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Sunny Land

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Es gibt unzählige Sun Citys auf der Welt. Die vielleicht berühmteste, sicher aber bizarrste ist die Sun City in Südafrika – ein riesiges Ressort, mit Disco und Casino und Swimmingpools, zwei Autostunden nördlich von Johannesburg. Es wurde in den 80er Jahren gebaut, als das Apartheidsystem jede Begegnung zwischen Schwarz und Weiß zu verhindern suchte. Außer: in Sun City. Unter dem Vorzeichen vermeintlich unpolitischen Entertainments entstand hier ein touristisches Labor für radikale politische Experimente bzw. eine real-irreale "Zone". Es ist das Verdienst des Films, sie als solche erkennbar zu machen.

Klug und unterhaltsam werden die merkwürdigsten Archivbilder ans Licht gezerrt, eine Besucherin erinnert sich an eine Frank-Sinatra-Show, ein fiktiver Besucher namens Hans wirkt wesentlich ernsthafter als die völlig absurde deutsche TV-Reportage über einen Miss-World-Wettbewerb inmitten eines Landes im Bürgerkrieg. Dessen Ende und der historische Wahlsieg des ANC 1994 gingen verblüffend spurlos an Sun City vorbei. Sunny Land ist das Gegenteil einer biederen Dokumentation über einen finsteren Ort südafrikanischer Vergangenheit – er funktioniert eher wie eine psychedelische Filmdroge mit bewusstseinserweiternder Wirkung im Hier und Heute

Deutschland / Südafrika 2010, 87 Min

von

Aljoscha Weskott, Marietta Kesting

Weltvertrieb

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