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Le Fils de Joseph

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Sommer in Paris. Der 15-jährige Vincent weigert sich, wie seine Mitschüler Ratten zu quälen oder Sperma übers Internet zu verkaufen. Er wächst bei seiner alleinerziehenden Mutter Marie auf und will endlich wissen, wer sein Vater ist. Seine Recherchen führen ihn zu einem berühmten Verleger mit überaus unsympathischem Charakter. Als er dessen Bruder Joseph kennenlernt, ändert sich sein Leben von Grund auf.
In einem genuin zeitgenössischen Setting platziert Eugène Green wie selbstverständlich biblische Motive um Abraham und Isaak sowie Maria und Josef, außerdem Kriminalfilm-Elemente, italienische Barockmusik, eine Fotografie von Doisneau, drei Gemälde aus dem 17. Jahrhundert und eine artifizielle Form von Sprache, die alles andere als kontemporär ist. Die Figuren, hineingestellt in die Komposition der Bilder, blicken frontal in die Kamera, ihre Diktion ist tadellos artikuliert; was es zu sagen gibt, und das ist viel, tragen sie ungerührt als Deklamationen vor. Nebenbei finden sich Seitenhiebe auf den Literaturbetrieb und die Bio-Bobos. Heiliger Ernst steht hier neben schräger Komik, Theologisches neben Karikaturalem. Ein verblüffender Film, anachronistisch und innovativ zugleich.

Frankreich / Belgien 2016, 115 Min

von

Eugène Green

mit

Victor Ezenfis
Natacha Régnier
Fabrizio Rongione
Mathieu Amalric

Weltvertrieb

Les Films du Losange