Berlinale: Pressemitteilungen


Pressemitteilungen 2004

Zusätzliches

27.01.2004:
Berlinale Special

Mit der Reihe Berlinale Special schaffen die Internationalen Filmfestspiele Berlin im Offiziellen Programm eine neue Reihe, in der sowohl aktuelle Werke großer Filmemacher als auch Wiederaufführungen von Werken der Filmgeschichte und Produktionen zu Festivalschwerpunkten oder brisanten Themen gezeigt werden.

In diesem Jahr gibt es in diesem Rahmen drei Wiederaufführungen, die jüngsten Filme der Regie-Altmeister Peter Greenaway und Ermanno Olmi, zwei Produktionen zu Auseinandersetzungen mit der politischen Vergangenheit sowie drei Filme, die aus Anlass des Festivalschwerpunktes Musik gezeigt werden.

Für diese Reihe wurde – neben den bestehenden Festivalkinos International und Zoo-Palast – der wunderbar restaurierte Film-Palast am Kurfürstendamm als Spielstätte gewonnen. Um die Filme und ihre Macher gebührend zu empfangen, wird dort ein weiterer Roter Teppich ausgerollt.

Der bekannte italienische Arthouse-Regisseur Ermanno Olmi inszeniert mit seinem Film Cantando dietro i paraventi (Singing Behind Screens) eine zart gesponnene Geschichte nach einem chinesischen Opernstoff aus dem 19. Jahrhundert. Die Handlung spielt im China des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Die Witwe eines Piraten sucht Vergeltung für den Tod ihres Mannes und hinterlässt mit ihrer Piratenflotte eine Spur der Verwüstung. Es kommt zu einer Konfrontation mit der kaiserlichen Armada, in deren Verlauf der junge Thronfolger selbst die Verfolgung der Frau aufnimmt. Der Film ist vielschichtig konstruiert und fasziniert durch kraftvolle, poetische Bilder. Die Hauptdarsteller sind Bud Spencer, Jun Ichikawa und Sally Ming Zeo Ni.

(Kino: Film-Palast)

Der für sein experimentelles Filmschaffen bekannte britische Regisseur Peter Greenaway ist mit dem zweiten Teil seines bislang ehrgeizigsten Filmprojekts im Berlinale Special vertreten. The Tulse Luper Suitcases ist ein Werk von enzyklopädischem Umfang, das über eine Zeitspanne von sechzig Jahren die Geschichte des Urans erzählt – der Nummer 92 im Periodensystem der Elemente. Dies ist auch die Geschichte des Künstlers und Schriftstellers Tulse Luper, dessen Leben und Zeit anhand des Inhalts von 92 Koffern rekonstruiert wird, die nach und nach überall auf der Welt auftauchen. Isabella Rosselini, Franka Potente und Ornella Muti sind in den Hauptrollen zu sehen.

(Kino: Film-Palast)

Filmgeschichte im Berlinale Special: Der französische Regisseur Jacques Demy hat mit seiner Verfilmung des Märchens Peau d’ane (Donkey Skin) nach Charles Perrault bereits Generationen von Zuschauern berührt. Cathérine Deneuve verkörpert eine junge Prinzessin, die sich der Heiratsabsichten ihres eigenen Vaters erwehren muss. Eine Fee eilt zu Hilfe und stattet die Prinzessin mit einer Eselshaut aus. Mit einer Vorführung der restaurierten Fassung erhält das Berlinale-Publikum Gelegenheit, den 1970 entstandenen Film in seiner ursprünglichen Brillanz und in verbesserter Tonmischung zu sehen. In den Hauptrollen sind Cathérine Deneuve, Jean Marais, Jacques Perrin und Delphine Seyrig zu sehen. Als Vorfilm zu Peau d’ane zeigt die Regisseurin Agnès Varda – Ehefrau des 1990 verstorbenen Jacques Demy – den Kurzfilm Le lion volatil. Der Film ist Teil einer Kurzfilmkompilation zum Thema Paris, je t’aime.

(Kino: Film-Palast)

Aus Deutschland wird der Film Das Boot ist voll wieder aufgeführt. Er beschreibt das Schicksal einer Gruppe jüdischer Flüchtlinge und greift das umstrittene Thema der Schweizer Asylpraxis während des Zweiten Weltkrieges auf. Die aus deutscher Gefangenschaft entflohenen Juden gelangen im Jahr 1942 über die Grenze in die Schweiz. Ihnen droht jedoch ein bitteres Schicksal, als sie von den Behörden zurückgewiesen werden. 1981 gewann Markus Imhoof für sein aufrüttelndes Drama einen Silbernen Bären auf der Berlinale; im Jahr darauf folgte eine Oscar-Nominierung. Die Berlinale freut sich, den lange verschollenen Film nach aufwändiger digitaler Bearbeitung in restaurierter Fassung zeigen zu können. Die Hauptdarsteller sind Tina Engel, Curt Bois, Renate Steiger und Mathias Gnädinger.

