Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2005

Selling Democracy

31.01.2005:
Berlinale-Reihe Selling Democracy II – Winning the Peace

Mit Selling Democracy – Welcome Mr. Marshall startete die Berlinale 2004 eine vielbeachtete Reihe mit Filmen aus dem US-amerikanischen Wiederaufbauprogramm für Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Filmreihe ist auf insgesamt drei Jahre angelegt und wird bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2005 und 2006 fortgeführt.

Bei der 55. Berlinale (10.-20.02.2005) werden unter dem Titel Selling Democracy – Winning the Peace vor allem Filme der frühen Nachkriegsjahre gezeigt. Neben den eigentlichen „Marshall-Plan-Filmen“ stehen einerseits auch die so genannten Reorientation-Filme, andererseits Aufbaufilme der SBZ und DDR im Mittelpunkt. Wie die schwierige Phase des Wiederaufbaus filmisch begleitet und propagiert wurde, lässt sich im Vergleich dieser Filme aus unterschiedlichen politischen Systemen ablesen. Ein weiterer Programmschwerpunkt sind amerikanische Spielfilme, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland entstanden und sich dabei um ein differenzierteres Bild bemühen.

2006 wird das Projekt mit Selling Democracy – Friendly Persuasion abgeschlossen. Schwerpunkt wird dann die Veränderung Westeuropas durch Modernisierung, Technisierung und die Vorbildfunktion des „American way of life“ sein. Die Filmreihe Selling Democracy – Winning the Peace findet vom 12. bis 20. Februar 2005 im Zeughauskino statt. Die Vorführungen der insgesamt 37 Filme – drei abendfüllende Spielfilme (Berlin Express, Jacques Tourneur, 1948; A Foreign Affair, Billy Wilder, 1948; The Big Lift (George Seaton, 1952) und der insgesamt 33 kürzeren Filmen, zusammengefasst in sechs thematischen Programmen – finden jeweils um 17.00 Uhr im Zeughauskino statt.

Die Grundidee der gesamten Filmreihe zielt auf die Würdigung einer beispielhaften politischen Initiative: „Die politische und humane Idee der Marshall-Plan-Filme und ihr Anteil am Demokratisierungsprozess gehören mit zu den beeindruckendsten politischen Initiativen der Nachkriegszeit“, betont Dieter Kosslick. „Die ebenso einzigartigen wie unterschiedlichen Filme, die in dieser Zeit entstanden, möchten wir in Erinnerung rufen.“

Die im letzten Jahr begonnene Diskussion über die Marshall Plan-Filme wird 2005 im Rahmen von vier Workshops fortgesetzt und zugleich intensiviert. Internationale Fachleute beleuchten Aspekte der amerikanischen Nachkriegspolitik und des Marshall-Plans sowie der Propaganda des Kalten Krieges. Historiker, Filmhistoriker und Zeitzeugen berichten über die Intentionen der Filme, die für – und auch gegen – den Marshall Plan produziert wurden. Es besteht ausreichend Gelegenheit zur Diskussion. Die meisten Vorträge werden mit Filmbeispielen arbeiten, einige Filme werden innerhalb der Workshops zusätzlich vorgeführt. Die Workshops richten sich sowohl an ein internationales interessiertes Publikum wie auch an die Berliner Öffentlichkeit und finden von 14. bis 17. Februar 2005 (jeweils 10.00 bis 13.00 Uhr) im Auditorium des „Pei-Baus“ (Wechselausstellungsgebäude des Deutschen Historischen Museums) statt.

Rainer Rother, Kurator von Selling Democracy: „Dem Problem, wie man den Frieden gewinnt, stellten sich die Sieger nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals bewusst. Das Großartige am Marshall-Plan ist diese Hilfe zur Selbsthilfe, die die Vision eines freien, selbstbewussten, wiederaufgebauten Europa eröffnete. Natürlich reagierte die Sowjetunion mit einer Gegenpropaganda. Westdeutschland unter der Knute der USA, das war die Lesart der frühen DDR – Westdeutschland auf dem Weg in Freiheit und Wohlstand die der jungen Bundesrepublik. Es ist spannend, diese Gegenüberstellung heute zu untersuchen“.

