Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2017

Zusätzliches

16.01.2017:
Kino aus der Kälte: Berlinale NATIVe 2017 zeigt indigene Filme vom Polarkreis

NATIVe – A Journey into Indigenous Cinema legt 2017 den Fokus auf das indigene Kino der Arktis. Das Filmprogramm der Sonderreihe aus zehn Lang- und neun Kurzfilmen wird ergänzt durch mehrere Wortveranstaltungen.

Die Skolt-Sami Kaisa Gauriloff in Kuun metsän Kaisa (Kaisa’s Enchanted Forest) von Katja Gauriloff

NATIVe 2017 wird eröffnet mit einem Film aus dem Kulturraum der Sámi, dem einzigen indigenen Volk Europas: Kuun metsän Kaisa (Kaisa’s Enchanted Forest) von der finnischen Skolt-Sámi Regisseurin Katja Gauriloff aus dem Jahr 2016.

Kuun metsän Kaisa erzählt die Geschichte von Gauriloffs charismatischer Urgroßmutter Kaisa. Der persönliche und poetische Dokumentarfilm verwebt mühelos originale Bild- und Tonaufnahmen aus den 1930er bis 1970er Jahren, Erzählungen der Skolt-Sámi und Animationen. Er wird zum Zeugnis der bewegten Geschichte der Skolt-Sámi und ihrer Anstrengungen, die eigene Kultur angesichts der Umsiedlungen in Folge von Grenzverschiebungen im 20. Jahrhundert zu bewahren.

Assimilationsdruck und sozialer Wandel beeinflussen alle rund um den Polarkreis angesiedelten indigenen Völker, z.B. die Inuit in Kanada, die Grönländer, die Sámi in Nordeuropa und auf der russischen Kola-Halbinsel oder die Jakuten und Tschuktschen im ostsibirischen Teil der Russischen Föderation.

Nachhaltigkeit, Klimawandel, Entortung sowie Fragen indigener Rechte und indigener Selbstermächtigung sind weitere Themen, die die ausgewählten Filme aufgreifen. „Die klimatischen Veränderungen in der Arktis und die wirtschaftlichen Begehrlichkeiten westlicher Industrienationen stellen einen gravierenden Einschnitt in die Lebensrealitäten der indigenen Gemeinschaften vor Ort dar. Das Medium Film kann dabei helfen, sich zu positionieren und dem eigenen Standpunkt international Gehör zu verschaffen“, kommentiert NATIVe-Kuratorin Maryanne Redpath.

Auch Festivaldirektor Dieter Kosslick unterstreicht die Bedeutung des indigenen Kinos: „Mit jedem neuen regionalen Schwerpunkt zeigt NATIVe, wie vielfältig und kreativ das indigene Filmschaffen ist und wie sehr die Filme die internationale Filmlandschaft bereichern.“

Wie bereits in den vergangenen Jahren wird das Filmprogramm der Sonderreihe durch ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt. An zwei Nachmittagen finden in Kooperation mit der Botschaft von Kanada in deren Räumlichkeiten am Leipziger Platz Diskussionsrunden mit indigenen Filmschaffenden und internationalen Gästen, gefolgt von Filmvorführungen, statt.

Die Veranstaltung „Arctic Change, Indigenous Life, and Scientific Tracks in Sakha / Russia“ in Kooperation mit der Klimainitiative REKLIM am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und der DEKRA Hochschule für Medien stellt dem Berliner Publikum in Gesprächen und Kurzfilmen die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben und die Umwelt in Jakutien vor.

Zum ersten Mal wird NATIVe auch in der Sonderreihe Berlinale Goes Kiez mit einem zusätzlichen Screening des Dokumentarfilms Angry Inuk, der die Inuit-Perspektive auf das international kontrovers diskutierte Thema Robbenjagd eröffnet, vertreten sein.


