Berlinale: Programm


Filmdatenblatt

Retrospektive

Karla

Carla

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Mit Elan, mit Idealismus und, ja, mit einer gehörigen Portion Naivität tritt die frischgebackene Lehrerin Karla vor ihre erste Klasse. Nicht Stoff will sie vermitteln, sondern Lernen will sie lehren. Zu ehrlichen, denkenden, kritischen Menschen will sie ihre Schüler erziehen. Schnell merkt sie, wie verbogen, wie opportunistisch ihre Abiturienten schon sind. Karla fordert sie heraus, provoziert, lockt sie aus der Reserve, und hat damit Erfolg. Vom Lehrerkollektiv argwöhnisch beobachtet, genießt sie die Unterstützung ihres Direktors Ali Hirte. Ihre neue Liebe Kaspar, einer, der sich schon mal verbrannt hat, ist skeptisch angesichts ihres Eifers. Und es sieht so aus, als sollte er Recht behalten: Mit der Zeit wird auch Karla domestiziert. Aber sie ist keine, die man so einfach abschreiben sollte … Karla nimmt das Jugendkommuniqué ernst, mit dem das Politbüro 1963 eine Liberalisierung der Jugendpolitik propagiert hatte. Bis der Film abgedreht war, hatte sich der Wind jedoch gedreht. Schon vor dem 11. Plenum regte der Studiodirektor an, die anstehenden Synchronarbeiten aufzuschieben. Es folgten langwierige Änderungen, Verstümmelungen, schließlich 1966 das Verbot des Films.

Deutschland (DDR 1949 bis 1990) 1965-1966/1990, 128 Min

von

Herrmann Zschoche

mit

Jutta Hoffmann
Jürgen Hentsch
Hans Hardt-Hardtloff
Inge Keller