Das Programm der Workshops:

Montag, 14.02.2005

Ein guter Plan – zwischen Hilfe zur Selbsthilfe und Kaltem Krieg

Der erste Workshop widmet sich der Geschichte des Marshall Plans und bezieht dabei die Veränderungen auch in der Filmpolitik mit ein. Die „Phasen“ der amerikanischen Aufbauhilfe, die politischen Absichten und Hoffnungen der amerikanischen Regierung, die tatsächlichen Effekte des European Recovery Programs etc. sind hier wesentliche Fragen. Zudem wird auf die politischen Implikationen eingegangen, die vor allem in den späteren Jahren auch die Aussagen der Filme veränderten.

Referenten

David Ellwood (Johns Hopkins University, School of Advanced International Studies, Bologna)

Daniel Leab (Seaton Hall University, New Jersey)

Hans Beller (Regisseur „Der Marshall Plan in Action - Filme für Europa“)

Dienstag, 15.05.2005

Bilder des Grauens

Der zweite Workshop thematisiert „Die Konfrontation der deutschen Öffentlichkeit mit dem Ungeheuerlichen“ durch Dokumentarfilme und Wochenschauen über die Konzentrations- und Vernichtungslager. Die ersten Vorführungen, in denen die deutsche Öffentlichkeit die Bilder von den Orten des Völkermords sah, werden in diesem Workshop rekonstruiert. Die präsentierte Übersicht reicht über die ersten Beispiele bis hin zu Hanus Burgers „Die Todesmühlen“.

Referent

Heiner Roß (Kinemathek Hamburg)

Mittwoch, 16.02.2005

Demokratie lernen?

Der dritte Workshop hat die so genannten Reorientation-Filme zum Schwerpunkt. Zwischen 1948 und 1952 produzierten Amerikaner und Briten in Deutschland rund hundert dokumentarische Kurzfilme, die sich ausschließlich an das deutsche Publikum wanden. Diese Filme klagten nicht mehr die nationalsozialistischen Verbrechen an, sondern richteten konsequent den Blick nach vorne, auf den Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft. Sie propagierten Engagement und Eigeninitiative, stellten Modelle des zivilen Zusammenlebens vor, öffneten den Blick auf die Welt und machten Mut für einen Neubeginn aus den Trümmern. Die propagierte Produktivitätssteigerung schließlich sollte zu einer „Demokratisierung des Konsums“ führen.

Referenten

Jeanpaul Goergen (Filmhistoriker, Berlin)

Peter Stettner (Fachhochschule Hannover)

Ramon Reichert (Universität Linz)

Donnerstag, 17.02.2005

Aus eigener Kraft

Der vierte und letzte Workshop konzentriert sich auf die unterschiedliche „Rezeption“ des Marshallplans in Ost und West. In beiden deutschen Staaten spielte er in der Legitimation der eigenen Leistung eine bedeutende Rolle – im Westen als Initialzündung eines Aufschwungs, der dann „aus eigener Kraft“ realisiert wurde, im Osten als jene „Unterjochung durch imperialistische Kräfte“, der man selbst dank der Hilfe der Sowjetunion entgangen sei. Zudem setzen die Filme der DEFA durchweg auf „basisdemokratische“ Elemente, indem sie der Eigeninitiative der ostdeutschen Arbeiter vertrauen und ihnen eigenständige Zukunftschancen einräumen.

Referenten

Günter Agde (Filmhistoriker, Berlin)

Matthias Steinle (Filmhistoriker, Marburg)

Round-Table-Gespräch mit

Alfons Machalz (Regisseur), Kurt Eifert (Dramaturg), Hans-Eberhard Leupold (Kameramann) und Matthias Steinle (Filmhistoriker). Leitung: Günter Agde

Zeit: 14.02.05-17.02.2005 von 10.00 bis 13.00 Uhr

Ort: Auditorium im Pei-Bau (Wechselausstellungsgebäude des Deutschen Historischen Museums), Eintritt frei

Information: Kathi Gormász, gormasz@berlinale.de

Die Retrospektive entstand als Kooperation mit dem Deutschen Historischen Museum Berlin und dem Bundesarchiv/Filmarchiv, die Workshops in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung.

Das Programm wurde vom German Marshall Fund of the United States unterstützt.

Presseabteilung

31. Januar 2005