Die Berlinale Residency war eine Initiative der Internationalen Filmfestspiele Berlin, gefördert durch Medienboard Berlin-Brandenburg und Auswärtiges Amt.

Eine Jury – bestehend aus Jens Beiküfner (Auswärtiges Amt), Teresa Hoefert de Turegano (Medienboard Berlin-Brandenburg), Karsten Stöter (Rohfilm, Berlin) und Thomas Hailer (Berlinale-Kurator) - hat 2015 drei Filmschaffende mit ihren Langfilm-Projekten ausgewählt.

Daniel Borgman, Neuseeland / Dänemark: Loving Pia

Produzentin: Katja Adomeit (Adomeit Film, Dänemark)

Daniel Borgman wurde 1981 in Dunedin, Neuseeland geboren. Er studierte Filmwissenschaft an der dortigen Otago University. Im Anschluss zog er nach Europa und arbeitete zunächst als Postproduktionsassistent, später als Kolorist sowie im Bereich Visual Effects. 2009 begann er ein Studium an der dänischen Filmhochschule Super 16, das er mit einem experimentellen Live-Film-Theater-Happening unter dem Titel How to Say Goodbye abschloss. Seine erster Kurzfilm The Man & the Albatross feierte 2008 Premiere in Locarno. Ein Jahr später lief sein Kurzfilm Lars and Peter im Kurzfilmwettbewerb von Cannes. 2010 wurde sein nächster Kurzfilm Berik mit dem Kurzfilmpreis der Semaine de la Critique in Cannes ausgezeichnet. Sein erster abendfüllender Film The Weight of Elephants wurde 2013 im Berlinale Forum uraufgeführt. Loving Pia wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere im Berlinale Forum 2017.

Fernando Eimbcke, Mexiko: Diary of an Elephant

Produzent: Christian Valdelièvre (Cinepantera, Mexiko)

Fernando Eimbcke hat am Filminstitut der Universidad Nacional Autónoma de México studiert. 2003 wurde er zum Berlinale Talent Campus (seit 2014 Berlinale Talents) eingeladen und 2004 feierte er mit Temporada de Patos (Duck Season) sein Spielfilmdebüt. Nach der Weltpremiere beim Festival in Guadalajara, wurde er zur Semaine de la Critique in Cannes sowie zu zahlreichen weiteren internationalen Filmfestivals eingeladen. Mit Lake Tahoe nahm er 2008 am Wettbewerb der Berlinale teil, wo er den Silbernen Bären Alfred-Bauer-Preis und den FIPRESCI-Preis gewann.
2010 war er mit einem Beitrag zum Episodenfilm Revolución im Berlinale Special vertreten. Für Club Sandwich wurde er 2013 in San Sebastián und Turin ausgezeichnet.

Ella Manzheeva, Russland: Tachal

Produzentinnen: Victoria Lupik (Anniko Films, Russland) und Elena Glikman (Telesto Film Company, Russland)

Ella Manzheeva wurde 1981 in Elista in der südrussischen Republik Kalmückien geboren. Sie studierte zunächst Violine, anschließend Tonregie an der Saint Petersburg State University of Cinema and Television und schließlich Regie an den Moskauer High Courses for Scriptwriters and Film Directors. 2013 nahm Ella Manzheeva am Berlinale Talent Campus (seit 2014 Berlinale Talents) teil. Ihr erster abendfüllender Spielfilm Chaiki (The Gulls) feierte 2015 im Berlinale Forum Premiere.

Eine internationale Jury – Clare Binns, (Director of Programming and Acquisitions City Screen, Großbritannien), der Produzent Cedomir Kolar (Asap Film, Frankreich) und Thomas Hailer (Programm-Manager Berlinale, Deutschland) - hat 2013 eine Regisseurin und fünf Regisseure mit ihren Projekten ausgewählt:

Emir Baigazin, Kasachstan: The Wounded Angel

Produzenten: Beibit Muslimov und Anna Wilhelmi, Kazakhfilm Studios, Kasachstan; Augenschein Filmproduktion, Deutschland; Capricci Films, Frankreich.