Langfilme NATIVe:

24 Snega (24 Snow)
Von Mikhail Barynin, Russische Föderation 2016
Dokumentarische Form
Internationale Premiere
Sergei hat sein Leben der Pferdezucht gewidmet. Dafür nimmt er viele Entbehrungen in Kauf, denn der Winter in der sibirischen Taiga ist einsam und hart. Spektakuläre Filmaufnahmen vermitteln ein Gefühl für die eisige Kälte des Nomadenlebens in Sacha.

Angry Inuk
Von Alethea Arnaquq-Baril, Kanada 2016
Dokumentarische Form
Inuit protestierten oft leise gegen die vielen Bedrohungen ihrer Lebenswelt. Dieser Film erhebt seine Stimme gegen das Handelsverbot für Robbenfell und gegen westliche Vorurteile, welchen der kommerzielle Robbenfang der Inuit ausgesetzt ist.

Johogoi Aiyy (God Johogoi)
Von Sergei Potapov, Russische Föderation 2016
Dokumentarische Form
Internationale Premiere
Johogoi folgt dem Ruf des Pferdegottes und besucht das Sommerfestival der Sacha. Voller Begeisterung nimmt er an den dortigen Ritualen teil und hält unerschütterlich an dem Glauben fest, hier die Frau seiner Träume zu finden.

Jumalan morsian (A Bride of the Seventh Heaven)
Von Anastasia Lapsui, Markku Lehmuskallio, Finnland 2003
Mit Angelina Saraleta, Viktoria Hudi, Ljuba Filipova, Jevgeni Hudi
Bei ihrer Geburt wurde Syarda dem höchsten Gott der Nenzen als Braut versprochen. Bis ins hohe Alter bleibt das ihr Schicksal. Um ihre Einsamkeit zu lindern, erzählt sie einem Mädchen die Geschichte ihres entbehrungsreichen und doch selbstbestimmten Lebens.

Kniga Tundry. Povest' o Vukvukaye - Malen'kom Kamne. (The Tundra Book. A Tale of Vukvuka - the Little Rock.)
Von Aleksei Vakhrushev, Russische Föderation 2011
Dokumentarische Form
Der weise Vukvukai führt seine nomadische Tschuktschen-Gemeinschaft mit jugendlichem Tatendrang. Die Rentierhirten meistern das Leben im schneebedeckten Wunderland und trotzen dem Wetter und der russischen Politik.

Kuun metsän Kaisa (Kaisa’s Enchanted Forest)
Von Katja Gauriloff, Finnland 2016
Dokumentarische Form
Während seiner Reise zum Volk der Skolt-Sámi begegnet der Schweizer Autor Robert Crottet der charismatischen Erzählerin Kaisa. Mithilfe von seltenem Archivmaterial und Animationen zeichnet der Film die bewegte Geschichte der Skolt-Sámi nach.

Maliglutit (Searchers)
Von Zacharias Kunuk, Kanada 2016
Mit Benjamin Kunuk, Jocelyne Immaroitok, Karen Ivalu, Joseph Uttak
Europapremiere
Brutale Jäger zerstören das Leben einer Nomadenfamilie in Nunavut, indem sie die Frauen der Familie rauben. Familienoberhaupt Kuanana begibt sich auf einen Rachefeldzug. Ein poetischer Inuit-Western.

Sameblod (Sami Blood)
Von Amanda Kernell, Schweden 2016
Mit Lene Cecilia Sparrok, Mia Erika Sparrok, Maj Doris Rimpi, Julius Fleischanderl
Schweden in den 1930er-Jahren: Die junge Sámi Elle Marja erfährt die institutionelle Diskriminierung ihres Volkes, während sie versucht, aus dem traditionellen Leben der Sámi auszubrechen und ein akzeptiertes Mitglied der schwedischen Gesellschaft zu werden.

Seitsemän laulua tundralta (Seven Songs from the Tundra)
Von Anastasia Lapsui, Markku Lehmuskallio, Finnland 2000
Mit Vitalina Hudi, Hatjako Yzangi, Gregory Anaguritsi, Nadezhda Volodeeva
Sieben Episoden über die Nenzen, jeweils von einem Lied eingeführt. Einst ein freies Volk, sind sie jetzt der sowjetischen Herrschaft ausgesetzt, was ihre Identität und Kultur unwiederbringlich verändert. Ein emotionales, politisches Plädoyer.

