Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2004

Selling Democracy

26.01.2004:
Berlinale 2004: Selling Democracy - Welcome Mr. Marshall

In Zusammenarbeit mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums und dem Bundesarchiv/Filmarchiv. Mit freundlicher Unterstützung durch Volkswagen.

Die westeuropäischen Länder erhielten nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nur ökonomische, sondern auch kulturelle und psychologische Hilfe aus den USA. Der im Juni 1947 beschlossene Marshall-Plan – sein offizieller Titel lautet „European Recovery Programme“ – brachte 16 europäischen Staaten Finanzhilfen und Wirtschaftsgüter, letztere etwa in Form von Lebensmitteln, Rohstoffen und Maschinen. Doch es wurden auch ideelle Werte verbreitet: So entstanden bis zum Ende der Marshall-Plan-Aktivitäten 1952 über 200 Filme, die die Hilfsaktivitäten der Amerikaner dokumentierten, zur Selbsthilfe anregten und für interkulturelle Verständigung, Demokratie und Pluralismus warben – nicht zuletzt in Abgrenzung zum kommunistischen Osteuropa. Ziel war es, eine europäische Nachkriegsidentität zu schaffen, die zugleich als Bollwerk gegen den Kommunismus dienen konnte. Gleichzeitig boten die Filme zum Teil sehr praxisorientierte Einführungen in neue Technologien und Bewirtschaftungsformen. Von der Etablierung eines europäischen Stromverbunds bis zur Konstruktion von Hühnerställen reicht hier das Spektrum.

Einige der eindrucksvollsten Beispiele der im Rahmen des Marshall-Plans entstandenen Filme zeigt die Berlinale im Zeughaus-Kino. Die Filme, in der Regel 7 bis 40 Minuten lang, wurden von europäischen und amerikanischen Regisseuren gedreht; das breite Publikum konnte sie im Vorprogramm regulärer Kinovorstellungen sehen. Es gab zusätzlich Vorführungen in Schulen und Filmclubs oder vor Verbänden und Fachpublikum.

In der Rückschau weist nicht nur die mit viel Emphase vorgetragene Vision eines geeinten Europas aktuelle Parallelen auf; die sehr ambitionierten Filme talentierter Regisseure überzeugen auch heute noch in ihrem Formbewusstsein und ihrer zum Teil heiteren, fantasievollen Tonalität. Die niederländische Produktion Houen Zo über den Wiederaufbau Rotterdams erhielt etwa 1952 einen Preis beim Filmfestival in Cannes. Einer der Filmemacher war der später sehr erfolgreiche deutsche Spielfilmregisseur Georg Tressler Die Halbstarken: Mit dem Film Traudls neuer Gemüsegarten warb er sehr anschaulich für neuartige landwirtschaftliche Anbaumethoden – einer der vielen Filme, die sich direkt an die Jugend richteten, die ein wichtiges Potenzial beim Wiederaufbau Europas bildete.

An zehn Tagen werden insgesamt 42 Filme im Zeughaus-Kino zu sehen sein. In begleitenden Wortveranstaltungen werden der Regisseur Georg Tressler und andere Protagonisten des Marshall-Plan-Filmprogramms zu Wort kommen.

Aus Anlass der Reihe Selling Democracy Welcome Mr. Marshall erscheint auch eine 28-seitige Broschüre, die erstmals einen anschaulichen Überblick über diesen einzigartigen Bestand an historischen Filmdokumenten gibt und auch die Menschen hinter dem Projekt der Marshall-Plan-Filmproduktion vorstellt.

Sonntag, 8. Februar 2004, 14.00 - 16.00 Uhr,

Filmmuseum 1. Stock, in englischer Sprache

Marschall Plans and its filmhistorical and political importance

Roundtable mit Mike Meyers, Gilbert de Goldschmidt, Georg Tressler, Prof. Tom Mascaro, David Ellwood, Sandra Schulberg, Dr. Rainer Rother, Dr. Uwe Grieger

Presseabteilung

26. Januar 2004