Berlinale: Programm


Filmdatenblatt

Perspektive Deutsches Kino

Alle meine Väter

All My Fathers

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Jan Raiber begibt sich auf eine Identitätssuche, auf der er den schon längst fälligen Kontakt zu seinem leiblichen Vater herstellen möchte. Für viele Kinder aus Patchwork-Familien ist dies ein Schritt, der irgendwann zu gehen ist. Doch warum wurde das Thema immer totgeschwiegen?
Jan konfrontiert die Geschwister, Eltern und Großeltern mit seinem Vorhaben und auch mit dem Plan, es in einem Film festzuhalten. Die Kamera gibt ihm Halt und Mut, der Auseinandersetzung nicht zum wiederholten Male zu entfliehen. Der Bruder ist schockiert, nur Halbbruder zu sein, die Großeltern sind sich nicht sicher, ob der Vater sich freuen wird, und die Mutter will nicht gefilmt werden. Jan steht am Gartenzaun seines Erzeugers, traut sich aber in den Garten nicht hinein. Alte Träume und verschüttete Erinnerungen werden wach.
Dann kommt ein Brief der Mutter, der aufklären soll, die Verwirrung jedoch nur größer macht. Der Film fängt noch einmal bei null an. Um die Vergangenheit zu verstehen, muss Jan zunächst die Umstände während der Jugend seiner Mutter verstehen, das Verhältnis zu ihren Eltern, die ewige Kontrolle und Einflussnahme, die Situation des jungen Paares in der DDR, das Auftauchen des zweiten Mannes – Jans sozialem Vater.
Doch wie geht’s weiter? Noch gab es kein Treffen mit dem leiblichen Vater. Wie soll man vorgehen? Wem könnte das schaden? Soll man nicht doch alles so belassen, wie es ist? Jan muss sich durch einen Sumpf von gutgemeinten Ratschlägen und Verboten kämpfen, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Die Mutter unterstützt ihn. Für ihren Sohn überwindet sie ihre Angst und stellt sich der Konfrontation mit der längst verdrängten Vergangenheit.

Deutschland 2009, 89 Min

von

Jan Raiber