Berlinale: Berlinale Themen


Berlinale Goes Kiez 2010

Beim 60. Jubiläum feierte die Berlinale nicht nur mit dem Publikum, sondern wollte auch dem Kino eine Hommage erweisen. Mit „Berlinale Goes Kiez“ brachte das Festival den Fliegenden Roten Teppich in die Programmkinos der Berliner Kieze: Von Weißensee bis Zehlendorf besuchte das Film-Festival vom 12. bis zum 21. Februar an zehn Abenden jeweils ein Kiez-Kino. Pro Abend wurden zwei Filme aus unterschiedlichen Sektionen des Festivals gezeigt und bei einer Galavorstellung der rote Teppich für das Filmteam ausgerollt. Jeweils ein prominenter Berliner Filmschaffender begrüßte als Kinopate die Gäste und stellte die Filme vor. Das Publikum erhielt so die einmalige Gelegenheit, im eigenen Kiez-Kino Berlinale-Filme und deren Stars zu sehen und vor der eigenen Haustür Festivalatmosphäre zu schnuppern.

„Berlinale Goes Kiez“ wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt.

Die in Steglitz gelegenen Adria Lichtspiele entstanden 1952 unter Anleitung des Architekten Hans Bielenberg. Sowohl die Kassenhalle als auch das Foyer, die wie der Kinosaal zuletzt 1989 saniert wurden, sind im Stil der 50er Jahre gehalten und zeugen mit ihren vielen kleinen historischen Details von liebevoller Pflege. Hierbei besonders hervorzuheben und einmalig in Berlin sind das historische Plakat "Mach Dir ein paar schöne Stunden, geh ins Adria", sowie die Bodenfliesen und der blaue Teppich mit den Adria-Schriftzügen.
Kinopate: Andreas Dresen

Das Capitol Dahlem, in Zehlendorf gelegen, existiert seit 1946, und ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Nicht nur, weil es fast versteckt zwischen umgrünten Großstadtvillen und Gebäuden der Freien Universität liegt: das Kino entstand aus dem Vorführsaal der Villa von Carl Frölich, dem Präsidenten der Reichsfilmkammer. Der im hinteren Bereich des Foyers stehende alte "Zeiss/Ikon"-Projektor, ein Scheinwerfer und alte Filmplakate verleihen dem Kino, das 1994 von der Yorck-Kinogruppe übernommen wurde, den Charme einer herrschaftlichen Altbauwohnung.
Kinopate: Hans-Christoph Blumenberg

1912 eröffnet, gelten die Eva Lichtspiele als ältestes Filmtheater Wilmersdorfs. In den 20er Jahren wurden hier die Filme, zunächst durch eine Violinistin und später durch ein ganzes Orchester, mit Musikbegleitung präsentiert. Da das Kino im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigt wurde, konnte der Betrieb durchgehend aufrechterhalten werden. Viele feine Einzelheiten des Gebäudes, wie beispielsweise der elegante Neonschriftzug an der Fassade, sind noch heute erhalten. Das gepflegte Ambiente wird durch die familiäre Atmosphäre im Kino noch verstärkt: so werden zum Beispiel Zuspätkommende mit einer kleinen Taschenlampe zu ihren Plätzen geleitet.
Kinopate: Sebastian Schipper

Hackesche Höfe Kino

Das Hackesche Höfe Kino, im Dachgeschoss des ersten Hofs der Hackeschen Höfe in Berlin-Mitte gelegen, wurde im Mai 1996 gegründet. Erst 2009 überarbeitet, reflektiert sowohl das Informationsangebot vor Ort als auch der Internetauftritt den starken Fokus des Kinos auf Inhalte, der sich nicht zuletzt im Kinoprogramm widerspiegelt. Europäisches Arthaus-Kino sowie deutsche Filmkunst, deutsche und internationale Dokumentarfilme, US-amerikanische Independents und Zeugnisse des künstlerischen Filmschaffens aus der ganzen Welt bilden das vielschichtige Programm des Hauses.
Kinopate: Tom Tykwer

