Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2006

Perspektive Deutsches Kino

20.01.2006:
Programm der Perspektive Deutsches Kino komplett

Zwischen Armut und Lebensmut – Filme von Newcomern, Quereinsteigern und Autodidakten

Die Lust am filmischen Abenteuer in der Generation der Newcomer, Quereinsteiger und Autodidakten hat offensichtlich zugenommen. Das diesjährige Programm der Perspektive Deutsches Kino umfasst zwölf Filme und zeichnet sich durch ein besonders breites Spektrum an Formen und Inhalten aus.

Der Schauspieler Zsolt Bács (Baader) konnte für seine erste Regiearbeit Esperanza einige bekannte Kollegen gewinnen, darunter Anna Thalbach, Mavie Hörbiger, Frank Giering, Boris Aljinovic und Gojko Mitic. Vor der Kulisse eines maroden Luxusdampfers auf der Fahrt in ein neues Jahr, verhandelt ein Häufchen skurriler Figuren die Dinge des Lebens, der Liebe und des Sterbens.

Einen anderen Feiertag verbringen die Protagonisten in Markus Herlings märchenhaftem Berlin-Drama Schöner Leben. Seine Figuren – unter anderen gespielt von Isabella Parkinson, Max Herbrechter und Karin Düwel – erleben in verschiedenen Episoden den Heiligen Abend als Drahtseilakt zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Armut und Lebensmut.

In Berlin spielt auch Auszeit, die Geschichte des joblosen Werbers Wilms (Godehard Giese), den der Zuschauer verdächtigt, eine junge Frau ermordet zu haben. Der 30minütige Film der Regisseurin Jules Herrmann von der HFF Potsdam-Babelsberg erzählt raffiniert und atmosphärisch packend einen Tag aus dem Leben eines Mannes mit Vergangenheit und ohne Zukunft.

Auch in Halle sind die Zukunftsaussichten nicht rosig. Dort steht das Hochhaus, in dem der Student der Ludwigsburger Filmakademie Nikias Chryssos seine ebenso beklemmend wie fantasievoll inszenierte Geschichte zweier junger Brüder in einer brutalen Welt ohne Erwachsene angesiedelt hat. Ein spannender Film zum Thema Kinderarmut.

Kindheit als Element eines poetischen Konzepts steht im Mittelpunkt eines filmischen Experimentes des Produzenten Lars Büchel (Erbsen auf halb sechs). Der Kino- und Werbefilm-Regisseur hat die jungen Filmemacher Friederike Jehn, Sebastian Stern, Jens Schillmöller und Lale Nalpantoglu ein Gedicht des Kieler Schriftstellers Arne Rautenberg in vier Versionen verfilmen lassen. Nichts weiter als ist ein 25minütiger Episodenfilm der anderen Art.

Das Prinzip des Episodischen deutet Dietrich Brüggemanns Neun Szenen schon durch den Titel an. Der Potsdamer Regiestudent lässt Vertreter seiner Generation in neun Plansequenzen pointiert diskutieren und erleben, was sie bewegt oder vom Wesentlichen ablenkt. Ko-Autorin des Films ist übrigens die Schauspielerin Anna Brüggemann, die Schwester des Regisseurs.

Eine Familie als Mikrokosmos einer Gesellschaft, in der jeder jedem etwas vormacht, steht im Mittelpunkt des eindringlich inszenierten Dramas Vier Fenster von Christian Moris Müller. In der Koproduktion der Filmhochschulen von Babelsberg und München spielen Margarita Broich, Thorsten Merten und Frank Droese.

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft darf auch im Programm der Perspektive ein Beitrag zum Thema nicht fehlen. In ihrem Dokumentarfilm Warum halb vier? beschreiben die Brüder Lars und Axel Pape (der eine als Regisseur, der andere als Produzent) das Phänomen Fußball in seiner gesellschaftlichen, philosophischen und zwischenmenschlichen Dimension. Dabei geht es nicht um das Spiel an sich, sondern darum, was es auslösen kann – an Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen, Gewalt oder Freundschaft.

Auch in diesem Jahr wird wieder der von TV5 Monde und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk gestiftete Preis Dialogue en Perspective vergeben.

Die Filme der Sektion Perspektive Deutsches Kino 2006

- Auszeit (Time Out) von Jules Herrmann

- Der die Tollkirsche ausgräbt (Digging For Belladonna) von Franka Potente

- Esperanza von Zsolt Bács

- Hochhaus (Towerblock) von Nikias Chryssos

- Katharina Bullin – Und ich dachte ich wär’ die Größte (Katharina Bullin – And I Thought I Was the Greatest) von Marcus Welsch

- Der Lebensversicherer (Running On Empty) von Bülent Akinci

- Nichts weiter als (Nothing More Than) von Friederike Jehn, Sebastian Stern, Jens Schillmöller, Lale Nalpantoglu und Lars Büchel

- Schöner leben (Riding Up Front) von Markus Herling

- Vier Fenster (Four Windows) von Christian Moris Müller

- Warum halb Vier? (why tree.thirty – you´ll never walk alone) von Lars Pape

- Wholetrain von Florian Gaag

Perspektive Deutsches Kino Spezial am Berlinale Kinotag (19. Februar)

- Neun Szenen (Nine Takes) von Dietrich Brüggemann

Presseabteilung

20. Januar 2006