(Kino: Film-Palast)

Anlässlich des 70. Geburtstages des Regisseurs Peter Schamoni läuft sein Film Frühlingssinfonie aus dem Jahr 1984. Dieser Film zeigt die Liebesgeschichte zwischen Clara Wieck und Robert Schumann, die überschattet wird von der Hassliebe zwischen Schumann und Claras Vater Friedrich Wieck. Der will Claras Karriere betreiben, um sich selbst als Künstler zu verwirklichen. Der Kampf, den die beiden Männer um Clara führen, ist zugleich ein Kampf verschiedener Kunst- und Lebensstile, ein Kampf der Generationen. Schumanns Frühlingssinfonie ist Ausdruck seiner Liebe für Clara und Ausdruck eines nach vielen Rückschlägen errungenen Sieges. In den Hauptrollen sind Nastassja Kinski, Rolf Hoppe und Herbert Grönemeyer zu sehen.

(Kino: Film-Palast)

Die Vertretung des Freistaates Bayern ehrt darüber hinaus den Regisseur Peter Schamoni mit der Ausstellung Film Pieces vom 12. bis zum 20. Februar 2004 in ihren Räumen in der Behrenstrasse 21/22.

Politischer Hintergrund im Berlinale Special: Schamoni Papa – rua Alguem 5555 (My Father) von dem italienischen Regisseur Egidio Eronico handelt von einem jungen Mann, der nach Südamerika reist, um erstmals seinen Vater zu treffen – den Mann, der als Lagerarzt in Auschwitz grausame Experimente an Menschen durchführte und den Tod tausender Häftlinge zu verantworten hat. Durch die Flucht nach Südamerika ist er einer Verhaftung entgangen. Der Sohn konfrontiert den Vater mit dessen Vergangenheit, sucht Antwort auf seine Fragen und hofft, den Mann dazu zu bewegen, sich zu stellen. Der Film basiert auf der Novelle Vati des deutschen Schriftstellers Peter Schneider, der hier die Biographie des KZ-Lagerarztes Josef Mengele verarbeitet. Charlton Heston, F. Murray Abraham und Thomas Kretschmann spielen in den Hauptrollen. (Kino: Film-Palast)

Der dokumentarische deutsch-französische Spielfilm Pour l'amour du peuple (Aus Liebe zum Volk/I Love You All) von Eyal Sivan und Audrey Maurion (Ein Spezialist) basiert auf dem authentischen Zeugenbericht eines ehemaligen Stasi-Majors sowie bislang nie gezeigten Archivbildern aus der ehemaligen DDR. Der Protagonist erscheint als Stimme aus dem Off. Sie gehört einem Mann, der blind und ohnmächtig dem Untergang eines Systems zuschaut, an das er bis zum Schluss glauben will. Die zweite Rolle hat das Volk inne, eine abstakte Größe, die der Protagonist mit allen Mitteln zu entschlüsseln versucht. In einer ungewöhnlichen Montage von Ton und Bild entsteht so das Kaleidoskop einer Überwachungsgesellschaft. Schamoni (Kino: International)

Festivalschwerpunkt Musik im Berlinale Special:

Rhythm Is It! – der unkonventionelle deutsche Musikfilm von Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch zeigt die Berliner Philharmoniker und ihren Chefdirigenten Sir Simon Rattle in ihrer ersten gemeinsamen Saison während der Proben zu Igor Strawinskys Le sacre du printemps. Die Aufführung wurde als „Education-Projekt“ mit Kindern und Jugendlichen aus Berliner Brennpunktschulen einstudiert, von denen ein Großteil keinerlei Tanzerfahrung besaß. Den Zuschauer erwartet kein klassischer Konzertfilm, sondern ein lebendiges, visuell ambitioniertes Musikfilmerlebnis. Dabei entstand ein Dokumetarfilm, der die Erfahrungen der Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt. (Kino: Zoo-Palast)

Strawinskys Ballett Le sacre du printemps handelt von einem heidnischen Frühlingsritus, in dem ein Menschenopfer dargebracht wird. Der Stummfilm des im vergangenen Herbst verstorbenen deutschen Regisseurs Oliver Herrmann verlegt die fiktive Handlung in die Neuzeit und spielt in der Welt der kubanischen Santeria – einer der wenigen noch heute praktizierten archaischen Religionen. Die materielle Welt wird hier zur gefühlskalten Großstadt, eine tropische Insel verkörpert dagegen die Spiritualität. Die Musik zum Stummfilm wurde von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle eingespielt und wird zur Weltpremiere am 15. Februar in der Berliner Philharmonie live aufgeführt. Als Hauptdarsteller sind Sophie Semin, Ariadna del Carmen und Robert Hunger-Bühler zu sehen. Schamoni (Ort: Philharmonie)

Als Berlinale Special Live-Event wird der Film Process im Berlinale Talent Campus aufgeführt. Zu den Klangkompositionen des Musikers John Cale hat der Regisseur CS Leigh ein Drama der Vernichtung inszeniert, in dem nur wenig Worte gewechselt werden. Eine Schauspielerin ist entschlossen, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Hinter ihr liegt eine schmerzvolle Vergangenheit, gegen deren Schatten sie nicht länger ankämpfen will. Die Musik, lange Kamerafahrten und ausdrucksstarke Lichteffekte bestimmen den Charakter des Films. Die Hauptrollen spielen Béatrice Dalle, Guillaume Depardieu und Daniel Duval. (Kino: Haus der Kulturen der Welt)

Presseabteilung

27. Januar 2004