Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2004

Kinderfilmfest

20.01.2004:
Berlinale: Kinderfilmfest und 14plus bestätigen Programm 2004

Gut zwei Wochen vor dem Festival steht das Programm des 27. Kinderfilmfestes fest. Der Wettbewerb des Kinderfilmfestes und der neue Wettbewerb 14plus umfassen insgesamt 20 Spielfilm- und 19 Kurzfilmproduktionen aus 24 verschiedenen Ländern.

Eröffnet wird das 27. Kinderfilmfest am 6. Februar 2004 von dem Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz. Zum Auftakt wird der britische Film Die wundersame Welt des David Wiseman (Wondrous Oblivion) in Anwesenheit des Regisseurs Paul Morrison und der jungen Hauptdarsteller Sam Smith und Leonie Elliott gezeigt. Die hoch emotionale Geschichte ist angesiedelt im England der 60er Jahre und beschreibt, wie ein cricketbegeisterter Elfjähriger in Konflikte mit seinem zunehmend rassistischen Umfeld gerät. Neben Sam Smith als David beeindruckt vor allem Delroy Lindo, bekannt aus MalcolmX, Schnappt Shorty (Get Shorty) und Gottes Werk und Teufels Beitrag (Ciderhouse Rules).

Der deutsche Wettbewerbsbeitrag Die Blindgänger ist das Spielfilmdebüt von Bernd Sahling, der schon in seinem bisherigen dokumentarischen Werk die Welt von Blinden und Sehbehinderten in den Mittelpunkt rückte. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert er eine wichtige Phase im Leben der blinden Marie. Diese wird überzeugend von der sehbehinderten Darstellerin Ricarda Ramünke verkörpert. In der Rolle eines Hauslehrers mit ungewöhnlichem pädagogischen Ansatz brilliert einmal mehr Dominique Horwitz. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Hörfilm GmbH wird diese Film am Samstag, den 7. Februar 2004, um 14:00 Uhr auch als Hörfilmfassung für Sehbehinderte gezeigt.

Aus Kasachstan kommt ein Film, der auch die allerjüngsten Zuschauer in Begeisterung versetzen dürfte. In Hündchen zu verschenken (Sagan Kushik Kerek Pe? ) beweist Regisseur Kanymbek Kassymbekov, dass es durchaus Herausforderungen gibt, die Kinder unabhängig von Herkunft und Lebensalter zu meistern haben.

Mit dem Spielfilm Die Prophezeiung der Frösche (La Prophétie des Grenouilles) ist wieder einmal ein Werk des französischen Studios Folimage in Berlin zu sehen. In seiner Neuinterpretation der biblischen Sintflut interessiert sich Drehbuchautor und Regisseur Jacques-Rémy Girerd insbesondere dafür, wie auf der zur Arche umfunktionierten Scheune die Fleischfresser mit den Pflanzenfressern zurechtkommen. Ein wundervolles, traditionell animiertes Meisterwerk mit den Stimmen von Michel Piccoli und Annie Girardot. Französisches Unterhaltungskino in Reinform präsentiert auch die charmante Komödie Ich, César (Moi César, 10 ans ½, 1 M 39) von Richard Berry. Drei Großstadtkindern auf Abenteuersuche wird ihre Heimatstadt Paris allmählich zu eng und so brechen sie in geheimer Mission nach London auf.

Nahe der Grenze zu Pakistan spielt der indische Film Das blinde Kamel (Heda Hoda) von Vinod Ganatra. Der Film betrachtet den aktuellen politischen Konflikt zwischen beiden Ländern aus Kindersicht. Die Geschwister Sonu und Lakhami sind stolz, dass sie ausnahmsweise einmal auf die Kamelherde der Familie aufpassen dürfen. Als die Tiere weglaufen, muss Sonu in einer Nacht-und-Nebel-Aktion über die Grenze schleichen.

Um eine außergewöhnliche Kindheit geht es auch in dem philippinischen Melodrama Magnifico von Maryo J. delos Reyes. Der Neunjährige ist scheinbar der Einzige, dem die Leiden seiner Mitmenschen auffallen und so schreckt er weder vor der Pflege seiner behinderten Schwester, noch vor der Sargtischlerei für seine geliebte Oma zurück. Eine ergreifende Momentaufnahme aus einer fremd anmutenden Kultur und eine universelle Fabel über Leben und Tod.

Mit Capricciosa aus Schweden präsentiert der junge, im Iran geborene Regisseur und Drehbuchautor Reza Bagher seinen zweiten Spielfilm. Nach dem Tod seiner Mutter muss der 17jährige Henrik erleben, wie sein Vater dem Alkohol verfällt. Im Spagat zwischen Pflicht und Überforderung versucht er, die Verantwortung für seine kleinen Geschwister zu übernehmen. Getragen von dem charismatischen Rolf Lassgård, hierzulande bekannt als Kommisar Wallander, und Linus Nilsson entsteht das präzise Psychogramm einer vom Auseinanderfallen bedrohten Familie.

