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Double Tide

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Zweimal täglich zieht die Muschelsammlerin ihren schweren Arbeitsschlitten ins Watt. Einmal während die Sonne die Landschaft aus dem Morgendunst auftauchen lässt, ein zweites Mal, wenn sie sie abends in leuchtende Farben taucht. Jeweils 45 Minuten dauert ihr Weg vom Ufer in die endlose Weite des verebbten Meeres und zurück, 45 Minuten, in denen sich das flache Bild der Leinwand in die Tiefe ausdehnt. Während sie langsam durch das Watt watet, bückt sie sich alle paar Meter, um ihre gummibehandschuhten Arme tief die Erde zu bohren. Das schmatzende Geräusch, das dabei entsteht, hat etwas ungeheuer Körpernahes im Verhältnis zum entfernten Vogelgezwitscher und einem gelegentlich aus dem Nebel ertönenden Schiffshorn. Ehe die Muschelsammlerin ihre Ernte an Land bringt, entfernt sie bedächtig den Schlick von ihrem Schlitten. Double Tide, Sharon Lockharts vierter Film über Arbeit ("Nō", "Lunch Break", "Exit") führt uns einen Beruf vor, der den meisten von uns ebenso unbekannt ist wie die Tatsache, dass die Ebbe in Maine nur an wenigen Tagen zweimal bei Sonnenlicht eintritt. Die Zeichnung des körperlich harten Arbeitsalltags geht mit den poetischen Landschaftsbildern und -tönen eine eigenartige Verbindung ein, wie zwei Magnete, die sich gegenseitig anziehen und abstoßen.

USA / Österreich 2009, 99 Min

von

Sharon Lockhart