SUME - Mumisitsinerup Nipaa (SUMÉ - The Sound of a Revolution)
Von Inuk Silis Høegh, Grönland / Dänemark / Norwegen 2014
Dokumentarische Form
Die Rockband SUME stellte in den 1970ern die grönländische Lebensrealität auf den Kopf: Songs in ihrer eigenen Sprache inspirierten die Grönländer dazu, gegen die Verhältnisse aufzubegehren. Dieser Film feiert ihre Revolution.


Kurzfilme NATIVe:

Bihttoš (Rebel)
Von Elle-Máijá Tailfeathers, Kanada / Norwegen 2014
Dokumentarische Form
Regisseurin Elle-Máijá Tailfeathers reflektiert die Beziehung zu ihrem Vater, dessen Krankheit das Leben der Familie beeinflusste. Dafür zeichnet sie die Liebesgeschichte ihrer Eltern nach, die in Sápmi begann.

Half&half
Von Aka Hansen, Dänemark / Grönland 2014
Dokumentarische Form
Aka Hansen geht der Frage nach, wie andere sie wahrnehmen und was das mit ihrer Herkunft zu tun hat. Anders als der Bildschirm lässt sich Identität nicht sauber in zwei Hälften teilen.

Nowhere Land
Von Rosie Bonnie Ammaaq, Kanada 2015
Dokumentarische Form
Zwangsumsiedlung, die Abkehr von traditionellen Inuit-Lebensweisen und die durch Wirtschaftsinteressen verursachten Veränderungen des Heimatlandes – Rosie Bonnie Ammaaq richtet den Blick in die Kamera und teilt ihren Schmerz.

Ogo Kuyuurduu Turara (Boy and Lake)
Von Prokopyi Nogovitsyn, Russische Föderation 2003
Mit Slava Titov, Roman Danilov, Vladimir Krivoshapkin
Es ist harte Arbeit, an einem vereisten Fluss in Sacha auf Fischfang zu gehen. Ein Junge macht daraus ein meditatives Ritual, das ihn in eine magische Traumwelt entführt.

Sámi Boddu (Sámi Moment)
Von Ken Are Bongo, Norwegen 2011
Mit Nils Henrik Buljo, Svein Birger Olsen
Zwei Männer in der winterlichen Tundra: Man trifft sich und genießt die Weite des Horizonts. Nur eine leichte Brise, eine Zigarette und ein knappes Gespräch unterbrechen die Stille.

Sikumi (On the Ice)
Von Andrew Okpeaha MacLean, USA 2008
Mit Brad Weyiouanna, Tony Bryant, Olemaun Rexford
Der Jäger Apuna wird Zeuge eines Streits, der tödlich endet und ihn in Gewissenskonflikte stürzt. Wird die Wahrheit für ewig auf dem Eis bleiben?

Sloth
Von Alethea Arnaquq-Baril, Kanada 2011
Mit Bryan Pearson
Eine gewitzte Skizze über die Inuit, die Vorurteile aufs Korn nimmt.

Tungijuq
Von Félix Lajeunesse, Paul Raphaël, Kanada 2009
Mit Tanya Tagaq, Zacharias Kunuk
Ein künstlerisches Statement zur Jagd: In einem fantastischen Universum aus Eis und zu den Klängen des Inuit Throat Singing feiert der Film diesen überlebenswichtigen Akt.

Vor dem Schnee
Von Christian Vagt, Deutschland 2007
Dokumentarische Form
Mystisches und Übernatürliches – Josif Kechimov, Yuri Vella und Agrafena Pesikova erzählen Geschichten aus Westsibirien. Ein Einblick in die Kulturen der Khanty und Nenzen.


Presseabteilung
16. Januar 2017

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