Der 1984 in Kasachstan geborene Emir Baigazin studierte Film- und Fernsehregie an der Kazakh National Academy of Arts. 2007 nahm er an der Asian Film Academy in Pusan teil, 2008 wurde er zum Berlinale Talent Campus eingeladen. Der World Cinema Fund förderte seinen ersten Spielfilm Harmony Lessons, der seine Weltpremiere im Berlinale Wettbewerb 2013 feierte und mit dem Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung ausgezeichnet wurde. Der Film gilt als außergewöhnliche Entdeckung und wird nun auf weiteren internationalen Festivals präsentiert. The Wounded Angel wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere im Berlinale Panorama 2016.

Bence Fliegauf, Ungarn: House of Isaura

Produzent: Bence Fliegauf und Ernő Mesterházy, Fraktál Film, Ungarn

Der erste Spielfilm des ungarischen Filmemachers Bence Fliegauf, Forest, feierte seine Premiere 2003 im Forum der Berlinale. Ein Jahr später brachte ihm Dealer über 20 Auszeichnungen ein, darunter den FIPRESCI-Preis beim Mar del Plata Film Festival. 2007 gewann er mit Milky Way den Goldenen Leoparden in Locarno. Sein erster englischsprachiger Film, Womb, wurde in Locarno und in Toronto gezeigt. Der Berlinale Wettbewerb 2012 präsentierte Fliegaufs jüngsten Film Just the Wind, für den er den Großen Preis der Jury erhielt und der danach auf vielen weiteren Filmfestivals präsentiert wurde.

Alistair Banks Griffin, USA: Oyster (Arbeitstitel)

Produzent: Eric Overmyer, USA

Alistair Banks Griffin wurde 1978 in England geboren, ist in New Orleans aufgewachsen und studierte an der Rhode Island School of Design. Sein Kurzfilm Gauge (2008) wurde auf dem New York Film Festival uraufgeführt. 2009 erhielt er ein Cinereach Stipendium für seinen ersten Spielfilm Two Gates of Sleep, der 2010 in Cannes seine Premiere feierte und mit dem New Talent Grand PIX Award auf dem CPH:PIX Festival in Kopenhagen geehrt wurde. Der Film wurde auf zahlreichen internationalen Festivals und in Museen gezeigt.

Sebastián Lelio, Chile: A Fantastic Woman

Produzent: Juan de Dios Larraín, Fábula, Chile; Komplizenfilm, Deutschland; Participant Media, USA.

Der 1974 in Chile geborene Sebastián Lelio absolvierte sein Studium an der Escuela de Cine de Chile. 2006 stellte er seinen ersten Film La Sagrada Familia fertig, der viele Preise und internationale Aufmerksamkeit erhielt. Sein zweiter Film Navidad feierte 2009 in Cannes Premiere. El Año del Tigre, sein dritter Spielfilm, nahm 2011 am internationalen Wettbewerb in Locarno teil. Sein jüngster Film Gloria wurde als Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale 2013 gezeigt, wo er bei Publikum und Kritik gleichermaßen erfolgreich war und den Silbernen Bären für die Beste Darstellerin gewann. A Fantastic Woman wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere im Berlinale Wettbewerb 2017. Dort gewann er den Silbernen Bären für das Beste Drehbuch. Der Film ist für einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film 2018 nominiert.

Elina Psykou, Griechenland: Son of Sofia

Produzenten: Giorgos Karnavas, Heretic, Griechenland; Kinoelektron, Frankreich.

1977 geboren, studierte Elina Psykou in Athen Filmregie an der Lykourgos Stavrakos Film School und Soziologie an der Panteion Universität. Danach studierte sie Kulturgeschichte an der École des hautes études en sciences sociales in Paris. 2007 nahm sie am Berlinale Talent Campus teil. Sie schrieb das Drehbuch und führte Regie bei zwei Kurzfilmen: Sunday Trip (2004) und Summer Holidays (2006). Psykous erster Spielfilm The Eternal Return of Antonis Paraskevas, wurde mit dem Preis für Best Work in Progress beim Karlovy Vary International Film Festival ausgezeichnet und feierte 2013 seine Weltpremiere im Berlinale Forum. Son of Sofia wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere 2017 beim Tribeca Film Festival, wo er den Best International Narrative Feature Award gewann.

