Berlinale: Programm


Filmdatenblatt

Perspektive Deutsches Kino

Osdorf

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OSDORF

Die Hochhaussiedlung Osdorfer Born im Westen Hamburgs gilt als sozialer Brennpunkt mit großer Arbeitslosigkeit, hoher Kriminalitätsrate, hohem Ausländeranteil. Wer hier wohnt, dem bleibt oft kaum mehr als der Stolz auf die Ghetto-Identität, die ein Großteil der Jugendlichen verbindet. Spezifisch für das Leben der Jungs im Ghetto einer deutschen Großstadt ist das Gefühl, gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein und kaum Chancen zu haben. Dieses Gefühl kompensieren sie mit Lokalpatriotismus, Machogehabe und Kriminalität. OSDORF ist ein dokumentarisches Porträt jugendlicher Migranten eines deutschen Großstadtghettos.
Maja Classen: "Der Einfluss der Medien auf die Identitätsbildung der Jugendlichen ist allgegenwärtig. Die Jungs reproduzieren US-Rap, imitieren Styles, Posen, sexistische und gewaltverherrlichende Inhalte. Sie sammeln stolz ihre Fotos, Handyfilme und Zeitungsausschnitte als Trophäen ihrer Ghettogangster-Identität. Dennoch ist es uns gelungen, die Hürde zwischen Team und Protagonisten aufzubrechen und Vertrauen herzustellen. Es bleibt nicht bei dem Angebergehabe. Als die Jungs merken, dass wir uns wirklich für sie interessieren, gibt es Momente, in denen sie Schwäche zeigen, weich werden, zweifeln. Sie gestehen, dass sie eigentlich von einem anderen Leben träumen. Alican sagt es so: ,Ich habe früher Scheiße gebaut, um meinen Namen hoch zu machen. So was wollte ich hinkriegen und so was in der Art habe ich auch hingekriegt. Viele Leute haben sehr viel Respekt vor mir.'"

Deutschland 2007, 77 Min

von

Maja Classen