Berlinale: Programm


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Kartoshka

Potato

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Ein russisches Sprichwort lautet: „Die Kartoffel ist unser zweites Brot.“ In den ärmeren Provinzen des Landes sind Kartoffeln seit jeher ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Für Nadezhda Konstantinovna, die Protagonistin des Films, waren sie schon immer mehr als nur Nahrung; ihr ganzes Leben dreht sich um sie: Sähen im Frühjahr, pflegen im Sommer, ernten im Herbst. All das nur, um den langen kalten Winter zu überstehen. Im neuen Russland, wo Lebensmittel-Embargos existieren und illegale Nahrungsimporte direkt hinter der Grenze verbrannt werden, ist dieses Thema heute relevanter denn je. Kartoshka zeigt Parallelen zwischen der heutigen Situation und der Hungersnot in der Volga-Region in den 1920er Jahren, die ausbrach, als die Regierung im Zuge von Kriegsvorbereitungen der Bevölkerung das Essen wegnahm und sie dem Hunger überließ. Dank dieser historischen Perspektive kann man sagen, dass das blinde Vertrauen der russischen Bevölkerung in Regierungsversprechen heute fast der Hoffnung auf ein Wunder gleichkommt – einer Hoffnung, die jedoch sehr wenig zur täglichen Stabilität und Lebensqualität beiträgt. Den muffigen Kartoffeln in Nadezhdas Keller wachsen allmählich dornige, giftige Triebe.
Lyusya Matveeva

Russische Föderation 2015, 21 Min

von

Lyusya Matveeva

mit

Liudmila Smirnova