José Luis Valle, Mexiko: Operation Baby

Produzent: José Luis Valle, Caverna Cine, Mexiko

Der in El Salvador geborene José Luis Valle wurde mexikanischer Staatsbürger und studierte in Mexiko Literatur und Film. Sein Kurzfilm Chimera gewann die Kodak Film School Competition und erhielt eine Lobende Erwähnung beim Guadalajara International Film Festival 2006. In Locarno präsentierte er 2009 seine Dokumentation The Pope's Miracle. Valles erster Spielfilm Workers wurde vom World Cinema Fund gefördert und feierte 2013 im Berlinale Panorama Premiere. Beim 28. Guadalajara International Film Festival wurde Workers mit dem Preis für den Besten Mexikanischen Spielfilm ausgezeichnet.

Eine internationale Jury – Bruno Bettati (Produzent Jirafa Films und Festivalleiter Valdivia, Chile), Thomas Hailer (Programme Manager Berlinale, Deutschland), Simon Ofenloch (Redakteur ZDF/Arte, Deutschland), Michael Werner (Chairman Fortissimo Films, Hongkong) und Vibeke Windeløv (Produzentin Windeløv/Lassen, Dänemark) – hat 2012 zwei Regisseurinnen und vier Regisseure mit ihren Projekten für die erste Berlinale Residency ausgewählt:

Matías Bize, Chile: The Memory of Water

Drehbuch: Matías Bize und Julio Rojas
Produzenten: Adrian Solar (Ceneca Producciones, Chile) und Nicole Gerhards (NiKo Film, Deutschland)

Matías Bize ist Absolvent der Filmhochschule Escuela de Cine de Chile. Im Alter von 23 Jahren drehte er seinen Debütfilm Sábado: Das Hochzeitstape (2003), der an zahlreichen internationalen Festivals teilnahm und diverse Preise gewann. Im Jahr 2005 feierte Im Bett - En la cama Premiere auf dem Internationalen Filmfestival Locarno. Lo bueno de llorar (2007) wurde ebenfalls in Locarno uraufgeführt. Zuletzt führte Bize Regie bei La vida de los peces, der 2010 beim Internationalen Filmfestival Venedig gezeigt wurde. Der Film gewann später den Goya für den besten lateinamerikanischen Film. The Memory of Water wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere bei den Venice Days 2015.

Rebecca Daly, Irland: Mammal

Drehbuch: Rebecca Daly und Glenn Montgomery
Produzent: Macdara Kelleher (Fastnet Films, Irland); Les Films Fauves, Luxemburg; Rinkel Film, Niederlande

Im Anschluss an einen Bachelor in Englischer Literatur und einen Master in Film, drehte Rebecca Daly 2006 mit Joyriders ihren ersten Kurzfilm. Joyriders gewann den Irischen Filmpreis, bespielte zahlreiche internationale Festivals und wurde dort mehrfach ausgezeichnet. Ihr Kurzfilm Hum wurde im Rahmen des Berlinale Talent Campus als einer der Finalisten des Berlin Today Award 2010 produziert. Dalys erster Langfilm, The Other Side of Sleep, feierte 2011 in Cannes in der Sektion Directors’ Fortnight seine Premiere und gehörte außerdem zur offiziellen Auswahl des Internationalen Filmfestivals Toronto. Mammal wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere 2016 in der World Cinema Dramatic Competition von Sundance.

