Berlinale: Berlinale Themen


Kulinarisches Kino:
Essen im Unterricht

Benny hat in Essen eine Zwei, weil ihr Blumenkohl gar war. Eine Eins hat Solmaz bekommen, weil sie Romanesco angebaut hat und außerdem die Raupen einsammelte. „Essen“ nennen die Schüler das Fach, aber es heißt offiziell Gartenkunde, Kochen und Hauswirtschaft. Es ist ein reguläres Unterrichtsfach der Gesamtschule... und hier wird klar, dass ein Fach wie dieses eine Zukunftsvision in Deutschland ist.

Als Edible Schoolyard (Essbarer Schulhof) ist dieses Programm in den USA schon Wirklichkeit. Alice Waters initiierte es vor 15 Jahren in Berkeley, wo sie auch das Restaurant Chez Panisse betreibt. Inzwischen ist die Schulgartenidee bis nach Washington ins Weiße Haus geweht. Hier hat Michelle Obama mit Schülern einen Garten angelegt. Mit dem Gemüse wird zu Hause und auch bei Staatsempfängen gekocht.

Dieter Kosslick und Alice Waters

In Berlin setzt sich Festivaldirektor Dieter Kosslick für Schulgartenprojekte ein und hofft auf viele Mitstreiter, „damit wir auch die Jungs und Mädels erreichen, bei denen zu Hause überhaupt nicht mehr gekocht wird. Die große Ideengeberin ist Alice Waters. Gemeinsam wird geerntet, gekocht und gegessen. Letzteres sitzend und länger als 30 Sekunden.“

Das Kulinarische Kino geht mit gutem Beispiel voran und bringt auch Lebensmittel aus Schulgärten auf den Teller. Alf Wagenzink, Küchendirektor des InterConti Berlin und Gastronomischer Leiter des Kulinarischen Kinos, erntete mit den jungen GärtnerInnen des Schul-Umwelt-Zentrum Mitte (SUZ) im Sommer Tomaten und Pflaumen und weckte sie ein. Sternekoch Thomas Kammeier vom Hugos erprobte mit Festivaldirektor Dieter Kosslick Gemüse aus dem SUZ für eine Brandade mit Kabeljau. Das Ergebnis schmeckte lecker, aber die Zubereitung ist nicht so einfach, wie es aussieht. Der kleine Film Kosslick kocht dokumentiert den Versuch.