Berlinale: Programm


Filmdatenblatt

Retrospektive

Verriegelte Zeit

Locked Up Time

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1990: Der Grenzübergang Wartha wird von Arbeitern, die ihn kurz zuvor noch ausbauten, abgerissen. 1985 wanderte die Regisseurin Sibylle Schönemann hier in die Bundesrepublik ein – als „amnestierte“, d. h. freigekaufte Strafgefangene aus der DDR. Denn ein Jahr zuvor hatte sie einen Ausreiseantrag gestellt und wurde daraufhin wegen „Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit“ verurteilt. In ihrem Film zeigt sie die Haftanstalten, in denen sie einsaß, und dokumentiert Gespräche mit Beteiligten ihres Strafverfahrens, darunter Richter, Schöffen und Vollzugsbeamte, Mitarbeiter der Staatssicherheit sowie ihr einstiger Vorgesetzter, der DEFA-Generaldirektor Mäde, und Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, der schließlich ihre Freilassung bewirkte. Doch nicht jeder ist gesprächsbereit … Aus einer unabweislich subjektiven Position offenbart Sibylle Schönemann die Wirkungsweise eines gesellschaftlichen Systems und erzählt im Dialog mit einer Mitgefangenen über den psychischen Druck und die Verletzungen, die er bewirkte. In beklemmenden Begegnungen, bei denen sich die Befragten selbst von aller Verantwortung für zugefügtes Unrecht freisprechen, stellt sie sich dem schmerzhaften Prozess der Aufarbeitung.

von
Sibylle Schönemann

Deutschland 1991

Deutsch

Dokumentarische Form
94’ · Schwarz-Weiß · 35 mm

Altersfreigabe FSK 0

Stab

Regie, Buch
Sibylle Schönemann
Dramaturgische Beratung
Tamara Trampe, Hannes Schönemann
Kamera
Thomas Plenert
Montage
Gudrun Steinbrück
Musik
Tamás Kahane
Ton
Ronald Gohlke
Produzenten
Bernd Burkhardt, Alfred Hürmer

Kopie: DEFA-Filmverleih in der Deutschen Kinemathek, Berlin