Samuel Maoz, Israel: Foxtrot

Drehbuch: Samuel Maoz
Produzent: Michael Weber (Pola Pandora, Deutschland)

Nach einer Ausbildung zum Kameramann an der Kunsthochschule in Tel Aviv, arbeitete Samuel Maoz zuerst als Production Designer für diverse Filme und TV-Dramen. Als Regisseur machte er sich zunächst mit Dokumentarfilmen einen Namen, bevor er 2007 mit seinem Spielfilmdebüt Lebanon den Goldenen Löwen in Venedig sowie zahlreiche weitere Preise gewann. Unter anderem erhielt Lebanon den Großen Preis der Jury und die Auszeichnung für das beste Drehbuch bei den Asia Pacific Screen Awards. 2010 gewann Samuel Maoz den Europäischen Filmpreis in der Kategorie European Discovery of the Year. Foxtrot wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere im Wettbewerb von Venedig 2018, wo er den Silbernen Löwen Großer Preis der Jury erhielt, um danach sieben Israelische Filmpreise zu gewinnen, darunter den für die Beste regie. Darüber hinaus war der Film in der Vorauswahl für einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film 2018.

Raya Martin, Philippinen: The Empire

Drehbuch: Raya Martin und Norman Wilwayco
Produzentin: Arleen Cuevas (Cinematografica, Philippinen)

Der im Jahr 1984 auf den Philippinen geborene Raya Martin, Teilnehmer des Berlinale Talent Campus 2005, hat bereits zahlreiche Kurz- und Langfilme gedreht. Sein Drama Now Showing wurde 2008 in Cannes in der Sektion Directors’ Fortnight gezeigt. Ein Jahr später schafften es gleich zwei seiner Werke, der vom World Cinema Fund geförderte Film Independencia, sowie Manila in das offizielle Programm des Cannes Filmfestivals 2009. Sein letzter Film, Buenas Noches, España, feierte 2011 in Locarno, wo Martin auch Mitglied der Jury für den internationalen Wettbewerb war, seine Premiere.

Rafi Pitts, Iran: Soy Nero

Drehbuch: Rafi Pitts und Razvan Radulescu
Produzent: Thanassis Karathanos (Twenty Twenty Vision, Deutschland); Senorita Films, Frankreich; Pimienta Films, Mexico; Schortcut, Libanon.

Rafi Pitts wurde 1967 in Iran geboren. Während des Ersten Golfkrieges floh er 1981 nach England, wo er 1991 sein Filmstudium abschloss. Sein erster Kurzfilm In Exile wurde noch im gleichen Jahr beim Internationalen Filmfestival London gezeigt. In den 90er Jahren zog Pitts nach Paris, wo er unter anderem als Regieassistent für Leos Carax, Jacques Doillon und Jean-Luc Godard arbeitete. Rafi Pitts Langfilmdebüt Die fünfte Jahreszeit lief 1997 beim Internationalen Filmfestival Venedig. Sein Film It’s Winter feierte im Berlinale Wettbewerb 2006 Premiere. Auch sein vom World Cinema Fund geförderter fünfter Spielfilm Zeit des Zorns lief 2010 im Berlinale Wettbewerb. Soy Nero wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere im Berlinale Wettbewerb 2016.

Sacha Polak, Niederlande: Zurich

Drehbuch: Helena van der Meulen
Produzentin: Marleen Slot (Viking Film, Niederlande); Rohfilm, Germany; A Private View, Belgien.

Luna ist das zweite Spielfilmprojekt von Regisseurin Sacha Polak. Ihr Debütfilm Hemel, der ebenfalls in Kooperation mit Drehbuchautorin Helena van der Meulen entstand, feierte im Berlinale Forum 2012 seine Premiere, wo er mit dem FIPRESCI Preis ausgezeichnet wurde. Polaks Abschlussfilm von der Netherlands Film and Television Academy, Teer (2006) wurde auf mehreren internationalen Filmfestivals gezeigt. Im Anschluss drehte sie die Kurzfilme El mourabbi (2007), Drang (2008), Onder de tafel (2008) und Broer, der ebenfalls 2012 in der Sektion Berlinale Generation 14plus gezeigt wurde. Sacha Polak nahm am Berlinale Talent Campus 2010 teil. Zurich wurde in der Berlinale Residency entwickelt und feierte seine Premiere im Berlinale Forum 2015.

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