Berlinale: Programm


Filmdatenblatt

Retrospektive

Fräulein Schmetterling

Miss Butterfly

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Helene Raupe, 18 Jahre alt, und ihre kleine Schwester Asta geraten nach dem Tode ihres Vaters unter das Kuratel des Ostberliner Jugendamts. In der ihr verordneten Berufstätigkeit als Fischverkäuferin, in einem Modesalon und als Busschaffnerin versagt Helene kläglich. Sehr viel lieber »entpuppt« sich die junge Frau in ihrer Fantasiewelt, indem sie der tristen Normalität spielerisch entflieht … Nicht nur die Besetzung mit der Pantomimin Melania Jakubisková rückte Fräulein Schmetterling in die Nähe der tschechischen Neuen Welle. In ihrem nach Vorbildern von Věra Chytilová als »Gegenwartsmärchen« konzipierten Film wollten die Autoren Christa und Gerhard Wolf dem Lebensgefühl junger Leute in der DDR Ausdruck verleihen. Realistische Alltagsszenen, aufgenommen mit versteckter Kamera und verborgenem Mikrofon, kontrastierten mit poetischen Passagen. Ebenso krass war der Kontrast zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Arbeitsvermittler Himmelblau: »Die jungen Leute heute verlangen ja schon den reinsten Kommunismus!« Die Fertigstellung des Films wurde 1966 abgebrochen, erst 2005 wurde das überlieferte Material chronologisch montiert.

Deutschland (DDR 1949 bis 1990) 1965-1966/Deutschland 2005, 118 Min

von

Kurt Barthel

mit

Melania Jakubisková
Christa Heiser
Carola Braunbock
Milan Sladek