Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2006

World Cinema Fund

02.11.2005:
World Cinema Fund: Positive Bilanz zum ersten Geburtstag und neue Förderprojekte

Mit der dritten Förderrunde schließt der World Cinema Fund (WCF) ein erfolgreiches erstes Jahr ab. Seit seiner Gründung im Oktober 2004 wurden 367 Projekte aus 52 Ländern der Schwerpunktregionen des WCF (Afrika, Lateinamerika, Naher/Mittlerer Osten und Zentralasien) eingereicht.

20 Projekte davon erhielten Produktions- bzw. Verleihförderung und inzwischen sind drei Filme fertig gestellt worden (Paradise Now, Saratan, Naoussé), die erfolgreich auf internationalen Festivals liefen.

Der WCF entstand als Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und der Internationalen Filmfestspiele Berlin, als weiterer Kooperationspartner ist seit Januar 2005 das Goethe Institut dabei.

Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, kommentiert das erste Jahr: „Der World Cinema Fund hat einen phantastischen Start hingelegt. Seine Jury hat ein exzellentes Bewusstsein für Qualität. Das beweisen zahlreiche Preise, die die bisher geförderten Filme auf internationalen Festivals erringen konnten. Dem Berlinale-Erfolg Paradise Now ist überdies gelungen, was ich allen WCF-Filmen wünsche: in möglichst viele deutsche Kinos zu kommen und eine öffentliche Debatte über die Wirklichkeit ihrer Herkunftsländer anzustoßen.“

Aktuell hat die WCF-Jury in der dritten Förderrunde am 24. Oktober 2005 vier Projekte im Bereich Produktion und eines für den Verleih zur Förderung ausgewählt:

Produktionsförderung

Faro, la reine des eaux, Regie: Salif Traoré (Mali), dt. Ko-Produzent: Bärbel Mauch Film, Förderung: 60.000 EUR

Spielfilm / Der Ingenieur Dra kommt aus einem kleinen Dorf am Niger, lebt aber längst ein etabliertes Leben in der Stadt. Erst als er von den Eltern seiner zukünftigen Frau abgelehnt wird, weil er Sohn einer alleinstehenden Mutter ist, setzt er sich mit seiner Vergangenheit auseinander. In der Hoffnung, seinen Vater kennen zu lernen, fährt er in das Dorf seiner Kindheit. Die Reise wird zu einer Entdeckung der enormen Unterschiede zwischen ländlichem und urbanem Leben und macht den Konflikt zwischen Moderne und abergläubischen Sitten sichtbar.

Ghoussoun, Regie: Yaron Shani & Scandar Copti (Israel/Palästina), Inosan Productions (Israel), noch kein dt. Ko-Produzent, Förderung: 65.000 EUR

Spielfilm / Schauplatz der Ereignisse sind die Städte Jaffa und Tel Aviv, die zwar einer einzigen urbanen Landschaft angehören, aber von einer unsichtbaren Mauer geteilt sind. Jaffa wird hauptsächlich von arabischen israelischen Staatsbürgern bewohnt; in Tel Aviv, der modernen pulsierenden Stadt, leben fast nur israelische Juden. Der Film schildert den beschwerlichen Alltag der Bewohner dieser Region und ihre privaten Konflikte, die aufgrund der gesellschaftlichen Umstände entstehen.

Für die Verwirklichung dieses Projektes haben sich ein palästinensischer und ein israelischer Regisseur zusammen getan.

The Feather Man, Regie: Azza El Hassan (Palästina), dt. Ko-Produzent: Ma.ja.de, Förderung: 25.000 EUR

Dokumentarfilm / In Zeiten vor der israelischen Besetzung Beiruts war der „Feather Man“ eine stadtbekannte skurrile Figur, die mit bemaltem Gesicht und Federkopfschmuck eigenständig den Verkehr regelte. Besonders beliebt war er bei den Kindern. Als die Israelis kamen, entpuppte sich der Sonderling als General der israelischen Armee, der seit Jahren als Spion in Beirut lebte und nun die israelischen Einheiten durch die Stadt führte. Die Regisseurin setzt sich auf sehr persönliche Weise mit der Figur und mit dem Nahost-Konflikt auseinander.

Songs from the Southern Seas, Regie: Marat Saralu (Kirgistan), dt. Ko-Prouzent: Rohfilm, Förderung: 80.000 EUR

Spielfilm / Der Film beschäftigt sich mit der multi-ethnischen Realität Kirgistans. In einzelnen Episoden werden Figuren und Handlungen vorgestellt, die die Geschichte und Gesellschaft des Landes vermitteln. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen zwei Familien: einer russischen, d.h. blonden und europäisch aussehenden, und einer kirgisischen, d.h. dunkelhaarigen und asiatisch aussehenden. In einer eindrücklichen Episode wird der Russe Stephan aus Liebe zu einer Kirgisin Muslim und lebt fortan als Suleiman weiter. Seine Kinder sehen europäisch aus, wachsen aber traditionell kirgisisch auf. Mit Humor und Ironie setzt sich der Regisseur mit den sozialen Umbrüchen in seiner Heimat auseinander.

Verleihförderung

The Man Who Copied, Regie: Jorge Furtado (Brasilien), dt. Verleih: Kool Film, Förderung: 7.500 EUR

Spielfilm / André arbeitet in einem Copy-Shop, vertrödelt die Zeit mit Plaudereien mit seiner Kollegin Marines und mit Comic-Zeichnungen nach Feierabend. Er ist heimlich in seine Nachbarin Sylvia verliebt, traut sich aber nicht, sie anzusprechen. Als er anfängt, Falschgeld herzustellen, trifft er auf Marines Freund Cardoso. Um ihrer tristen Existenz zu entfliehen, sind die vier jungen Leute bereit, einen Raubüberfall zu begehen…

Der Jury des WCF gehören die Independent-Verleiherin Isabelle Dubar (Frankreich), der Kurator Keith Shiri (Simbabwe/England), der Programmkoordinator des Schweizer Fernsehens, Alberto Chollet (Schweiz), und Berlinale-Direktor Dieter Kosslick an.

Der World Cinema Fund fördert Filmprojekte aus Ländern, deren Filmindustrie kaum entwickelt ist oder durch politische und ökonomische Krisen in ihrer Existenz bedroht wird.

Nächster Einreichtermin: 16. März 2006. Weitere Informationen unter www.berlinale.de.

Der World Cinema Fund ist ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und der Internationalen Filmfestspiele Berlin, in Kooperation mit dem Goethe Institut.

Presseabteilung

2. November 2005