Mit Spannung kann die Welturaufführung des neuen Films von Ella Lemhagen, Doppelpreisträgerin des Kinderfilmfestes 2000, erwartet werden. Spritzig und unsentimal präsentiert die schwedisch-norwegische Koproduktion Hin und her (Tur och retur) eine klassisch angelegte Verwechslungskomödie. In einer Doppelrolle ist Amanda Davin hier in einem der wohl bemerkenswertesten Auftritte des Jahres zu erleben.

Einblicke in die komplizierte Familienstruktur einer modernen westeuropäischen Familie vermittelt Ineke Houtmans neuer Film Polleke aus den Niederlanden. Schritt für Schritt kämpft sich die elfjährige Polleke durch das Chaos, das die Erwachsenen in ihrem Leben tagtäglich anrichten.

Der Fuchs mit drei Pfoten (La volpe a tre zampe) aus Italien ist eine Hommage an die großen Tage des italienischen Kinos. Aus der Perspektive eines Kindes erzählt Regisseur Sandro Dionisio eine mehr und mehr ins Fantastische abdriftende Alltagsgeschichte in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Nadja Uhl (Gewinnerin eines Silbernen Bären 2000) ist hier in der Rolle der Mutter zu sehen.

Als zeitlose Parabel hat die junge Japanerin Naoko Ogigami ihr Spielfilmdebüt Yoshinos Frisörsalon angelegt. Im Kampf gegen eine schier übermächtige Frisörin bringt eine Jungenbande die Traditionen eines ganzen Dorfes ins Wanken. Die Regisseurin wurde aus über 3500 Bewerbern auch für die Teilnahme am diesjährigen Berlinale Talent Campus ausgewählt.

Außer Konkurrenz läuft der belgische Film Hop aus dem Jahr 2002. Regisseur Dominique Standaert erzählt in eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern einen Krimi am äußersten Rand der Gesellschaft. Dem illegalen afrikanischen Flüchtlingskind Justin gelingt es, einen alten Anarchisten aus seiner Lethargie zu rütteln, um sich gemeinsam für das Schicksal von Justins abgeschobenem Vater einzusetzen.

Im Vergleich zu den Vorjahren präsentiert der Kurzfilmwettbewerb in vier Programmblöcken eine deutlich größere internationale Auswahl an herausragenden Kurzfilmen. Neben Animationsfilmen aus Russland, Slowenien, Kanada, Frankreich und Schweden sind allein vier Werke dabei, die an deutschen Hochschulen entstanden sind: Hochbetrieb von Andreas Krein, Gewinner des diesjährigen Short Tiger Awards, und der pfiffig erzählte Captain Bligh von Derek Roczen kommen von der Filmakademie Baden-Württemberg. An der HFF Konrad Wolf entstanden zwei vielversprechende Animationsfilme: Ungewöhnlich in der Machart ist Lucia von Felix Gönnert; anrührend und für alle Altersklassen geeignet präsentieren sich die Pantoffelhelden von Susanne Seidel.

14plus – films for the young generation

Wegen der großen Zahl überzeugender Angebote sind nun insgesamt acht Filme in diesem neuen Wettbewerb vertreten. Ehrengast Denis Moschitto (Verschwende deine Jugend; Die Klasse von 99; Nichts bereuen) wird 14plus am 7. Februar 2004 eröffnen.

Als Beitrag zum diesjährigen Berlinale Länderschwerpunkt Südafrika ist Die hölzerne Kamera (The Wooden Camera) von Ntshavheni Wa Luruli im Programm. In der Koproduktion aus Frankreich, Großbritannien und Südafrika versuchen ein schwarzer Junge und ein weißes Mädchen sich der eskalierenden Gewaltspirale zu entziehen und andere Lebenskonzepte zu entwickeln. Petter Næss, Regisseur des Arthouse-Überraschungserfolges Elling, schickt einen weiteren norwegischen Film ins Rennen um die neue Trophäe für den besten Jugendfilm. Nur noch Bea (Bare Bea) ist eine pralle, sinnenfrohe Komödie über jugendliche Wirren zwischen Liebe und Sex.

Perlen und Säue (Helmiä ja sikoja) des finnischen Regisseurs Perttu Leppä ist eine urkomische Familientragödie, in der vier Brüdern von ihrer kleinen Schwester die zarten Seiten des Lebens vermittelt werden. Hin und hergerissen zwischen Depression und Karaoke manövriert sich eine vorübergehend vaterlose Familie durch den ganz normalen finnischen Alltag.

Als Sondervorführung wird Kick'n Rush von Aage Rais-Nordentoft, ein Film aus dem Panorama-Programm, gezeigt.

Dank der Unterstützung durch Disney Channel kommen wieder die meisten der jungen Darsteller nach Berlin. „Durch die Partnerschaft mit der Berlinale verstärken wir unser bereits bestehendes Engagement für den deutschen und europäischen Kinderfilm“, freut sich Michael Kreissl, Geschäftsführer des Disney Channel, über die Zusammenarbeit.

Erstmalig lädt das Kinderfilmfest zusammen mit der Volkswagen Youthlounge Zoon.com an acht Abenden des Festivals Zuschauer zum Live-Talk auf die Internetplattform. Schauspieler und Regisseure stehen unter www.zoon.com Rede und Antwort zu ihren Filmen.

Presseabteilung

20. Januar 2004