Um das älteste Kino Deutschlands ranken sich viele Legenden. So soll hier das Wort Kintopp entstanden sein, benannt nach seinem ersten Besitzer Alfred Topp, der das Kino 1907 im Veranstaltungssaal seiner Gaststätte einrichtete. Unter Manfred Salzgeber wurde das Kreuzberger Kino zu einem der ersten Programmkinos; mit Wieland Speck, Blixa Bargeld, Elser Maxwell und später Tom Tykwer entwickelte es sich seit den 80er Jahren zu einem der Künstlertreffpunkte Berlins. Seit langem steht das Moviemento für Kreativität, innovative Ideen und Einfallsreichtum. Auch wer heute noch das gemütliche Foyer betritt, kann sich nie sicher sein, ob er nicht dem nächsten Tom Tykwer begegnet.
Kinopate: Claus Boje

Die Charlottenburger Neue Kant Kinos, aus einem ehemaligen Hotel entstanden, gibt es bereits seit 1912; damit gehört es zu den ältesten Kinos Berlins. Es hat mit einer wechselvollen Geschichte aufzuwarten: in den 80er Jahren war es eine der Institutionen der Punk und New Wave Bewegung – u.a. spielten David Bowie, Joy Division, The Police und Siouxsie & the Banshees hier. Nach einer aufwändigen Renovierung im Jahr 1996 wurden die Kant Kinos 2002 von Gerhard Groß und Burkhard Voiges übernommen. Mit seiner Neufokussierung auf deutsche, europäische, aber auch lateinamerikanische und US-amerikanische Filmkunst konnte sich das Kino wieder fest im Berliner Arthouse-Segment etablieren.
Kinopate: Hans-Christian Schmid

Das Neue Off, das im Jahr 1919 in Betrieb genommen wurde und zunächst Varieté, Volkstheater und Ballsaal in einem war, wurde 1926 zum Kino umgebaut. 1979 von der Yorck-Gruppe übernommen, wurde es im Jahr 1998 komplett restauriert, und ist in liebevollem 50er Jahre Design gehalten. Dabei fallen vor allem die wiederhergestellte Deckenfriese, die stoffbespannten Wände sowie der original-rote Sarotti-Tresen aus den 50ern ins Auge. Seit 2007 ist das Neue Off unter anderem Veranstaltungsort der Türkischen Filmwoche.
Kinopate: Christian Petzold

Das Schöneberger Odeon, 1950 als Filmbühne Sylvia erbaut, wurde 1982 von der Yorck-Kinogruppe übernommen und drei Jahre später umbenannt. Das Kino, das seitdem hauptsächlich englischsprachige Filme in der OV zeigt, aber auch alljährlich die französische Filmreihe Cinéfête zeigt, atmet nostalgisch-amerikanisches Flair. Das zeigt sich unter anderem an der "Celebrity Wall", mit der monatlich an die Geburtstage großer Filmstars erinnert wird.
Kinopate: Wim Wenders

Das in Weißensee ansässige Kino Toni hat eine lange Tradition; bereits 1919 wurde es als Stummfilmkino eröffnet – damals eine Sensation. Das Toni, das zunächst halb Kino und halb Wohnhaus war, wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, musste jedoch unter sowjetischer Kommandantur renoviert werden und stellte bald mit neuer bemalter Leinwand und beleuchteten Schaukästen den Hingucker am Antonplatz dar. 1979 ging das denkmalgeschützte Toni als letztes Kino Ostberlins vom Privatbesitz in Volkseigentum über, und wurde nach der Wende vom Regisseur Michael Verhoeven erworben, der es 1995/96 renovieren ließ und um den kleineren Saal Tonino erweiterte.
Kinopaten: Michael Verhoeven und Senta Berger

Das Union Filmtheater entstand 1913 aus dem Musiksaal eines Restaurants. 1994 erwarb Wolfgang Lippert das Kino, musste es jedoch 1998 aufgrund von Problemen mit etwaigen Treuhandliegendgesellschaften schließen. Erst 2001 wurde der Erhalt des Kinos gesichert, aber es dauerte weitere zwei Jahre, bevor das Union unter der Federführung von Matthias Stütz wieder Filme zeigen konnte. Das Kino unterscheidet sich nicht nur hinsichtlich seiner Programmvielfalt von anderen Filmtheatern; darüber hinaus wird der Saal seitdem auch als Mehrzwecksaal genutzt, in dem Partys, Lesungen und Konzerte stattfinden.
Kinopatin: Katrin Saß